Videokunst

Arthur Jafa in der Julia Stoschek Collection

Der afroamerikanische Filmemacher und Video­künstler Arthur Jafa zeigt schwarze Lebensrealitäten in der Julia Stoschek Collection

Videostill / video still ARTHUR JAFA APEX, 2013 Video, 8’12’’, Farbe, Ton / video, 8’12’’,color, sound Courtesy of the artist and Gavin Brown´s Enterprise, New York City, Rome

Wahrscheinlich, sagt Arthur Jafa, wiederhole er sich ständig, aber da er nun mal auch ständig gefragt werde, wie er sich als Afroamerikaner im Kunstbetrieb fühle, könne er nur sagen, dass er es verstörend findet, oft das einzig schwarze Gesicht im Galerieraum zu sein. In Hongkong würde er das erwarten – in New York, wo er lebt, oder in London, wo er gerade in den Serpentine Galleries ausgestellt hat, nicht.

In der Julia Stoschek Collection lässt sich dieses Missverhältnis zur Eröffnung seiner Ausstellung „A Series of Utterly Improbable, Yet Extraordinary Renditions“ („Eine Serie von höchst unwahrscheinlichen, jedoch außer­gewöhnlichen Darstellungen“), die zuvor in den Serpentine Galleries zu sehen war, auch nicht auflösen: Die Journalisten, die etwas von Jafa über dieses Missverhältnis wissen wollen, sind ebenso weiß wie die Sammlerin Stoschek. Sie hat gerade ein wegweisendes Jafa-Werk, die Videoarbeit „Apex“, erworben und es im Rahmen der Ausstellung im Kinosaal im 1. Stock präsentiert.

Hier, in der Dunkelheit und unterlegt von sehr schnellen Beats aus Berliner Tresor-Zeiten, versteht der Besucher dann über eine sekundenschnell getaktete Abfolge von Bildern sofort, was Jafa meint, wenn er von einer schwarzen Ästhetik spricht, die er visualisieren will. Man sieht, zum Glück immer nur sehr kurz, furchtbare Szenen historischer und aktueller Gewalt gegen Schwarze, aber auch Familienbilder, Musiker, Popstars, dazu Comics, afroamerikanische Kunst. Alles zusammen ergibt genau die Aneinanderreihung schwarzer Lebensrealitäten, die Jafa zeigen will.

Arthur Jafa kommt vom Film, hat als ­Kameramann mit Spike Lee und Stanley ­Kubrick gearbeitet und Videos für Beyoncé und ihre Schwester Solange gedreht. Die Arbeit im Musikgeschäft hat seinen Sinn für die großen Unterschiede zusätzlich geschärft: „Das Musikbusiness ist das einzig künstlerische Genre, in dem Schwarze sehr erfolgreich und dabei so schwarz sein können, wie sie wollen.“ Was auch wieder historisch bedingt ist, und womit sich nicht nur der Kreis zu den von Jafa in „Apex“ gezeigten Bildern historischer und aktueller schwarzer Musiker schließt, sondern womit auch die Ausstellung im Erdgeschoss beginnt – mit Musik. Der Besucher bekommt einen Kopfhörer und verschiedene Tonspuren zu den einzelnen Werken angeboten: der starken schwarz-weißen Collage „Mickey Mouse was a Scorpio“, der Videoarbeit zum Youtube-Phänomen Missylanyus, Arbeiten, die sich mit dem Völkermord in Ruanda sowie mit Schießereien im Rahmen der Black-Panther-Bewegung beschäftigen. Abgeschlossen wird dieser Raum von zwei hintereinandergelegten „Black Flags“, der Konföderierten Fahne und der US-Flagge, die Jafa komplett schwarz nachnähen ließ.

Auf der anderen Seite im Erdgeschoss sind Arbeiten von zwei Künstlerinnen zu sehen, die Jafa eingeladen hat, an dieser, von Hans-Ulrich Obrist und Amira Gad kuratierten Ausstellung teilzunehmen. Die Arbeiten der Fotografin Ming Smith sowie die zu einem Bild gewordenen Instragram-Feeds der Soziologin Frida Orupabo runden Jafas Werk aber nicht ab, sie sind ganz eigenständige Beiträge zu dem, was diese Ausstellung ausmacht: Außergewöhnliche Darstellungen leider immer noch außer­gewöhnlicher, weil schwarzer Künstler zu zeigen.

Arthur Jafa Julia Stoschek Collection, Leipziger Str. 60, Mitte, Sa+So 12–18 Uhr, bis 25.11.

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