Drama

„Angelo“ im Kino

Die seltsame Geschichte des Mannes namens Angelo

Der „Mohr“ Angelo (Makita Samba) im Zentrum der höfischen Gesellschaft; Foto: Grandfilm

Circa 1721 ist er geboren, vermutlich im Norden des heutigen Nigeria: der Sklave, der von einer Gräfin am Wiener Hof gekauft, auf den Namen Angelo Soliman getauft und zum so genannten „Hofmohren“ wurde. Eine sehr seltsame Geschichts- episode hat der österreichische Regisseur Markus Schleinzer ausgegraben, die aber so deutlich ein Spiegel für die Gegenwart ist, dass er sie nur getreu den verbrieften Tatsachen nacherzählen muss.

Fünf Schauspieler schlüpfen in die Rolle des Angelo, dessen Leben am Hof betont emotionslos in meist starren Einstellungen nachgezeichnet wird. Als Kind ist Angelo kaum mehr als ein Spielzeug der Hofdamen, bekommt eine höfische Erziehung, wächst zum geschätzten Gesellschafter des Kaisers heran, setzt seine Position jedoch aufs Spiel, als er mit einer weißen Frau anbändelt. Nach seinem Tod kommt Angelo als Exponat ins Naturkundemuseum. Aus heutiger Sicht ungeheuerlich.

Vom Umgang mit dem Fremden erzählt Schleinzer. Also genau davon, was westliche Gesellschaften auch in der Gegenwart verstärkt diskutieren, ein Bezug, der gelegentlich angedeutet wird: Wenn Angelo anfangs untersucht wird, befindet man sich in einer Halle, deren Stahlstreben zeigen, dass es sich um eine moderne handelt. Was man mit diesen Verweisen macht, bleibt ganz dem Zuschauer überlassen, Schleinzer selbst bleibt kühler, distanzierter Beobachter, der nichts erklärt, sondern nur zeigt.

Angelo A 2018, 111 Min., R: Markus Schleinzer, D: Makita Samba, Jean-Baptiste Tiémélé, Alba Rohrwacher, Christian Friedel, Start: 28.11.

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