Kino & Film in Berlin

„Arschkalt“ im Kino

Eiszeit an der Gefühlsfront: Als Fahrer einer Tiefkühlkostfirma ist es Herbert Knaup "Arschkalt".

Arschkalt

Eine ehemals stolze Familienfirma fährt keiner gern gegen die Wand. Dem mittelalten Pessimisten, den Herbert Knaup in „Arschkalt“ gibt, ist genau dies unterlaufen. Und so wirkt sein Job als Fahrer einer Tiefkühlkostfirma wie eine Mischung aus Selbststrafe und Absage an die Welt. Immerhin, reden braucht der Gescheiterte mit niemandem – was sich ändert, als ihm seine motivierte junge Chefin einen Kollegen zur Einarbeitung aufzwingt. Der ist ein notorisches Sonnengemüt, unverdrossen mitteilsam.
Schon in seinem Erstlingsfilm „Selbstgespräch“ um vier Angestellte eines Call Centers erzählte Regisseur Andrй Erkau eine Geschichte aus der entseelten Arbeitswelt um allgemeine Kommunikationsgestörtheit. Hier wie dort geraten die Einzelnen unter die Räder. Durch das Tiefkühlsetting aber erhält „Arschkalt“ eine Art Corporate Identity, die vom Filmtitel bis zur Leitfarbe Weiß reicht und sich durch die Dialoge zieht, etwa wenn Knaup aus dem Off über sein eisiges Gewerbe philosophiert. Die Eiszeit-Metaphorik um menschliche Tieffrost-Zustände und vorsichtiges Warmwerden zieht der Film allzu berechnend durch. Die beherzt spielenden Schauspieler engt das eher ein.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Marion von der Mehen/NFP/Wüste Film 2011

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Arschkalt“ im Kino in Berlin

Arschkalt, Deutschland 2011; Regie: Andrй Erkau; Darsteller: Herbert Knaup (Rainer Berg), Johannes Allmayer (Tobias Moerer), Elke Winkens (Lieke van der Stock); 90 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 21. Juli

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