Musik & Party in Berlin

Aranea Peel im Interview

Die Frontfrau spielt mit ihrer Band "Grausame Töchter" am Freitag (21.12.) im Red Club Berlin in Weißensee.

Aranea Peel

Aranea Peel, Mastermind der Grausamen Töchter bewegt sich an der Schnittstelle Elektro, Gothic, EBM und Chanson. Textlich nimmt sie kein Blatt vor den Mund, die Lyrik oszilliert zwischen Sadomasochismus, Hymnen auf den Hedonismus und lesbischer Lebenslust. Wir sprachen mit ihr über Ironie in der Kunst und Sexualität als Showelement.

tip Solo sind Sie mit einem Chanson-Programm auf den Bühnen unterwegs, aber auch die Grausamen Töchter besitzen eine Verwandtschaft zu dem Genre, sowohl musikalisch resp. gesanglich ebenso wie das ironische Moment…
Aranea Peel Ja, etwas Ironie sollte in allem sein, was man tut oder sagt, weil letztlich sowieso alles relativ ist. Soviel Chanson entdecke ich musikalisch bei den Grausamen Töchtern eigentlich nicht; es mag aber sein, dass es an meiner Perspektive liegt. Inhaltlich besteht ganz sicher eine engere Verbindung; denn so simpel oder besser gesagt selbstverständlich es im Ergebnis manchmal auch wirken mag, ich versuche immer eine unverbrauchte Nuance des Menschseins auszudrücken und in eine emotional nachvollziehbare Form zu bringen, egal ob Chanson oder Industrial.

tip Bei den Grausamen Töchtern ist das SM-Element sehr dominant. Derzeit gibt es mit Romanen wie „Shades Of Grey“ einen regelrechten Boom von Hausfrauen-SM-Romantik. Haben Sie das Buch gelesen?
Aranea Peel Nein, ich habe das nicht gelesen, weil es mich bisher noch nicht interessiert hat. Vielleicht ist es gut, vielleicht auch nicht. Sadomasochismus wurde doch auch schon immer thematisiert. Alle klassische Literatur ist voll davon. Es wird natürlich nicht direkt beim Namen genannt, aber von Shakespeare bis Ibsen gibt es da sehr viel. Wenn man Dinge beim Namen genannt haben will, wo es dann mehr körperlich wird, empfehle ich dann lieber gleich Pornographie, um auf den Punkt zu kommen.

tip Amüsiert Sie der öffentliche Diskurs um „Shades Of Grey“ oder glauben Sie, dass sich dadurch möglicherweise mehr Menschen trauen, sich offensiv mit ihrer Lust auseinanderzusetzen?
Aranea Peel Doch, ich vermute, immer mehr Menschen trauen sich zu ihrer Sexualität zu stehen, sei es Sadomasochismus oder Homosexualität. Dazu trägt so ein Buch sicher auch bei, aber mindestens ist es Indikator für einen gesellschaftlichen Wandel zu mehr Toleranz; die Gesellschaft ist erwachsener geworden.

tip Ihre Shows unterliegen einer Altersbeschränkung – gab es in der Vergangenheit Schwierigkeiten mit Veranstaltern?
Aranea Peel Einmal wurde nicht vom Veranstalter, sondern vom Vermieter des Veranstaltungsortes gedroht, den Strom abzuschalten, wenn etwas Sexuelles passiert. Ich weiß nicht, wo Sexualität anfängt und wo sie aufhört. Ein mit Lippenstift rot gefärbter Mund kann schon so sexuell sein und Nacktheit kann mich so kalt lassen. Aber normalerweise gab es keine Probleme. Ich muss allerdings auch sagen, dass es nicht primär unser Ziel ist, Sexualität auf die Bühne zu bringen. Wir hatten auch schon sehr „normale“ Auftritte. Sexualität ist Inhalt oder Ausdrucksmittel, aber kein Showelement bei den Grausamen Töchtern.

Interview: Ronald Klein

Foto: Alexander Horn

Grausame Töchter, Fr 21.12., 20 Uhr, Red Club Berlin

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