Kommentar

„Aus der Zeit gefallen“ von Max Müller

„Komm, wir fahren zum Post­museum!“ Im Osten Berlins nutzt man bis heute den alten Namen, obwohl das Haus nach der Sanierung im Jahr 2000 in Museum für Kommunikation umbenannt wurde. Mir war das egal

Als Kind klang der Satz wie Musik. Denn der um einen Lichthof angelegte Bau mit seinen faszinierenden Robotern, einer in Einzelteile zerlegten und an der Decke aufgehängten Kutsche und interaktiven Exponaten vom Telegrafenmast bis zur Rohrpost war vor allem eins: ein riesiger, informativer Spaß. Nach langer Abstinenz sagte ich kürzlich zu meiner Nichte jenen legendären Satz und spürte sofort wieder die kindliche Aufregung, als es Richtung Leipziger Straße ging. Doch diese wich großer Enttäuschung, als ich das Museum betrat. Die alten Roboter sind verschwunden. An ihrer Stelle steht nun ein Modell, das nach bayerischem Jäger aussieht und belanglose Plattitüden rausposaunt. Der haptische Spaß von einst ist größtenteils kaputt, die rasante Weiterentwicklung der Kommunikation (Stichwort: Social Media) nicht in die Dauerausstellung integriert. Die jüngsten Exponate glorifizieren dafür die DHL und wirken wie aus der PR-Abteilung der Deutschen Post, die das Haus über eine Stiftung gemeinsam mit der Telekom betreibt. Bleibt die Hoffnung, dass Anja Schaluschke, ab August neue Museumsleiterin, das Haus modernisiert. Dann macht sicher auch mein Herz wieder Sprünge, wenn es das nächste Mal heißt „Komm, wir fahren zum Postmuseum!“