Shopping und Stil in Berlin

Antikmarkt am Ostbahnhof: Raritäten und Re­tro-Chic

Entlang der Nordseite des Ostbahnhofs geht sonntags alles seinen routinierten Gang. Händler begrüßen sich per Handschlag.

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Foto: David von Becker

Das Publi­kum weiß, was es sucht, und geht entsprechend zielstrebig an die Sache. Der Sammlermarkt bietet Möbel, Münzen und allerlei skurrile Kleinpreziosen. Die Uncle-Sam-Spardose an Peter Köllers Stand befördert auf Knopfdruck eine Münze mit lautem „Poing!“ in die Tasche und stammt aus den USA, wie vieles bei ihm. Köller (großes Foto) hat ein Faible für die US-amerikanische Reality-TV-Serie „Die Drei vom Pfandhaus“, bei der sich eine Pfandleiher-Familie als Wert-Experte von antiken und skurrilen Gegenständen beweist. Auch er muss auf dem Markt ab zu was erklären und macht das gern. Wie bei den Beatles-Figuren des Yellow Submarine Collector’s Set aus Feinsteinzeug, einer Brennstufe vor Porzellan. Entworfen von Gerhard Skrobek, der auch die Hummelfiguren kreierte. Über 700 Figuren hat Köller zu Hause und ab und zu trennt er sich eben. Bei dem Aluminium-Schellenbaum aus den späten 30er-Jahren fehlt das obere repräsentative Element, mit ihm wäre das Instrument sicher begehrter.

Ein paar Stände weiter will sich Michael Schwarz nach sieben Jahren von seinem Retro-Sessel trennen. Über mangelndes Interesse­ kann er nicht klagen, aber vielleicht sind die 900 Euro, die er haben will, zu viel. Der Kinderwagen von 1900, den er bei einer Wohnungsauflösung auf dem Dachboden gefunden hat, erregt ebenfalls Interesse. Er hat ihn bewusst abgewetzt gelassen: „Die Leute suchen Originale und mögen ja lieber Unrestauriertes.“ Aber vom Studi bis zum Opa fühlt man sich auf dem Antikmarkt auch von einer Teufelpuppe magisch angezogen. Dirk Lehr, der sie verkauft, wundert sich nicht über das Interesse an der abgeliebten Figur, die wie ein Zwitterwesen aus Faun und Monchichi anmutet. Aus einer Kiste gezogen, wusste der 62-Jährige sofort: „Der ist ein Knaller.“ Aber sein Tagesfavorit mit Verkaufsgarantie ist ein schwerer Elektro-Ofen, der auf Knopfdruck zwei unechte Holzstücke in roter Glitzerglut erglimmen lässt. Stromfresser hin oder her, Romantiker kommen auf ihre Kosten. Schließlich kann das Gerät auch behaglich knistern, meint Lehr. Der Händler schätzt die lässige Atmosphäre des Antikmarktes und freut sich über prominente Käufer, die immer wieder mal auftauchen, wie zum Beispiel der Schauspieler Manfred Krug.

Text: Katrin Falbe

Foto: David von Becker

Antikmarkt am Ostbahnhof Erich-Steinfurth-Straße 1, Friedrichshain, So 9–17 Uhr, Tel. 29 00 20 10, http://oldthing.de/Berliner-Flohmarkt/Antikes-und-Sammeln/Grosser-Antikmarkt-Ostbahnhof

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