Kunst und Museen in Berlin

„Äolik in der Streusandbüchse“ im Georg-Kolbe-Museum

Luft, Licht, Erde: Markus Wirthmann arbeitet mit flüchtigen Materialien.

Kaskadische_Modelle-Markus_WirthmannManche Ausstellungen wirken stärker in einem intimen Rahmen. Nur acht Quadratmeter misst die Kunstkammer im Georg-Kolbe-Museum. In dem Projektraum stellt sich Ausstellungsleiter Marc Wellmann seit 2009 der Herausforderung, aktuelle bildhauerische Einzelpositionen zu zeigen, die den Skulpturbegriff in seiner Vielfalt behandeln. Kunstkammerkandidat Nummer 13 ist Markus Wirthmann. Der 1963 Geborene hat ein ausgeprägtes Interesse an naturwissenschaftlichen Vorgängen, die er in Bildhauerei zu übersetzen versucht. Unbildbare Materialien wie Luft, Licht und Wasser haben es ihm angetan. Um die flüchtigen Stoffe einzufangen, baut Wirthmann komplizierte Systeme.

Auch im aktuellen Projekt ist das Ausgangsmaterial schwer zu bändigen: Sand. In die Zwischenböden zweier windschiefer, mehrstöckiger Baumarktregale hat er Löcher gebohrt, durch die aus vier Behältnissen einige hundert Kilo Quarzsand unablässig herabrieseln und von Etage zu Etage faszinierende Miniatur-Wüsten bilden. Zwei Ventilatoren verblasen die Staubkörner, sodass es unter den Sohlen der Besucher knirscht. Der Titel „Äolik in der Streusandbüchse“ bezieht sich auf das unendlich feine Zusammenspiel zwischen Wind und Sandkörnern, wie es der Künstler 2001 in der Namib-Wüste beobachtete. Wirthmann spielt aber auch auf die preußische Geschichte an. Schließlich war die „Streusandbüchse“ Friedrichs des Großen ein mit Sand gefülltes Utensil zum Trocknen der Tinte und zugleich ein parodistisch gemeintes Bonmot zur Beschreibung des unfruchtbaren märkischen Bodens.

Text: Laila Niklaus

Bild: Kaskadische Modelle/Markus Wirthmann

tip-Bewertung: Sehenswert

Äolik in der Streusandbüchse Georg-Kolbe-Museum, Sensburger Allee 25, Charlottenburg, Di–So 10–18 Uhr, bis 5.2.2012

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