Roman-Adaption

„Auerhaus“ in den DT-Kammerspielen

Gelungene Bühnenfassung des Romans „Auerhaus“

Foto: Arno Declair

Bov Bjergs Bestseller ist auch auf deutschen Bühnen ein Renner: Sieben Theater haben es in jeweils eigenen Fassungen auf dem Spielplan. Die des DT wäre die erste im Reigen gewesen, doch krankheitsbedingt verschoben kam die gemeinsam von Regisseurin Nora Schlocker und Dramaturgin Birgit Lengers erstellte Adaption erst jetzt zur Premiere. Ihre Fassung macht das Publikum zum Mitspieler der Coming-of-Age-Geschichte von sechs Abiturienten in der württembergischen Provinz, die nach dem Selbstmordversuch des Mitschülers Frieder (Christoph Franken) im Haus von dessen verstorbenem Opa zusammenziehen, um auf ihn und einander aufzupassen.
Die Zuschauer werden zu Beginn zur Abiturklasse des Erzählers Höppner (Marcel Köhler), nach der Pause zur äußerst heterogenen Silvesterpartygesellschaft der Protagonisten. Das „Auerhaus“ ist nur ein schmales Rechteck, das aus dem weiten Bühnenbodenrund herausgeschnitten und mit Lehm bedeckt wird: Der Freiraum ihres kurzen Winters der Utopie, Testfeld der Erprobung von Eigenständigkeit und ­Alternativen zur vorgefertigten Lebensbahn ­„Birth – school – bummbumm – work – death“.
Die Kargheit der Bühne (Jessica Rockstroh) und Mittel, die viel der Fantasie des Publikums und dem – starken – Spiel des Ensembles überlässt, das ständige Durchbrechen der Vierten Wand zwischen Zuschauern und Spielern geben dem Geschehen eine berührende Unmittelbarkeit und dem unaufgeregten Grundton der Bjergschen Vorlage die adäquate Form. Sogar ein Happy End wird kurz skizziert – als Möglichkeit, die die Realität hier nicht vorsieht.

Deutsches Theater Kammerspiele Schumannstr. 13a, Mitte, Eintritt 23–30, erm. 9 €

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentiere diesen Beitrag

Kommentare