Musik & Party in Berlin

Astra-Kulturhaus und Suicide Circus haben eröffnet

Rumtreiben lohnt sich wieder: Am Wochenende feierten das Astra-Kulturhaus und auch die Clubgalerie Suicide Circus Eröffnung auf dem Gelände des RAW.

Astra Club / Foto: Hercher

Junge Leute drängen Samstagabend die Stufen der S-Bahnbrü­cke Warschauer Straße hinauf, ein Amei­senstrom, in dem abwechselnd bunte Käppis, Bierflaschen und vereinzelte Gettoblaster auftauchen. Wenige Schritte weiter, gleich hinter der Brücke, führt neuerdings eine Treppe zum Gelände des RAW. Vor ein paar Wochen noch musste man bis zur Revaler Straße laufen um in den ansässigen Cassiopeia-Club, zur Skaterhalle, Musikschule oder zu einem der vielen Vereine zu gelangen. Heute werden gleich zwei Eröffnungen auf dem Gelände gefeiert. Das Astra-Kulturhaus, eine Konzert-Location der Lido-Betreiber und der Suicide Circus, eine Club-Galerie-Kombination.
Dabei gehört das Forschen nach dem richtigem Eingang auf dem Gelände des RAW zum Standardprogramm, und an guten Abenden gleicht der Ort einem in die Jahre gekommenen Zirkus­areal, das seine Geheimnisse nur Stück für Stück preisgibt. Die Suche führt durch dunkle Gassen, vorbei an Graffitis auf roten Backsteinmauern, Bauzäunen und Bäu­men, in deren Kronen Lichterketten schimmern. Angelangt am Astra ist der erste Eindruck allerdings enttäuschend. Es präsentiert sich ein trostloser Bau mit vereinzelten Graffiti. Heute wird mit geladenen Gästen Pre-Opening gefeiert, darum ist die Stimmung auch, wie eine junge Schwedin am Eingang bemerkt, ein bisschen langweilig. Die meisten Leute, darunter Branchenkollegen wie Clubbetreiber Cookie oder Ben Debil von der Maria, sind gekommen, um zu gucken – nicht, um die Sau rauszulassen. Zu sehen gibt es allerdings eine Menge in den bis zu 1500 Zuschauer fassenden Hallen: die meterhohe Schwarz-Weiß-Fotografie vom Bahn­hof Warschauer Straße im Foyer, die originale Holzvertäfelung aus dem ehemaligen DDR-Rundfunk-Haus im Konzertsaal oder die 50er-Jahre-Lampen auf der blau gemusterten Tapete in der Bar – was draußen fehlt, wurde drinnen wieder wettgemacht. Das Haus hat Atmo­sphäre.
Astra / Foto: HercherBereits vor der Eröffnung waren die ersten Konzerte ausverkauft. In diesem Monat werden Peaches und Gossip spielen, Paul von Dyk ist mit seiner Vandit Night zu Gast, ebenso ein internationales Tangofestival. Das Astra als Erweiterung der etablierten Konzert-Location Lido funktioniert offenbar reibungslos. Der Name des Hauses weist übrigens nicht, wie man vermuten könnte, auf einen vermeintlichen Hauptsponsor hin, erklärt Mitarbeiter David Gruber auf Anfrage. Man verkaufe Astra, wie auch andere Biermarken. „Der Name klang einfach gut“, so Gruber, eine „O2- Arena für die Indie-Szene“ sei man nicht.
Wenige Meter weiter, bei der Eröffnung des Suicide Circus, inspizieren derweil Polizisten die Räume, Papiere des Hausherrn sind gefragt – alles ist in Ordnung, die Beamten gehen ihrer Wege. Der Club ist hell erleuchtet, Bilder der Dirty Guys, einem Kreuzberger Künstlerduo, hängen an frisch geweißten Wänden. Betreiber Ralf Brendeler begrüßt alte Bekannte, das Suicide steht auch für ein Stück Clubgeschichte. Seit 1994 gastierte Brendeler unter dem Label an verschiedenen Adressen und durchlebte dabei alle Entwicklungsstufen – vom kleinen Underground-Treff mit Alec Em­pire bis hin zu kommerziellen Rave­partys mit mehreren Tausend Leuten im Casino Anfang 2000. Danach hörte man nur noch wenig von Suicide-Ralf.
Seit letztem Jahr ist Brendeler wieder da, veranstaltete ein paar Partys im Tresor und eröffnet nun Räume, in denen sich Austellungen, Konzerte und Partys abwechseln sollen. Maximal 300 Leute haben Platz – es gibt einen Biergarten und weitreichende Pläne. Zum Beispiel für einen Weg, der vom Club zum Gelände des Wriezener Bahnhofs führt. In ein paar Jahren plant Brendeler dort einen ehemaligen Lokschuppen, unweit des Berghain, zur Galerie umzubauen. Bis dahin gibt es aber noch jede Menge am aktuellen Hauptsitz zu tun. Fünf Jahre läuft der Mietvertrag für den Suicide Circus auf dem RAW-Gelände, Brendeler ist optimis­tisch, dass er verlängert wird: „Die Inves­toren rudern derzeit zurück. Bürogebäude werden hier die nächsten Jahre sicher nicht entstehen, man ist an langfristigen Mietverträgen mit den Leuten interessiert. Wir sind da wohl Profiteure der Wirtschaftskrise.

Text: Jackie Asadolahzadeh

Fotos: Hercher

Astra Kulturhaus + Suicide Circus, Revaler Straße 99, Berlin-Friedrichshain

www.astra-berlin.de

www.suicide-berlin.com

Kommentiere diesen Beitrag