Kultur & Freizeit in Berlin

„Arcadia Unbound“ im Funkhaus Berlin

In "Arcadia Unbound" im Funkhaus Berlin präsentieren internationale Künstler aktuelle Arbeiten, die nicht ganz von unserer Welt scheinen.

Wie ein Spannungsbogen wirkt der lange Flur, den man durchqueren muss, um zu der Gruppenausstellung „Arcadia Unbound“ zu gelangen. Hat man sich dann aber durch das Wegweisernetz gekämpft, wird man belohnt. In Block B und C des Funkhauses findet die Ausstellung mit gut zwei Dutzend Künstlern statt. Unter anderem sind Werke von Jorinde Voigt, Bjшrn Melhus oder Michael Sailstorfer zu sehen. Videoinstallationen, Malerei und vor allem Objektkunst.
Im Block B wird man von riesigen, bunten Styroporkörpern des Künstlers Tommy Stшckel empfangen, die sich wie überdimensionierte Hula-Hoop-Reifen um die Säulen des Foyers schwingen. Janine Eggert und Philipp Ricklefs haben eine Vitrine geschaffen, in der ein nicht definierbarer Körper flimmert. Vielleicht stellt man sich so Weltallgestein vor, denn das Objekt scheint nicht greifbar, irgendwie schwerelos. In dem One Channel Video „Architektura“ von Ulu Braun zeigt sich eine surreal zusammengesetzte Welt, die vollkommen künstlich, geradezu unheimlich erscheint. In der Aufnahmehalle des ersten Obergeschoss kriecht Jonas Burgerts bronzener Mann lechzend die Stufen des Orchestergrabens in Richtung der selbstspielenden, deformierten Gitarren von Christoph Rothmeier hinunter. In den Zwischenräumen der Fenster hat Emma Grün einen Ort aus Erde, Gips und anderen Materialien geschaffen, der auf den ersten Blick zum Verweilen einlädt, dann aber doch erschreckende Abgründe aufzeigt und so eher zu einem morbiden, abschreckenden Schlachtfeld wird und in Ivana Klickovics Videoinstallation bewegen sich nackte, verschwommene Körper zu der Karaokeversion von Phil Collins „In the Air Tonight“.
Man geht durch eine verstörende Fantasiewelt. Die Werke gleichen Verzerrungen, die nur noch wenig mit der uns bekannten Welt zu tun haben. Sie knüpfen an jenem Punkt an, an dem unsere Vorstellung aufhört und schweben so auf einem Grat zwischen Schein und Sein.

Die Ausstellung läuft noch bis Sonntag. Zu dem etwas abgelegenen Funkhaus fährt jede Stunde neben der Tram außerdem ein Bootsshuttle von der East Side Gallery.

Text + Foto: Nina Mumm

Funkhaus Berlin Nalepastr. 18–50, Oberschöneweide, bis So 20.9., 14–18 Uhr, www.arcadia-unbound.de

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