• Startseite
  • „Auf den Spuren der Irokesen“ im Martin-Gropius-Bau

„Auf den Spuren der Irokesen“ im Martin-Gropius-Bau

irokesen_0227_c_LibraryAndArchivesCanadaGatineauQCSie nennen sich Haudenosaunee, Leute des Langhauses. Doch das 20 mal sechs Meter große, begehbare Langhaus, das für die erste Station der von der Bundeskunsthalle Bonn konzipierten Ausstellung “Auf den Spuren der Irokese“ mithilfe slowenischer Förster, die noch die Kunst beherrschen, meterbreite Rindenstücke von Bäumen zu schälen, gebaut wurde, hat es nicht nach Berlin geschafft. Der Umzug sei zu teuer, der Winter zu kalt, so die offizielle Begründung. Doch irgendwie hat man den Verdacht, das Langhaus blieb zurück, weil die Macher der Schau unsicher sind, ob sie eine Erlebnisausstellung, eine positivistische Gesamtgeschichte der Irokesen oder deren heutige Sicht auf ihre Entrechtung in zeitgenössischen Kunstwerken zeigen wollen.

Weiterlesen: Joachim Jäger über die Ausstellung „Ausweitung der Kampfzone“ in der Neuen Nationalgalerie

In Vitrinen, und leider an keiner Stelle zum Anfassen, liegen wunderschöne mit Troddeln aus rot gefärbten Stachelschweinborsten und Glasperlen verzierte Mokassins und Alltagsutensilien. Dazwischen hängen Aquarelle von Ernest Smith. Er hat die irokesische Lebensweise dargestellt, 1935/36 im Rahmen eines Arbeitsbeschaffungsprogramms, aber mit eigenem künstlerischen Zugang, zart in der Farbigkeit und zaghaft-naiv in der Motivik. Da sind die Ölgemälde von Häuptlingen aus dem 18. Jahrhundert dramatischer. Damals hatten die Irokesen eine Schlüsselstellung zwischen den verfeindeten englischen und französischen Kolonialtruppen inne und wurden als Krieger wie als Diplomaten bewundert, bevor sie im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg ihre Eigenständigkeit verloren. Ein Thema, das die Künstlerin Carla Hemlock aufnimmt. Sie hat aus Stoff einen Haudenosaunee-Pass geschaffen, denn die Irokesen kämpfen heute um die Anerkennung ihrer nationalen Souveränität.    ?

Text: Steffanie Dörre

Foto: Library And Archives Canada, Gatineau, QC

tip-Bewertung: Annehmbar

Auf den Spuren der Irokesen? Martin-Gropius-Bau, ?Niederkirchnerstraße 7, Kreuzberg?Mi–Mo 10–19 Uhr, bis 6.1.2014

WEITERLESEN:

Wien Berlin“ in der Berlinischen Galerie  

Mehr über Cookies erfahren