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Alte Dorfkerne in Berlin: So ländlich ist die Großstadt

Berlin ist laut, dreckig und bewegt sich unglaublich schnell. Es gibt aber auch Überbleibsel aus weniger hektischen Zeiten: alte Dorfkerne. Böse Zungen würden behaupten, sie seien der Blinddarm der Stadt, erfüllen keine Funktion. Richtig ist das nicht. Wie das Organ für den Körper sind die Dorfkerne, von Marzahn bis Neukölln, wichtig für Berlin. Seit Jahrhunderten siedeln Menschen in der Gegend. Was von den alten Dorfkernen in Berlin übrig ist, zeigen wir euch hier.


Alt-Marzahn

Die Mühle in Marzahn ist eine Rekonstruktion eines Baus von 1815. Um die Ecke befindet sich der historische Dorfkern. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Inmitten von tristen Plattenbauten und Großwohnsiedlungen, eingerahmt von der lauten Landsberger Allee und der regen Allee der Kosmonauten, befindet sich dieses verkehrsberuhigte Kleinod. Wie die meisten Dörfer im Nordosten Berlins wurde Marzahn als Angerdorf um 1230 gegründet. Schon seit dem 13. Jahrhundert hatte hier auch immer eine Dorfkirche ihren Platz, wobei die jetzige seit 1869 hier steht.

Das andere schöne Gebäude auf dem Anger beherbergt das Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf in der ehemaligen Dorfschule. Direkt dahinter steht das historische Gasthaus „Marzahner Krug“. Und mit noch etwas können die Menschen in Marzahn punkten: Um die Ecke befindet sich die sehenswerte Marzahner Bockwindmühle, die Rekonstruktion eines Baus von 1815. Und: Die Mühle ist in Betrieb.

  • Alt-Marzahn Marzahn, Busse M8 und 192

Alt-Marienfelde

Dorfanger in Alt-Marienfelde. Foto: Imago/Schöning
Der alte Dorfanger in Alt-Marienfelde. Foto: Imago/Schöning

Direkt neben dem schönen Gutspark Marienfelde mit seinen Spazierwegen ist der alte Dorfanger von Marienfelde gut zu erkennen. Dominiert wird er durch die grandios anzuschauende, fast 800 Jahre alte Dorfkirche, eine der ältesten in unserer Region.

Daneben befinden sich der Dorfteich und ein Kriegerdenkmal – ein Anblick wie in vielen Brandenburger Dörfern. Eingerahmt wird der Anger durch niedrige historische Gebäude und das Gutshaus von 1832 mitsamt seinen angrenzenden Gebäuden. Hier befindet sich auch das Bundesinstitut für Risikobewertung.

  • Alt-Marienfelde Tempelhof, Busse M11 und M 77

Rixdorf und das Böhmische Viertel

So schön ist Rixdorf! Dörfliches Ambiente im Herzen von Neukölln. Foto: Imago/epd

Den vielleicht ungewöhnlichsten alten Dorfkern Berlins gibt es mitten im Szenebezirk Neukölln, unweit der Karl-Marx-Straße, die als soziale Schlagader des Bezirks gilt . Bis 1912 trug Neukölln den Namen Rixdorf, rund um den heutigen ­Richardplatz befand sich das Dorfzentrum. Mit der alten Dorfschmiede in der Mitte des Angers strahlt der verkehrsberuhigte Bereich auch heute noch eine gewisse Erhabenheit aus. Hier befindet sich jedes Jahr in der zweiten Weihnachtswoche der Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt, welcher mit über 200 Verkaufsständen immer einen Besuch wert ist.

Die Schmiede, die erstmals 1624 erwähnt wurde, ist auch weiterhin in Betrieb. Etliche Cafés laden zum Verweilen ein. Legendär: die riesigen Kalbsschnitzel im österreichischen Restaurant „Louis“ (Speisen zum Mitnehmen). Auch sehenswert ist das seit 1894 hier beheimatete Fuhrunternehmen Gustav Schöne mit seinen Droschken.

  • Rixdorf Neukölln, U-Bahnhof Karl-Marx-Straße

Alt-Tegel

Jahrhunderte altes Idyll nahe dem Tegeler See und der beliebten Flaniermeile Greenwichpromenade. Foto: Imago/Andreas Gora

Das ehemalige Sackgassendorf Tegel ist rund 800 Jahre alt. Aus dieser Zeit ist nichts mehr erhalten, die schöne Dorfkirche stammt von 1911. Davor sind aber drei weitere, ältere Gotteshäuser an ­dieser Stelle nachgewiesen. Im Zentrum von Alt-Tegel liegt der nach einem Theologen benannte Otto-Dibelius-Platz.

Viele der Gebäude hier im alten Dorfkern stammen aus dem 19. Jahrhundert, so etwa der Lehnschulzenhof ­Ziekow (1839) in Alt-Tegel 51. Und was Alt-Tegel weiter zu einem unschlagbaren Ausflugsziel macht: Es ist nur ein Katzensprung zum Tegeler See und der beliebten Flaniermeile Greenwichpromenade.

  • Alt-Tegel Reinickendorf, U-Bahnhof Alt-Tegel

Alt-Schmargendorf

Die Dorfkirche in Alt-Schmargendorf gehört zu den ältesten Kirchen der Stadt. Foto: Imago/Schöning

Landwirte, Schäfer und Fischer siedelten sich um das 14. Jahrhundert herum in Schmargendorf an. Heute gehört der Bezirk zum bürgerlichen Stadtteil Wilmersdorf und ist wegen des markanten Kraftwerks bekannt, dessen drei Schornsteine man gut von der Autobahn erkennen kann. Doch neben den modernen Bauten findet man im Herzen des Stadtteils, in Alt-Schmargendorf, eine der ältesten Kirchen der Stadt.

Die Dorfkirche Schmargendorf stammt sogar aus dem 13. Jahrhundert und erinnert so an einen der ältesten Dorfkerne in Berlin. Dafür ist sie mit ihren gut 60 Quadratmetern eine der kleinsten Dorfkirchen der Stadt. An die lange Geschichte Schmargendorfs erinnert auch der alte Friedhof.

  • Alt-Schmargendorf Breite Str. 38a, Wilmersdorf, Busse 186, 249

Heinersdorf

Auch in Heinersdorf dominiert die Kirche den alten Dorfkern. Foto: Jonathan Groß/Wikimedia Commons/CC BY SA 2.5
Auch in Heinersdorf dominiert die Kirche den alten Dorfkern. Foto: Jonathan Groß/Wikimedia Commons/CC BY SA 2.5

Etwas nördlich von Prenzlauer Berg findet man den alten Dorfkern von Heinersdorf im zweitgrößten Berliner Stadtteil Pankow. Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes stammt aus dem Jahr 1319. Sie verweist auf das Heilig-Geist-Hospital. Das 1920 zum Berliner Stadtgebiet eingemeindete Dorf besitzt noch heute zahlreiche historische Bauten, die an vergangene Zeiten erinnern. So zum Beispiel die um 1300 errichtete Heinersdorfer Feldsteinkirche, das Alte Spritzenhaus von 1750 oder das Wohnhaus eines Pferdehändlers von 1780.

  • Heinersdorf Romain-Rolland-Straße 54/56, Pankow, Tram M2

Alt-Mariendorf

Das Tempelhof-Museum in Alt-Mariendorf. Foto: Gemeinfrei
Das Tempelhof-Museum in Alt-Mariendorf. Foto: Gemeinfrei

Der frühere Dorfkern des alten Straßendorfes Mariendorf ist auf dem Stadtplan als schmaler Anger noch gut zu erkennen. Heute verläuft die vielbefahrene Bundesstraße B96 direkt an der Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert vorbei. Hier befindet sich auch das Tempelhof-Museum (Hausnummer 43). Einen Abstecher wert ist auf jeden Fall der nahe gelegene Volkspark Mariendorf mit dem Blümelteich und die .

  • Alt-Mariendorf Tempelhof, U-Bhf. Alt-Mariendorf

Kaulsdorf

Alte Dorfkerne in Berlin:
Alte Dorfkerne in Berlin: Kaulsdorf. Foto: AKD/Wikimedia Commons/CC BY SA 3.0

Kaulsdorf bildet gemeinsam mit Biesdorf und Mahlsdorf das größte zusammenhängende Gebiet von Ein- und Zweifamilienhäusern in Deutschland. Der Ortsteil gehört zu Hellersdorf-Marzahn, der für seine riesigen Plattenbausiedlungen bekannte Bezirk hat eine lange Geschichte, die über Alt-Marzahn hinausgeht.

Der alte Dorfkern von Kaulsdorf wurde bereits vor 1200 gegründet, archäologische Funde deuten auf ein slawisches Siedlungsgebiet hin, um 1250 wurde bereits eine Dorfkirche errichtet, die mehrmals umgebaut wurde und heute wenig mit der ursprünglichen Bauweise gemein hat. Zum Dorfkern gehört neben mehreren Kirchen auch das ehemalige Gutshaus in der Brodauer Straße. Zu den schönsten Spaziergängen im Berliner Osten gehört auch eine Erkundungstour zum Landschaftsschutzgebiet Kaulsdorfer Seen.

  • Kaulsdorf Dorfstraße 10, Kaulsdorf, S-Bahn Kaulsdorf oder S- und U-Bahnhof Wuhletal

Alt-Britz

Das Schloss Alt-Britz erinnert an vergangene Zeiten. Wer damals wohl in dem Rosengarten des alten Dorfkerns flaniert ist? Foto: Imago/Joko

Ein ansehnliches Ensemble bilden an der Fulhamer Allee zwischen Britzer Damm und Alt-Britz die alte Dorfkirche, der Britzer Kirchteich und das nahe gelegene Schloss Britz mit dem Gutshof und dem Schlosspark inklusive Rosengarten. Wobei die Kirche doch etwas außerhalb des alten Dorfkerns liegt. In der Straße Alt-Britz 81 befindet sich seit 1897 auch das wieder geöffnete Museum Neukölln – es zählt zu den profiliertesten regionalgeschichtlichen Museen Berlins. Ein Blick lohnt sich, gilt auch für die vielen weiteren Museen in Neukölln. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Britz im Jahr 1237. Wenn man schon mal in der Gegend ist, lohnt sich zur blühenden Jahreszeit auch ein Ausflug zum Britzer Garten!

  • Alt-Britz Neukölln, Bus M 46

Alt-Tempelhof

Der Eingang zur Dorfkirche und zum Park in Alt-Tempelhof. Dahinter verbirgt sich viel Geschichte. Foto: Imago/Schöning

Unter den vielen schönen Berliner Parks ist der Alte Park in Tempelhof eine Besonderheit. Er ist weniger bekannt als die Parks in Kreuzberg, Friedrichshain oder Tiergarten, ist aber eine kleine Oase der Ruhe und gehört zu den schönsten Orten im Bezirk.

Die Geschichte des Parks reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Inmitten der Anlage befindet sich der Klarensee – gleich daneben steht die Alte Dorfkirche, die Alt-Tempelhof eine dörfliche Atmosphäre inmitten der Stadt verleiht. Besonders bei Jogger:innen ist der Park sehr beliebt.

  • Alt-Tempelhof Tempelhof, Schönburgstraße, U-Bahnhof Alt-Tempelhof

Rosenthal in Pankow

Alte Dorfkerne in Berlin: Auch in Rosenthal in Pankow findet man einen. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Der ehemalige Gutsbezirk Rosenthal befindet sich im nordöstlichen Teil von Pankow. Auch diese Gemeinde gehört erst seit 1920 zu Berlin. Im 14. Jahrhundert wurde die Siedlung unter dem Namen Rosendalle erstmals urkundlich erwähnt. Das als Angerdorf angelegte Rosenthal ist heute als Kulturdenkmal ausgewiesen.

Zu dem Bauensemble gehören neben der Dorfkirche ein Gemeindehaus und ein Gutshaus mit Stall und Landarbeiterkaserne, aber auch die im Stil des Expressionismus errichteten Reihenhäuser in der Nordendstraße.

  • Rosenthal Pankow, Bus 124

Alt-Stralau

Tolle Aussicht von der Brücke: Alt-Stralau ist als Liebesinsel bekannt und bietet einen eindrucksvollen alten Dorfkern. Foto: Imago/Rolf Kremming

Vermutlich haben auf der Halbinsel zwischen Spree und Rummelsburger Bucht schon in der Steinzeit Menschen gelebt. Ist ja auch schön dort. Heute beeindruckt der Friedrichshainer Ortsteil durch seine einmalige Ruhe. Und hier steht sie auch, die liebliche Dorfkirche Stralau mit ihrem berühmten, leicht schiefen Kirchturm. Sie stammt aus dem 15. Jahrhundert, der große Friedhof um sie herum ist noch älter. Im angrenzenden Wendenpark und unweit des Ufers lässt es sich im Sommer wie im Winter wunderbar flanieren. Etwas weiter westlich befindet sich eine Karl-Marx-­Erinnerungsstätte.

  • Alt-Stralau Friedrichshain, Busse 104 und 347

Noch mehr historische Dorfkerne in Berlin

Die Stadt ist größer, als diese Zusammenstellung vermuten lässt, und das dörfliche Erbe der Metropole reicht für mehr als ein Dutzend historischer Orte. Entsprechend stellen wir euch 12 weitere historische Ortskerne in Berlin von Lübars bis Schmöckwitz und von Alt-Wittenau bis nach Rahnsdorf vor. Es geht erneut auf eine Stadterkundung der ländlichen Art, zu alten Kirchen, Dorfangern, Gutshäusern und Schmieden.


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