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„Knödelexpress“ zwischen Prag und Berlin: Letzte Chance für eine Fahrt im Speisewagen

Text: Paula Schöber
Veröffentlicht am: 02.06.2025
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Der liebevoll „Knödelexpress“ genannte tschechische Speisewagen des Eurocity zwischen Prag und Berlin dreht seine letzten Runden. Im Laufe des Sommers werden die ikonischen alten Speisewagen mit den kugelförmigen Tischleuchten und roten Deckchen endgültig durch moderne Bistrowagen ersetzt. Höchste Zeit, noch ein letztes Mal im „Knödelexpress“ nach Prag zu fahren.

Von so einer urigen Speisewagen-Atmosphäre wie hier im „Knödelexpress“ können Fahrgäste der Deutschen Bahn nur träumen. Foto: tipBerlin/Paula Schöber

Die Tage der ikonischen tschechischen Speisewagen sind gezählt

Fast dreißig Jahre lang waren sie im Dienst: die ikonischen Speisewagen der České dráhy (ČD), der tschechischen Staatsbahnen auf der Strecke Kiel/Flensburg/Hamburg–Berlin–Prag, die nicht nur unter eingefleischten Bahnfans ein Muss sind. Jetzt werden diese rollenden Kneipen mit Kultstatus langsam aber sicher durch neue, moderne Bistrowagen ersetzt. Der Austausch läuft bereits, bis Ende des Jahres sollen dann nur noch sogenannte „ComfortJets“ mit abgespeckten Bistrowagen fahren, das teilte die ČD auf Anfrage mit.

Vergangenen Herbst wurde das Ende der traditionsreichen Speisewagen-Institution bekannt, neue Züge und mit ihnen neue Bordbistros wurden auf der Verkehrstechnik-Messe Innotrans in Berlin vorgestellt. Schnell war klar: Die modernen „ComfortJet“-Bistrowagen würden bei Weitem nicht an den Charme und das kulinarische Level der alten Speisewagen herankommen. Die tschechische Bahn tauscht ihre gemütlichen, nostalgischen Wagen aber nicht grundlos aus: Die neuen „ComfortJets“, hergestellt von Siemens und Škoda, fahren schneller und ruckelfreier und können außerdem mehr Passagiere mitnehmen. Statt wie bisher mit sechs Wagen sind die Züge zwischen Norddeutschland und Tschechien jetzt mit acht beziehungsweise neun Wagen unterwegs.

Die alten Sechser-Abteil-Wagen sind inzwischen schon größtenteils ausrangiert, Fahrgäste werden also schon jetzt die neuen „ComfortJets“ vorfinden. Da sich allerdings die Lieferung der „ComfortJet“-Bistrowagen etwas hinzieht, fahren einige Züge zwar mit den neuen Wagen – aber noch mit den alten Speisewagen.

Ein Eurocity mit altem Speisewagen auf dem Weg von Hamburg nach Prag verlässt den Hauptbahnhof der Hansestadt. Foto: Imago/Hanno Bode

Ein letztes Mal mit dem „Knödelexpress“ nach Prag

Bevor diese bald gar nicht mehr an der Elbe entlang rollen werden, habe ich mir kurzerhand Tickets für einen Wochenendtrip in die tschechische Hauptstadt gebucht, schließlich war ich noch nie dort. Und was für einen besseren Grund gibt es, Prag einen Besuch abzustatten, als dafür noch ein letztes Mal mit dem wunderbaren „Knödelexpress“ zu fahren und Bier und Knödel vor einem langsam vorbeiziehenden Elbpanorama zu genießen? Auf dieser Zugfahrt wird der Weg zum Ziel.

Als der EC Nummer 379 am Vormittag im Berliner Hauptbahnhof einrollt, geht es für mich samt Begleitung schnurstracks in den ersten Wagen: den Speisewagen. Von außen ist er unschwer an den ikonischen weißen, kugelförmigen Tischlampen zu erkennen, die man durch die Fensterscheiben sieht. Wir sichern uns direkt einen Platz am Fenster, auf der linken Seite in Fahrtrichtung (das ist nämlich die Seite mit der schönen Aussicht auf Elbe und Sandsteingebirge). Den Platz sollen wir bis zu unserem Zielbahnhof Prag auch nicht mehr aufgeben, zu gemütlich sind die in rotem Leder bezogenen Sessel mit Armlehnen, zu schön die Atmosphäre, zu gut der Duft von frischen Knödeln und Palatschinken.

Wer sich in Berlin in Fahrtrichtung auf die linke Seite setzt, wird mit diesem Panorama im Elbsandsteingebirge belohnt. Foto: tipBerlin/Paula Schöber

Angefangen mit Kaffee und heißer Schokolade, arbeiten wir uns langsam durch das umfangreiche Menü. Bis Bad Schandau, dem letzten Bahnhof in Deutschland, gehen wir es mit den Bestellungen aber langsam an. Denn sobald der Zug über die Grenze gerauscht ist und die alten Räder über tschechische Schienen rattern, ist im Speisewagen „happy hour“ angesagt. Die heißt wirklich so und meint ganz einfach: Auf tschechischem Boden wird das gesamte gastronomische Angebot im „Knödelexpress“ um knapp die Hälfte billiger.

Bier und Knödel sind auf der tschechischen Seite der „Knödelexpress“-Strecke fast halb so teuer

Ein frisch gezapftes Pilsner Urquell (0,3 Liter) kostet nun nur noch 2,60 Euro statt vorher 4,30 Euro. In Deutschland habe ich bereits eine Kräutercremesuppe genossen (das Suppenangebot variiert saisonal), jetzt, hinter dem tschechischen Grenzort Děčín, ist es Zeit für die berühmten böhmischen Knödel in Rahmsauce und mit reichlich Preiselbeeren. Eigentlich gehören die Knödel nur als Beilage zu einem Lendenbraten, auf den verzichten wir aber aus vegetarischen Gründen. Dass hier alles noch frisch in der Bord-Küche gekocht wird, schmeckt man. Und für schlappe 209 Tschechische Kronen beziehungsweise 9,10 Euro ist die große Portion sogar günstiger als in so mancher Gaststätte. Die saftigen Knödel, das kühle Bier, die freundlichen Kellner und der Blick aus dem Fenster des langsam vor sich hin ruckelnden Zuges: ein Reiseerlebnis, das man an Romantik und Atmosphäre nur schwer überbieten kann.

Das Traditionsgericht des „Knödeslexpress“, die böhmischen Knödel in Rahmsauce und Preiselbeeren, schmecken auch ohne Lendenbraten vorzüglich. Foto: tipBerlin/Paula Schöber

So sättigend war die Portion, dass wir den Nachtisch gar nicht mehr schaffen. Zwischen Schoko-Palatschinken und warmem Apfelstrudel wäre die Wahl ohnehin schwer gefallen. Inzwischen schlängelt sich der Eurocity mit dem passenden Namen „Berliner“ in der Anfahrt auf Prag durch die böhmische Landschaft, und der Speisewagen, der bei der Abfahrt in Berlin noch recht leer war, ist jetzt bis auf den letzten Platz besetzt. Die Köche und Kellner haben zur „happy hour“ alle Hände voll zu tun.

Nach knapp viereinhalb Stunden rollt der Eurocity in den Prager Hauptbahnhof ein – ohne Verspätung, dafür mit gesättigten Fahrgästen. Schon kulinarisch und sprachlich auf die neue Umgebung eingestimmt, fühlt es sich fast gar nicht mehr so an, als würde man in einer unbekannten Stadt aussteigen.

Bye, bye „Knödelexpress“: An Bord der neuen Speisewagen wird nicht mehr frisch gekocht

Dieses Reiseerlebnis wird es bald nicht mehr geben: Der Austausch der alten Speisewagen durch neue Bistrowagen läuft bereits, bis Ende 2025 sollen auf der Strecke Hamburg–Berlin–Prag nur noch neue „ComfortJets“ mit modernen Bistrowagen fahren. Diese haben nur noch 18 statt 30 Plätze, außerdem gibt es statt der heimeligen Gaststätten-Optik mit runden Lampen, weißen Tischdecken und Vorhängen nun ein kühles, schwarzes Design, das an die seelenlose Bordbistros der Deutschen Bahn erinnert. An Bord gekocht wird auch nicht mehr: Das Traditionsgericht und Namensgeber des „Knödelexpress“ wird es zwar weiterhin geben, allerdings vorgekocht und an Bord nur noch aufgewärmt. So einige andere Gerichte, die sich nicht so einfach vorkochen lassen, werden also von der für einen Speisewagen recht üppigen Karte verschwinden.

Ein Zug mit neuen „ComfortJet“-Wagen im Prager Bahnhof. Foto: České dráhy

Wer jetzt noch ein letztes (oder erstes) Mal mit dem legendären „Knödelexpress“ reisen möchte, sollte sich beeilen. Nicht einmal die ČD können voraussagen, wann der alte Speisewagen zum letzten Mal fahren wird, der Termin richtet sich nach den ungenauen Lieferzeiten der „ComfortJet“-Hersteller. Und beim Buchen ist Vorsicht geboten: Da bereits seit einigen Monaten die neuen Wagen unterwegs sind, ist es ratsam, vor dem Ticketkauf ganz genau in die Fahrpläne zu schauen, damit man ja nicht enttäuscht am Gleis steht, wenn der Zug ohne den alten Speisewagen einrollt.

„Knödelexpress“: So lassen sich Züge mit dem alten Speisewagen beim Buchen erkennen

Bisher (Stand Mai 2025) verkehren die Züge mit folgenden Zugnummern noch mit den klassischen Speisewagen: EC 170, 171, 178, 179, 258, 259, 378 und 379. Einige wenige Züge fahren sogar noch komplett mit alten Wagen (also den nostalgischen Sechser-Abteil-Wagen statt den neuen Großraumwagen): EC 176, 177, IC 2070 und IC 2073. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, wirft einen Blick auf die Website der České dráhy, sucht nach der Verbindung Berlin–Prag, klickt dann auf die jeweilige Verbindung, wobei die Wagenreihung erscheint, und fährt dann mit der Maus über den Speisewagen. Dort findet sich eine kryptische Kombination aus Buchstaben und Zahlen, die verrät, ob es sich um einen alten Speise- oder einen neuen Bistrowagen handelt. Der alte Speisewagen verbirgt sich hinter „WRmz 815“.

Vollends gezählt sind die Tage des „Knödelexpress“ aber auch Ende des Jahres noch nicht. Die alten Speisewagen werden keinesfalls ausrangiert, sondern sie sollen auf der Strecke Prag–Bohumín–Polen/Slowakei eingesetzt werden. Für Berliner lohnt sich ein Ausflug, der weiter als nach Prag führt, dann also umso mehr.

Am 21. Juli teilten die České dráhy mit, dass der „Knödelexpress“ nicht ganz so umfangreich und endgültig ausgemustert werden solle wie zunächst geplant. In einer Pressemitteilung über die Vorteile der neuen „ComfortJets“ steht auch, dass in drei Zugpaaren die beliebten Speisewagen weiterhin mitfahren. Es geht um die Züge EC 378, EC 170 and EC 258,10.28, 16.28 und 20.28 Uhr von Prag nach Berlin und in umgekehrter Richtung EC 171 ab Berlin Hbf um 07.15 Uhr, EC 379 ab Berlin Hbf um 11.16 Uhr sowie EC 259 um 00.16 Uhr ab Berlin Gesundbrunnen.


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