Kultur & Freizeit in Berlin

Andrea Hahn über eine lahmende Fahrradpolitik

Im "Copenhagenize Index", der die Fahrradfreundlichkeit von Großstädten auf der ganzen Welt bewertet, ist Berlin vom 5. (2011) auf den 12. Platz abgerutscht.

Andrea Hahn
Auweia, nun ist aus dem diffusen Gefühl, dass hier etwas gehörig schleift, eine harte, abmahnende Zahl geworden. Im kürzlich veröffentlichten Copenhagenize Index, der die Fahrradfreundlichkeit von Großstädten auf der ganzen Welt bewertet, ist Berlin vom 5. (2011) auf den 12. Platz abgerutscht. Vier Jahre stadtplanerischer Stillstand haben gereicht. Während die rund 40?000 jährlich hinzuziehenden Neuberliner allesamt mit Fahrrad anzukommen scheinen, ist die Infrastruktur für Radler weitergehend die alte geblieben. Mit seinem unstrukturierten Wegenetz – es lebe das fröhliche Von-der-Straße-auf-den-Gehweg-und-wieder-zurück-Pendeln –, seinen zugeparkten Fahrradspuren und den fehlenden Stellplätzen wird die Zweirad-Hochburg ihrem Ruf längst nicht mehr gerecht. Dabei gab es doch große Pläne. Die 2004 zwischen von dem Senat für Stadtentwicklung und diversen Interessenverbänden beschlossene Radverkehrs­strategie sah „bessere Straßen und Wege für Radfahrer“ und vor allem „mehr Sicherheit für den Radverkehr“ vor. Passiert ist seither wenig. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), der lange Milde hat walten lassen, wird nun ungehalten. „Handeln statt Schönreden“ heißt das Umsetzungskonzept zur Berliner Radverkehrsstrategie, das der Verband Anfang des Monats vorlegte. Quasi als Meinungsverstärker wurde letzten Sonntag eine Sternfahrt mit dem Motto „Fahrradstadt Berlin – jetzt!“ – die nach eigenen Angaben größte Fahrraddemonstration der Welt – durchgezogen.  
Und wie sieht eine kopenhagenisierte Stadt aus? Auf den Fahrradschnellwegen der dänischen Hauptstadt können diejenigen, die mit konstanten 20 Stundenkilometern radeln, auf einer beständig grünen Welle rollen. Dank LED-Leuchten im Asphalt braucht es nicht einmal einen Tacho, um die richtige Geschwindigkeit zu halten. In Berlin gibt es bisher eine einzige Straße mit fahrradfreundlicher Ampelschaltung: die Belziger Straße in Schöneberg. Unterirdische Rad-Parkhäuser wie in Amsterdam oder die in London geplanten Fahrrad-Highways durch die City: Das wollen wir auch! Mehr Frischluft, weniger Lärm, weniger Blech- und Menschenschäden!  
Aber ein Trost bleibt, wenigstens ist Hamburg noch schlechter (Platz 19).

Kommentiere diesen Beitrag