„Gustav Mahler war ein Heiliger.“

Der Kreis um Arnold Schönberg verehrte Mahler. Der wiederum unterstütze die als radikal gefürchteten jungen Komponisten, auch wenn er ihnen nicht in allem folgen konnte. Mahler war mit seiner Musik ein Bindeglied zwischen dem Wiener Fin-de-siиcle und der heraufkommenden Moderne. Beim Musikfest Berlin kann man diese „Schnittstelle“ im Konzert des Israel Philharmonic Orchestra hören: Mahlers Neunte Symphonie, sein letztes Werk, und Schönbergs erstes, die Kammersymphonie Nr. 1 werden in direkten Zusammenhang gebracht.

Dirigenten in der Tradition Mahlers prägten das 1881 gegründete Boston Symphony Orchestra, das dieses Jahr beim Musikfest Berlin zu Gast ist. Gustav Mahler selbst war in Boston als Chefdirigent im Gespräch. Mit Erich Leinsdorf (Chefdirigent 1962–69)und Bernard Haitink (Erster Gastdirigent 1995–2004) gaben ein Künstler aus der Mahler-Tradition und ein bedeutender Mahler-Interpret dem Orchester in der Nachkriegszeit künstlerische Impulse und sein unverwechselbares musikalisches Profil.

Eine überzeugende Mahler-Interpretation gab den Ausschlag für die Bestellung von Andris Nelsons als Nachfolger von James Levine als Musikdirektor im September 2014. Die New York Times schrieb dazu: „The Boston Symphony has placed its trust in a young dynamo“. Zum Musikfest kommen sie mit der wohl dramatischsten Symphonie Gustav Mahlers, der Sechsten.

Die Siebte Symphonie, von der Schönberg schrieb „Ich habe sie wie einen Klassiker aufgenommen, aber wie einen, der mir noch Vorbild ist“, ist Bestandteil des Programms des Konzerthausorchesters Berlin unter der Leitung von Ivаn Fischer. Beim Musikfest Berlin wird Mahlers Siebte mit den „Sonnets de Louise Labй“ von Marc-Andrй Dalbavie kombiniert, mit Countertenor Philippe Jaroussky als Solist.

Gustav Mahler war Vorreiter für die Komposition von Musik im Raum. Seine Anweisungen zur Aufstellung der Musiker wie „in Entfernung aufgestellt“ oder „in der Höhe postiert“ bezeugen es. Arnold Schönberg griff die Methodik seines Vorbilds in seinem aufwändigen und selten aufgeführtem Oratorium „Die Jakobsleiter“ auf und positioniert zusätzlich zum Orchester weitere Ensembles in der Höhe und in der Ferne des Konzertsaals. Zusammen mit Mahlers „Kindertotenliedern“ und „Shaar“ von Iannis Xenakis zählt dieses Konzert des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin gemeinsam mit dem Rundfunkchor Berlin zu einem der absoluten Höhepunkte im Musikfest Berlin 2015.

Mehr über Cookies erfahren