Umland

12 Industrieparks in Brandenburg: Vom Bergwerk bis zum Ziegeleimuseum

Egal ob ihr vom „liegenden Eiffelturm“ im Besucherbergwerk in die Ferne schauen wolltet oder lieber im Wasser davor schwimmt. Ob ihr euch eher für die Ziegelei oder die beeindruckenden Biotürme in Lauchhammer interessiert. Wer Industrie- und Technikgeschichte erfahren will, hat in den spannenden Industrieparks in Brandenburg die unterschiedlichsten Möglichkeiten. Blickt zurück bis ins 19. Jahrhundert und seht, wo und wie in Brandenburg Weichen für die Zukunft gestellt wurden. Das sind unsere zwölf Ausflugstipps – denn 2021 ist das Themenjahr der Industriekultur in Brandenburg.


Aussicht genießen von der Förderbrücke des Besucherbergwerks F60

Hoch hinaus im Besucherbergwerk F60 in Lichterfeld – die Abraumförderbrücke wird auch „liegender Eiffelturm“ genannt. Foto: Imago Images/Hanke

502 Meter lang ist der „liegende Eiffelturm“. Die ehemalige Abraumförderbrücke: ein 11.000 Tonnen schwerer Gigant der Technik. Er ist nicht nur ein Symbol der Industriegeschichte, sondern auch ein Paradebeispiel lokaler Selbsthilfe. Nachdem der Tagebau stillgelegt wurde, schlossen sich die Anwohner zusammen, um den Ingenieursstolz der DDR zu einem Besucherbergwerk umzubauen. Heute bietet die alte Förderbrücke auf über 70 Metern Höhe zudem eine wunderbare Aussicht.

Industrieparks in Brandenburg
Das Besucherbergwerk F60 und der Bergheider See. Foto: Imago Images/Rainer Weisflog
  • Bergheider Straße 4, Lichterfeld, 16. März-31. Okt. täglich 10-18 Uhr, Mai-Sept. zusätzlich Sa bis 20 Uhr, Nachtlichtführungen auf Bestellung, 1. Nov.-15. März Mi-So 11-16 Uhr, Licht- und Klanginstallation mit Einbruch der Dunkelheit, www.f60.de

Wie in einem Science-Fiction-Film fühlen inmitten der Biotürme Lauchhammer

Lauchhammer Biotürme: Eine der herausragenden Industrieanlagen in Brandenburg. Foto: Imago Images/Shotshop

Die Türme sehen aus wie die Kulisse eines Fantasyfilms: Ockerfarben von alter Asche, inmitten einer leeren Gegend. Früher wurde hier Braunkohle zu hüttenfähigem Koks verarbeitet. Seitdem die Anlage stillgelegt wurde, gehören die verbliebenen Biotürme zu den herausragenden Industriedenkmälern der Lausitz. Es gibt sowohl einen Turm mit Aussichtsplattform als auch eine Freilichtausstellung mit allerlei Relikten aus der Ära von Braunkohleabbau und Kokerei.

  • Finsterwalder Straße 57, Lauchhammer, Besichtigungen und Führungen: Ostern-Okt. So/Feiert. 10–18 Uhr und nach Absprache, www.biotuerme.de

Seit 138 Jahren intakte Maschinen in der Brikettfabrik Louise bestaunen

Die Maschinen funktionieren noch immer so wie damals. Foto: Imago Images/Bernd Friedel

Bereits 1882 presste die älteste Brikettfabrik Europas Kohle zu Briketts. Heute kann man in einer Fabrikführung erfahren, wie die Technik funktioniert. Die Brikettfabrik im Landkreis Elbe-Elster zeigt einen bedeutenden Teil der Brandenburgischen Technikgeschichte und stellt eine besondere Sehenswürdigkeit dar. Denn die Maschinen funktionieren noch immer genau so wie damals vor 138 Jahren.

  • Louise 111, Uebigau-Wahrenbrück, April-Oktober Führungen tgl. 10.30+12+14+16 Uhr, November+März Führungen Mo-Fr 10.30+12+14 Uhr, Dezember-Februar nach Absprache, www.brikettfabrik-louise.de

Die Geschichte des Braunkohlebergbaus im Gut Geisendorf kennenlernen

Gut Geisendorf: Das Landgut stammt noch aus dem 17. Jahrhundert. Foto: Imago Images/Rainer Weisflog

Das Gut Geisendorf versteht sich zugleich als Kulturforum der Lausitzer Braunkohle und als Ort kultureller Identität. Die erste Etage des Hauses zeigt eine Dauerausstellung über Geschichte und Zukunft des Braunkohlebergbaus in der Lausitz. Darüber hinaus gestalten regionale und internationale Künstler*innen ganzjährig ein sehenswertes, abwechslungsreiches Programm.


200 Jahre Industriegeschichte im Hüttenwerk Peitz ergründen

Das historische Hüttenwerk Peitz öffnete 2001 als technisches Museum. Foto: Imago Images/Rainer Weisflog

Die 1809 errichtete Hochofenhalle wirkt auf den ersten Blick eher wie eine romantische Hofstallanlage und nicht wie ein Ort der Schwerindustrie. In einer Dauerausstellung werden 200 Jahre Industriegeschichte veranschaulicht. Diese umfasst sowohl den Aufstieg als auch den Niedergang der Eisenhüttenindustrie, die sich im 19. Jahrhundert rund um Peitz niederließ. In diesem technischen Denkmal wurde von 1550 bis 1858 aus Raseneisenerz Roh- und Schmiedeeisen gewonnen.


Handwerk, Kunst und Kultur im Museumsdorf Glashütte erleben

Das ist die Verkaufsstädte im Museumsdorf Glashütte. Foto: Imago Images/Gueffroy

Die Geschichte der Baruther Glashütte reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Schon im Jahr 1716 wurde der Vertrag zum Bau der Hütte unterschrieben. So befindet sie sich seit nunmehr als 300 Jahre an der Stelle, an der das Museum heute über die Sozial- und Technikgeschichte der Glashütte informiert. Die Dauerausstellung erinnert an die Geschichte der Glasproduktion und an Reinhold Burger, den Erfinder der Thermosflasche. Besucher können an einem Studio-Ofen den Glasmachern zusehen und nach Wunsch auch selbst die Pfeife in die Hand nehmen.

  • Hüttenweg 20, Baruth/Mark, Museum: Jan.-Feb. Mi-So 10-17 Uhr, März-Dez. Di-So 10-17 Uhr, Gasthof: März Mi-So 11-16 Uhr, April-November Di-So 11-18 Uhr, Dez. Di-So 11-16 Uhr, www.museumsdorf-glashuette.de

Von hier stammt der Stoff, aus dem das Brandenburger Tor gemacht ist: Museumspark Rüdersdorf

Industrieparks in Brandenburg
Auf dem 17 Hektar großen Gelände dieses Industrieparks in Brandenburg befinden sich eine Vielzahl historischer Gebäude sowie Anlagen. Foto: Imago Images/Stefan Zeitz

Von hier stammt der Stoff, aus dem das Brandenburger Tor und das Schloss Sanssouci gemacht wurden: Seit über 750 Jahren wird in Rüdersdorf Kalkstein abgebaut. Ein Förderverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die stillgelegten Produktions- und Verwaltungsbauten zu erhalten, um sie als Zeugnis der Industrialisierung für Besucher zugänglich zu machen. Das ganze Jahr über finden hier Veranstaltungen sowie geologische und historische Führungen statt. Außerdem sind Geländewagen-Touren möglich.


Experimentieren im Optik- und Industrie Museum Rathenow

Im Optik Industrie Museum Rathenow können Wissensdurstige eine Zeitreise durch die Optikgeschichte unternehmen. Foto: reiseland-brandenburg.de

Hier in Rathenow steht die Wiege der deutschen optischen Industrie. 1801 wurde die von Johann Heinrich August Duncker konstruierte Vielschleifmaschine patentiert, mit der die fabrikmäßige Produktion von Brillengläsern begann. Bis heute ist die Stadt Rathenow unter dem Namen „Stadt der Optik“ bekannt. Rund 1.200 Ausstellungsstücke werden in der Schau gezeigt. Darüber hinaus wird zum Experimentieren und Mitmachen eingeladen.

  • Märkischer Platz 3, 14712 Rathenow, Di-So 11-17 Uhr und nach Absprache, www.oimr.de

Im Tagebau Jänschwalde wird immer noch Braunkohle gefördert

Bis heute wird im Tagebau Jänschwalde Braunkohle gefördert. Foto: Imago Images/lausitznews.de

In dem Tagebau zwischen Cottbus und Forst wird noch immer Braunkohle gefördert. Benannt wurde der Braunkohletagebau nach der Gemeinde Jänschwalde. Heute werden hier durch den Verein Naturkundezentrum Spreeaue regelmäßig Werksführungen in der bisher größten Restaurierungsfläche Brandenburgs angeboten.

  • Teichland, Jänschwalde-Teichland, Führungen Di-Do nach Absprache, www.leag.de

Ziegeleipark Mildenberg: Das größte Ziegeleimuseum Europas durchstreifen

Industrieparks in Brandenburg
In diesem unserer Industrieparks in Brandenburg gibt es eine Lorenbahn. Foto: Imago Images/Jürgen Heinrich

Mit diesen Steinen wurde Berlin erbaut: Milliarden Ziegel wurden bis 1991 in Mildenberg bei Zehdenick im Landkreis Oberhavel gebrannt. Heute beherbergt der Industriepark das größte Ziegeleimuseum Europas. Mit der Ziegeleibahn kann man nicht nur das Gelände erkunden, in den alten Brennkammern herumsteigen und eine Dampfmaschine bestaunen, sondern auch die Häfen besichtigen. Kinder können außerdem Go-Kart fahren, Tiere streicheln oder auf dem Abenteuerspielplatz herumtoben.

  • Ziegelei 10, Zehdenick, 1. April- 31. Okt. täglich von 10-18 Uhr, letzter Einlass 17 Uhr, www.ziegeleipark.de

Das Industriemuseum Brandenburg im ehemals größten Stahlwerk DDR begutachten

Das ist der „Siemens Martin Ofen XII“ im ehemaligen Stahl- und Walzwerk Brandenburg. Foto: Imago Images/Fotokombinat

In Brandenburg an der Havel befindet sich das Industriemuseum Brandenburg. In dem ehemals größten Stahlwerk der DDR kann man viele technische Zeugnisse der Stahlerzeugungstechnologie bewundern. Zum Beispiel das technische Denkmal „Siemens Martin Ofen XII“. In Westeuropa ist er der letzte Ofen seiner Art.

Bereits ein Jahr bevor man das Stahl- und Walzwerk Brandenburg 1993 stilllegte, wurde das Museum gegründet. Seinen Sitz hat es in der denkmalgeschützten Stahlwerkshalle. Die Dauerausstellungen „Der Stahlstandort Brandenburg im 20. Jahrhundert“ und „Brennabor in Brandenburg“ gehen über die Zeit der DDR und des Stahl- und Walzwerkes hinaus. Ein Stahlwerk befand sich an diesem Ort schon seit 1912.


Eine Führung durchs Kraftwerk Schwarze Pumpe

Industrieparks in Brandenburg
Einer der wenigen Industrieparks in Brandenburg, über den man auf eine 162 Meter hohe Aussichtsplattform kommt. Foto: Imago Images/Volker Preufler

An der Stelle des alten Gaskombinats steht heute ein hochmodernes Kraftwerk. Angemeldete Besucher werden durch Turbinenhallen, Kühltürme sowie Entschwefelungsanlagen vorbei bis auf die Plattform auf dem Dampferzeugergebäude geführt. Von ihr aus ist bei klarem Wetter sogar das Riesengebirge zu sehen. Danach haben auch Laien eine vage Ahnung vom Veredelungsprozess von Rohbraunkohle – belehrt freilich aus Sicht des Konzerns. Die Aussichtsplattform in 162 Metern Höhe erreicht man über einen Fahrstuhl und wenige Stufen.

  • An der Alten Ziegelei, Spremberg | Öffnungszeiten Informationszentrum Mo-Fr 9-16 Uhr, Sa 10-16 Uhr und Werksführungen: Sa 10+12+14 Uhr, www.industriepark.info

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