Herbst

Pilze sammeln in Brandenburg: So wird die Suche ein Erfolg

Nicht mehr lange, dann dürfte der Herbst Einzug halten in Berlin und Brandenburg. Und Pilze sammeln macht immer mehr Menschen Spaß, weil es einfach besser schmeckt, wenn man selbst Gesammeltes zubereitet. Pilze sammeln ist jedoch mit einer Menge an Risiken verbunden. Die meisten unserer bekannten, heimischen Pilze haben zum Beispiel giftige Doppelgänger, die teils nur den Geschmack des Gerichts verderben, teils aber auch lebensbedrohlich wirken können. Wir haben darum einige Tipps, worauf ihr achten müsst, bevor ihr demnächst mit dem Pilzkorb Brandenburgs Wälder durchstreift.


Kann und sollte ich bei jedem Wetter Pilze sammeln?

Wer bei Nässe Pilze sammelt, sollte zusehen, dass die Pilze so schnell es geht ins Trockene kommen. Foto: imago images/Hohlfeld

Prinzipiell ja. Im Herbst, nachdem die Temperaturen sich etwas abkühlen und mehr Regen fällt, sprießen die Pilze hierzulande aus dem Boden, weil sie Feuchtigkeit benötigen, um ihre Fruchtkörper zu bilden. Wenn ein Pilz jung und prall aussieht, kann er also, egal ob bei Sonnenschein oder Regen, geerntet werden. Bei Nässe sollte man jedoch in einer Hinsicht Vorsicht walten lassen: Die gesammelten, feuchten Pilze sollten möglichst abgetrocknet werden. Bei Nässe beschleunigt sich der Verwesungsprozess der Pilze und es entstehen giftige Eiweißzersetzungsprodukte. Nicht wenige Menschen ziehen sich durch gammlige Pilze, die eigentlich durchaus essbar sind, eine unangenehme, sogenannte „falsche Pilzvergiftung“ zu.


Wie transportiere ich die Pilze am besten?

Zum Pilze Sammeln zieht man am besten mit einem Korb oder einem anderen luftdurchlässigen Behälter los. Foto: imago images/imagebroker/strigl

Am besten sollte man Pilze in einem Korb oder in einem anderen luftigen Behälter transportieren. Die Pilze sollten atmen können und nach Möglichkeit nicht zerdrückt werden – sonst geht der Zersetzungsprozess schon los, während man auf dem Nachhauseweg ist. Plastiktüten sind zum Beispiel gänzlich ungeeignet zum Pilzesammeln.


Pflücke ich die Pilze oder schneide ich sie ab?

Wer Pilze herausdreht und nicht abschneidet, kann alle wichtigen Bestimmungsmerkmale an ihrem Stiel untersuchen. Foto: imago images/agefotostock

Im Prinzip ist es egal, ob man einen Pilz am Stiel abschneidet oder aus der Erde herausdreht. Ist man sich allerdings noch unsicher, um welche Pilzart es sich handelt, sollte man den Pilz besser samt Stiel herausdrehen. Nicht selten befinden sich am Stiel wichtige Bestimmungsmerkmale – die man aufmerksam untersuchen sollte, bevor ein giftiger Pilz in den Korb wandert.


Kann ich Pilze lagern oder muss ich sie sofort verarbeiten?

Wer gesammelte Pilze für kurze Zeit lagern will, sollte dafür einen luftigen und kühlen Ort zur Verfügung haben. Foto: imago images/Shotshop

Als Faustregel gilt: Pilze, die man gesammelt hat, sollte man im Anschluss so schnell wie möglich verarbeiten. Wenn das Essen mit Freunden erst für den nächsten Tag geplant ist, ist in Ausnahmefällen aber auch eine Lagerung bis zum nächsten Tag möglich. Die Pilze sollten luftig und kühl aufbewahrt werden. Im Kühlschrank zum Beispiel – aber nicht in Plastik verpackt, sondern in einem luftdurchlässigen Behälter!

Oder, wenn es draußen nicht so warm ist, an der frischen Luft, auf dem Balkon oder Fensterbrett. Diese pauschale Empfehlung gilt jedoch nicht für jede Pilzart gleichermaßen: Pfifferlinge zum Beispiel können richtig gelagert auch für einige Tage aufbewahrt werden. Tintlinge hingegen sollten in jedem Fall sofort verzehrt werden.

Logisch ist auch: Nicht nur die Art der Pilze ist entscheidend, sondern auch die Verfassung der Pilze an sich. Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte nur Pilze sammeln, die jung und frisch aussehen und eine kugelige, knuffige Kuppe Haube haben. Ob ein Steinpilz beispielsweise seine besten Tage hinter sich hat, lässt sich wie folgt prüfen: Lässt sich die Huthaut mit den Fingern leicht eindrücken, ist der Steinpilz nicht mehr gut beisammen.


Was passiert, wenn ich versehentlich einen giftigen Pilz sammle und esse?

Die wenigsten heimischen Pilzarten sind lebensgefährlich, trotzdem ist Vorsicht geboten. Foto: imago images/Metodi Popow

Um es erst gar nicht zu einer Pilzvergiftung kommen zu lassen: Sobald man den geringsten Zweifel hegt, ob ein Pilz essbar sein könnte, sollte man die Finger von ihm lassen! Die meisten einheimischen Pilze sind nicht lebensgefährlich giftig, sondern verursachen nur unangenehme Reizungen von Magen und Darm. Es gibt jedoch einige Exemplare, von denen unter allen Umständen abzusehen ist. Außerdem gibt es eine Faustregel für alle Einsteiger*innen unter den Pilzesammler*innen, die auf Nummer sicher gehen wollen (siehe Punkt 7).


Gibt es etwas bei der Verarbeitung der Pilze zu beachten?

Generell gilt: Am besten keine rohen Pilze essen! Foto: imago images/photothek

Esst am besten keine rohen Pilze! Vor allem, wenn ihr sie nicht im Supermarkt gekauft, sondern selbst gesammelt habt. Einige beliebte Pilzarten, wie Maronen und Rotkappen beispielsweise, im ungekochten Zustand Giftstoffe.

Sie sind ungekocht zwar nur schwach giftig, können aber durchaus zu unangenehmen Magen-Darm-Beschwerden führen. Erfahrenere Pilzsammler können es nach eigenem Ermessen wagen, einen frischen Steinpilz zu einem Carpaccio zu verarbeiten oder in den Salat zu schnippeln.

Zudem ist es nie auszuschließen, dass man sich durch den rohen Verzehr eines gesammelten Pilzes einen Fuchsbandwurm einhandelt.


Gibt es irgendeine Faustregel, wie ich Giftpilze erkenne?

Wer zum ersten Mal Pilze sammelt, sollte sich auf die Gattung der Röhrlinge beschränken. Foto: imago images/Shotshop

Wer mit dem Pilzesammeln ganz neu einsteigt, sollte sich zu Beginn auf sogenannte Röhrlinge konzentrieren. Unter den Röhrlingen – zu denen zum Beispiel Steinpilze oder Maronen gezählt werden – gibt es keine Vertreter, die lebensgefährlich giftig sind. Geht es glimpflich aus, verdirbt ein bitterer Röhrling vielleicht das Essen, im weniger glimpflichen Fall löst er Brechdurchfall aus. Einen Röhrling führt ein giftiger Röhrling zu Erbrechen und Durchfall. Einen Röhrling erkennt man an dem Schwamm unter seinem Hut.

Zu Beginn: Finger weg von Blätterpilzen! Zu den Blätterpilzen gehört zum Beispiel der Champignon, aber auch der tödliche Grüne Knollenblätterpilz. Verwechselt ein unerfahrener Pilzsammler die beiden, schwebt er oder sie wohl sehr bald in Lebensgefahr.


Wo kann ich mich übers Pilze Sammeln belesen, bevor ich losziehe?

Im Internet gibt es viele Foren, in denen man sich mit Pilz-Sammler*innen austauschen kann. Foto: imago images/Westend61

Spätestens seit dem Aufkommen des Zurück-zur-Natur- und Selbstversorger-Trends boomen die Pilzsammler-Foren im Internet. Auf Webseiten wie 123pilze.de oder in Facebook-Gruppen findet man tonnenweise Informationen und kann sich mit anderen Pilzsammler*innen über gewonnene Erfahrungen austauschen. Aber hier ist Vorsicht geboten, wie auch beim Pilzesammeln selbst: Nicht alles blind glauben!


Sind giftige Pilze auch für meinen Hund giftig?

Nicht alle Giftpilze sind für Menschen und Hunde gleichermaßen giftig. Foto: imago images/blickwinkel

Allgemein gilt: Nicht alle Pilze, die bei Menschen Vergiftungssymptome hervorrufen, müssen auch für Vierbeiner gefährlich sein. Doch auch Hunde sind nicht resistent gegen das Gift aller Pilze, in manchen Fällen, wie nach dem Fressen des hochgiftigen Grünen Knollenblätterpilzes, kann es auch für Hunde ums Überleben gehen. Darüber hinaus sind vor allem Pilze der Gattung der Risspilze für Vierbeiner gefährlich.

Besonders bei kleinen Hunden kann das in Risspilzen enthaltene Gift schnell zum Ersticken führen. In jedem Fall solltet ihr schnell einen Tierarzt aufsuchen, wenn ihr den Verdacht habt, euer Hund könnte beim letzten Waldspaziergang seinen Hunger mit einem giftigen Pilz gestillt haben.


Hat jeder „bekannte“ heimische Pilz einen giftigen Doppelgänger?

Vor allem Pilze der Gattung der Lamellenpilze haben oft giftige Doppelgänger, Foto: imago images/Becker&Bredel

Giftige Doppelgänger findet man insbesondere bei Arten der Gattung der Lamellenpilze. Hier sollte man beim Sammeln besonders aufmerksam sein und auf alle Bestimmungsmerkmale achten. Beispielsweise gibt es hierzulande mehr als fünfzig verschiedene Champignon-Arten, aber nicht alle davon sind genießbar.

Einige giftige Arten sind nicht lebensbedrohlich, können jedoch Brechdurchfälle verursachen. Der Steinpilz ist leicht mit dem gallebitteren Galen-Röhrling zu verwechseln. Der essbare Hexen-Röhrling sieht dem giftigen Satanspilz zum Verwechseln ähnlich. Entwarnung gibt es im Fall des Pfifferlings: Der sogenannte falsche Pfifferling ist dem echten zwar recht ähnlich, ist jedoch nicht giftig, aber für Speisezwecke nicht zu empfehlen.


Lust auf einen Streifzug durch den Wald? Wir haben ein paar Tipps für euch, wo ihr in diesem Herbst in Brandenburg Pilze sammeln könnt. Und wer keine Lust hat auf’s Pilze sammeln, aber auf einen entspannten Tag in der Natur, für den haben wir 12 schöne Waldspaziergänge in Berlin herausgesucht. Oder gleich raus ins Umland, um ein bisschen Kraft zu tanken: Wir haben Tipps für Ausflüge, Unterkünfte und natürlichen Genuss in Brandenburg.

Mehr über Cookies erfahren