Gärten

Illustratorin Kat Menschik über Gartenglück: „Lasst Maulwürfe am Leben!“

Seit knapp 20 Jahren gärtnert die Illustratorin Kat Menschik vor den Toren Berlins. Wir sprachen mit ihr über wilde Natur, Gartenglück, Tomaten und Gartenneid.

Die berliner Illustratorin Kat Menschik hat in ihrem Brandenburger Garten eine üppig-bunte Idylle erschaffen. Foto: Kat Menschik
Die Berliner Illustratorin Kat Menschik hat in ihrem Brandenburger Garten eine üppig-bunte Idylle erschaffen. Foto: Kat Menschik

tipBerlin Frau Menschik, seit Ihrem Buch „Der goldene Grubber“ weiß man von Ihrer großen Gartenbegeisterung. Aber was brachte eigentlich eine Berliner Illustratorin ans Gemüsebeet in Brandenburg?

Kat Menschik Ganz ehrlich? Damals habe ich gar nicht an den Garten gedacht. Mein Traum war immer ein altes Haus auf dem Land, welches ich sanieren und hübsch herrichten könnte und wo ich mit Freundinnen an mit karierten Tischdecken dekorierten Gartentischchen Rotwein trinken würde. Der Garten fiel mir überhaupt erst auf, als das Gras so hoch wucherte, dass man es mit keinem Rasenmäher mehr bändigen konnte und wir mehrere tausend Quadratmeter mit der Sense bearbeiten mussten. Seitdem sind es Garten UND Haus, denen meine Leidenschaft gilt.

tipBerlin Heute ist es sehr schwierig, einen Garten zu bekommen, ob in der Stadt oder im Umland, war die Situation damals einfacher?

Kat Menschik Auf jeden Fall war die Situation vor 18 Jahren noch entspannter. Es war möglich, übers Land zu fahren, nach leer stehenden Häusern mit meist großen Gärten Ausschau zu halten und wirklich wahre Schmuckstückchen günstig zu kaufen. Das waren oftmals echte Bruchbuden, aber mit einem ein wenig geübten Blick konnte man sofort erkennen, welches Potenzial in ihnen steckte. Ich gebe aber zu, dass ich im Lauf der Jahre wesentlich mehr Geld in die Sanierung gesteckt habe, als das Haus damals kostete. Das Problem heute ist vielmehr, dass es keine Gärten und Häuser mehr gibt. Es ist sowieso erstaunlich, wie beliebt das Gärtnern mittlerweile wieder geworden ist.

Kat Menschiks Garten-Leidenschaft: „Ich habe langsam begonnen“

tipBerlin Erinnern Sie sich an Ihre Anfänge im Garten? Wie sahen die größten Herausforderungen aus?

Kat Menschik Ich habe langsam begonnen. Es musste nicht gleich alles perfekt sein. Der Fokus lag auf der Haussanierung, um es überhaupt erst einmal bewohnbar zu machen. Aber während die Handwerker im Haus zu Gange waren, lachten mich alle aus, weil ich das erste Blümchen- und Kräuterbeet neben der Küche anlegte. Allmählich habe ich den Radius erweitert. Irgendwann legte ich meine ersten Gemüsebeete an. Dieser kleine Gemüsegarten existierte aber nur einen Sommer lang. Er hat mich total überfordert, oder anders gesagt: Ich habe ihn völlig unterschätzt. Ich fand weder die Zeit, Unkraut zu jäten, noch regelmäßig zu gießen oder Schnecken abzusammeln. Ich habe all das einfach nicht geschafft und dann viele Jahre lang ausschließlich Blumen gesät und gepflanzt.

tipBerlin Haben Sie Tipps für Gartenanfänger – außer, man solle sich nicht entmutigen lassen und am Beet bleiben?

Kat Menschik Seit vergangenem Jahr, seit wir wegen Corona fast immer hier draußen sind, habe ich mehr Zeit für den Garten und begann wieder mit dem Gemüseanbau. Ich baute ein paar Hochbeete und hatte herrliche Tomaten und Bohnen. Was ich sehr gern mache, ist Youtube-Tutorials-gucken. Das hat mir echt schon so oft geholfen, wenn ich nicht genau wusste, wie man was anbaut. Das wäre ein Tipp. Naja, und jeder Gärtner weiß, dass nie alles klappt. Irgendwas geht immer schief, wächst nicht, wird von Schädlingen befallen, kümmert vor sich hin. Aber das ist egal, man macht eben weiter und neu und probiert! Mein allerallerwichtigster Tipp aber ist: Benutzt keinerlei Chemie, benutzt niemals, NIEMALS Rasenmäherroboter, die schreddern, ohne Scheiß, Igel! Legt Insekten- und vogelfreundliche Beete an! Füttert die Vögel ganzjährig, stellt Vogeltränken auf! Habt keine Angst vor Wespen, haltet still, dann tun sie nichts! Lasst Maulwürfe am Leben! Lasst Spinnen am Leben! Lasst überhaupt alles, außer Zecken und Mücken, am Leben!

Feiner Porzellanschmuck in Silber gefasst von Kat Menschik. Foto: Kat Menschik
Feiner Porzellanschmuck in Silber gefasst von Kat Menschik. Foto: Kat Menschik

tipBerlin Wollten Sie schon mal den Grubber in den Dreck schmeißen und die ganze Sache sein lassen?

Kat Menschik Nope. Nie.

tipBerlin Können Sie denn das Glücksgefühl, das bei der Gartenarbeit entsteht, in Worte fassen?

Kat Menschik Naja, manchmal sind es ja zuerst die Rückenschmerzen, unter denen man ächzt. Aber ich finde, wenn ich einen guten Tag im Garten verbringe, fühle ich ganz besonders, wie schön es ist, am Leben zu sein und was für ein Luxus es ist, satt und gesund und im Frieden leben zu können. Wirklich, das ist dann so ein allumfassendes Glücksgefühl, was man vielleicht auch in ganz besonders schönen Urlauben erlebt. Bei Sonnenuntergängen in ganz besonders schönen Urlauben! Mit Drink.

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tipBerlin Ihr Hauptberuf ist die Kunst der Illustration, aber Sie töpfern, kochen, schreiben und entwerfen auch Schmuck. Und Sie gärtnern natürlich. Wie wirken sich Beruf und Ihre verschiedenen Leidenschaften aufeinander aus?

Kat Menschik Das ist ja eigentlich fast alles das Gleiche, merke ich mehr und mehr. Alles hat mit Kreativität zu tun, mit der Lust, sich ausdrücken, gestalten und handwerklich arbeiten zu wollen. Dabei ist das Eine Ausgleich zum Anderen: Habe ich stundenlang gezeichnet, ist es herrlich, sich an der der frischen Luft im Garten zu bewegen, davon bekomme ich Hunger und koche etwas Schönes. Dann wiederum brauche ich Geschenke und töpfere ein bisschen, bis ich wieder arbeiten muss beziehungsweise darf. Und zwischendurch mache ich gar nichts und genieße die kostbare Lebenszeit mit einem Sektchen und einer Freundin.

tipBerlin Haben Sie den Ehrgeiz, Ihren Garten auf eine bestimmte Art aussehen zu lassen, englisch, französisch, verwunschen?

Kat Menschik Ich liebe englische und französische Gärten. Aber mir sind sie für meinen Garten zu streng geplant. Und ich habe nach wie vor oft nicht so richtig Ahnung davon, wie es am besten gemacht werden sollte. Wie ich oben schon sagte, ich will es bunt und üppig, vielleicht beschreibt es der Bauerngarten noch am ehesten.

tipBerlin Hand aufs Herz, sprechen Sie mit Ihren Pflanzen?

Kat Menschik Nicht mit allen, aber auf jeden Fall mit der Linde Liesbeth, die ich für meine Omi gepflanzt habe, als diese gestorben ist. Die streichle ich sogar.

Blumenpracht und Gartenglück in Kat menschiks grünem Paradies. Foto: Kat Menschik
Blumenpracht und Gartenglück in Kat menschiks grünem Paradies. Foto: Kat Menschik

tipBerlin Gibt es Obst und Gemüse, das Sie lieber im Laden kaufen, statt es anzubauen?

Kat Menschik Kartoffeln und Zwiebeln, obwohl alle Welt diese anbaut. Aber mir ist das zu viel Aufwand, dazu verbrauchen wir viel zu viel davon. Und ich bin auch keine Selbstversorgerin, aber am wichtigsten sind mir Tomaten. In diesem Jahr habe ich elf Sorten gesät. Tomaten könnte ich täglich und in jedem Aggregatzustand essen. Und gerade Tomaten sind, finde ich, eines der dankbarsten Gemüse im Garten, weil sie immer um ein Vielfaches besser schmecken als in jedem Laden!

meine Freunde und Familie sind sehr gern bei mir im Garten

tipBerlin Wie gehen Freunde und Familie mit Ihrem Gartenglück um, kennen Sie das Phänomen des Gartenneids?

Kat Menschik Ich weiß nicht so genau, wie andere das sehen. Ich selbst neige nicht zum Neid, weil ich mich sowieso so reich beschenkt fühle. Ich freue mich immer eher mit und fühle mich inspiriert, wenn ich woanders etwas Schönes sehe. Und meine Freunde und Familie sind sehr gern bei mir im Garten. Glaube ich.

tipBerlin Zum Abschluss die Sinnfrage: Was haben Sie von Ihrem Garten ­g­elernt?

Kat Menschik Die Demut! Und ein bisschen die Geduld, aber daran muss ich noch arbeiten.


Buchtipp: „Der goldene Grubber“ von Kat Menschik, Galiani, 312 S., 22 €


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