Ein fast noch ursprünglicher Handwerksbetrieb, ein Jahrhunderte altes Restaurant, ein historisches Theater: Wir stellen euch 12 nostalgische Orte in Berlin vor, die sich wie eine Zeitkapsel im bunten Gewimmel der Großstadt anfühlen.
Das historische Planufer

Das Planufer, mit seinem nostalgischen Flair, liegt am Landwehrkanal, der im 19. Jahrhundert angelegt wurde, um die Spree zu entlasten. Von der Dieffenbachstraße führt das gerade einmal gut 600 Meter lange Planufer über die Admiral- zur Kottbusserbrücke. Zwischen historischer Architektur und Gentrifizierung prallen hier zwei Welten aufeinander. Und bei all dem Wandel fühlt man sich zwischen den mit Stuck verzierten Fassaden und der schmiedeeisernen Admiralbrücke fast wie auf eine Zeitreise entführt. tipBerlin-Redakteurin Rosanna Tadic hat das Planufer während eines Spaziergangs noch ausgiebiger erkundet.
- Planufer Kreuzberg, bei Maps
Berlins ältestes Restaurant: Zur letzten Instanz

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Gebäude, in dem heute Berlins ältestes Restaurant Zur letzten Instanz logiert, im Jahr 1561. Glaubt man der verbreiteten Legende, geht der Name auf einen Streit zwischen zwei Bauern zurück, die sich „in letzter Instanz“ im Gastraum in der Waisenhausstraße trafen, um ihren Konflikt beizulegen. Das denkmalgeschützte Gebäude ist jedoch nur in wenigen Teilen wirklich alt: Der Majolika-Kachelofen und Teile der Rückwand sind Jahrhunderte alt, alles Übrige musste nach den schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut werden. Heute serviert man im Restaurant traditionelle deutsche und Berliner Küche, ursprünglich und geschmacklich komplex, mit einem Hauch Haute Cuisine interpretiert. In der letzten Instanz lebt Berliner Geschichte weiter. Schwelgen ist ausdrücklich erwünscht. Auf den Geschmack gekommen? In diese Alt-Berliner Kneipen wird schon seit mehr als 100 Jahren gezapft, getrunken und geplaudert.
- Zur letzten Instanz Waisenstr. 14–16, Mitte, Mo 17.30–23 Uhr, Di–Sa 12–15 Uhr, 17.30–23 Uhr, Tel. 030/242 55 28, online
Das geheimnisvolle Renaissance Theater

Das Renaissance-Theater ist das letzte erhaltene Art-Déco-Theater Europas. Der Name ist allerdings irreführend – mit der Renaissance hat das Haus kaum etwas zu tun. Entworfen wurde es von Oskar Kaufmann, der auch die Volksbühne schuf. Der historische Charme des Theaterhauses ist unverwechselbar und ob man sich der langen Geschichte der Institution bewusst ist oder nicht: Im Renaissance Theater wird ein normaler Theaterabend zu einer Zeitreise in die Goldenen 1920er-Jahre. Berlins Bühnen bieten eine sagenhafte Vielfalt – wir haben immer den aktuellen Überblick, welche Inszenierungen derzeit sehenswert sind.
- Renaissance Theater Knesebeckstr. 100, Charlottenburg, Tel. 030/315 97 30, aktueller Spielplan
Die glanzvolle Bar jeder Vernunft

Chanson, Cabaret, Show, Theater, Comedy: 1000 Spiegel im originalen Jugendstilzelt lassen die Manege der Bar jeder Vernunft nahezu grenzenlos wirken. Während man bei Kerzenschein speist und auf den Glamour der 1920er-Jahre anstößt, erwacht die Bühne durch Berliner Kleinkunst in ihrer besten und aufregendsten Form zum Leben. So unscheinbar die Bar jeder Vernunft von außen wirkt, so glamourös zeigt sie sich im Inneren – ein Berliner Ort, an dem Nostalgie fest zum Konzept gehört.
- Bar jeder Vernunft Schaperstr. 24, Wilmersdorf, Tel. 030/883 15 82, aktueller Spielplan
Das zeitverlorene Clärchens

„Clärchens Ballhaus ist ein einzigartiger Ort der lebendigen Vergangenheit“: Mit diesen Worten wird man auf der Webseite der stimmungsvollen Eventlocation begrüßt. Die historische Institution wurde 1913 als Tanzlokal eröffnet. Unter Kronleuchtern, Stuckdecken und zwischen Spiegeln tanzten Generationen zu Walzer, Swing und Discofox – durch zwei Weltkriege, fünf politische Systeme und sechs Währungsreformen hindurch. Der letzte große Tanzabend im Ballsaal fand im Winter 2019/2020 statt, bevor der traditionsreiche Saal aufgrund eines Betreiberwechsels und anschließender Sanierung seine Türen schloss. Heute ist das Clärchens eine lebendige Mischung aus Restaurant (Luna D’Oro) und vielseitiger Eventlocation. Im historischen Ballsaal finden regelmäßig Tanzkurse statt.
- Clärchens Ballhaus Auguststr. 24/25, Mitte, Tel. 030/400 69 81 00, online
Das wunderschöne Rixdorf

Den vielleicht ungewöhnlichsten der alten Dorfkerne Berlins gibt es mitten in Neukölln unweit der Karl-Marx-Straße. Bis 1912 trug Neukölln den Namen Rixdorf, rund um den heutigen Richardplatz befand sich das Dorfzentrum. Noch heute finden sich hier kleine historische Gebäude wie die Dorfschmiede in der Mitte des Angers, erstmals urkundlich erwähnt 1624. Sie ist damit die älteste Schmiede Berlins – und noch immer in Betrieb. Im Winter lohnt sich der Weg nach Rixdorf besonders, wenn auf einem von Berlins schönsten Weihnachtsmärkten Glühwein und gebrannte Mandeln verkauft werden.
- Rixdorf Neukölln, bei Maps
Der gemütliche Savignyplatz

Der Savignyplatz, eingerahmt von Kant-, Bleibtreu-, Schlüter- und Grolmanstraße, ist bekannt für sein entspanntes Flair. Zwischen historischen Fassaden, kleinen Cafés im französisch-mediterranen Stil und dem markanten, teilweise original erhaltenen S-Bahnhof aus der Kaiserzeit kann man sich wunderbar zwischen Vergangenheit und Gegenwart treiben lassen. Anfang des 20. Jahrhunderts entstand rund um den grünen Platz ein Künstler- und Literatenviertel, dessen Energie bis heute spürbar ist. Kleine Galerien und Orte für Literaturliebhaber:innen wie der Bücherbogen oder das Literaturhaus Berlin verleihen dem Kiez einen besonderen, gedankenverlorenen Charme.
- Savignyplatz Charlottenburg, bei Maps
Das verträumte Nikolaiviertel

Im Nikolaiviertel, der altstädtischen Siedlung unweit des Alexanderplatz, liegt einer der ursprünglichen Kernorte Berlins. Die erste gesicherte schriftliche Erwähnung der Städte Berlin und Cölln wird datiert auf das Jahr 1237. Im Jahr 1307 wurden Berlin und Cölln offiziell zur Doppelstadt „Berlin-Cölln“ zusammengeführt. Die erste Straße Berlins, die offiziell verzeichnet wurde, ist der Mühlendamm, der noch heute von der Fischerinsel zum Roten Rathaus führt. Im Viertel steht die Nikolaikirche, deren Ursprünge bis in das frühe 13. Jahrhundert reichen – sie zählt damit zu den ältesten erhaltenen Bauwerken Berlins. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Nikolaiviertel nahezu vollständig zerstört. In den 1970er-Jahre begann ein aufwendiger Wiederaufbau – das heutige Viertel wurde 1987 offiziell eröffnet.
- Nikolaiviertel Mitte, bei Maps
Die eindrückliche Bölschestraße

Für nicht wenige West-Berliner:innen liegt Friedrichshagen gefühlt am anderen Ende der Welt und so kann es passieren, dass sich viele von ihnen vielleicht niemals im Leben in die Bölschestraße verschlägt. Schade! Dabei wirkt die Straße im Stadtteil Friedrichshagen, nur einen Katzensprung vom Müggelsee entfernt, wie ein historisches Dörfchen mitten in Berlin. Entlang der Gehwege präsentiert sich hier eines der besten durchgehenden Gründerzeit-Fassadenbilder Berlins. Viele Gebäude stammen wirklich noch aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Weil es in diesem sehr östlichen Teil Berlins Jahrzehnte lang weniger wirtschaftlicher Druck herrschte und es daraus resultierend seltener Abrisse und Modernisierungsarbeiten gab. Alte Cafés, Traditionsbäckereien und das älteste, durchgehend bespielte Kino Berlin sind weitere Gründe, wieso echte Nostalgiker:innen einen Ausflug nach Friedrichshagen in Betracht ziehen sollten.
- Bölschestraße Friedrichshagen, bei Maps
Die Schuhmacherei Sumer im Bergmannkiez
Aus der Schuhmacherei in der Bergmannstraße wurde 2007 die Schuhmacherei Sumer. Das Geschäft wechselte den Besitzer, blieb aber seiner über hundertjährigen Tradition treu: von Generation zu Generation wurde hier das Schuhmacherhandwerk weitergegeben. Ein gerissener Schnürsenkel, ein abgelaufener Absatz, ein Loch in der Sohle: hier wird repariert, statt weggeworfen und neu bestellt. Und wer lässt sich heute noch Schuhe maßanfertigen? In der Schuhmacherei Sumer kann man aus 26 Ledersorten wählen und seinen perfekten Tanz- oder Anzugsschuh nach Wunsch anfertigen lassen. Wer noch Zeit hat und neugierig ist, sollte sich unsere Tipps für Shopping auf der Bergmannstraße anschauen.
- Schuhmacherei Sumer Bergmannstr. 30, Kreuzberg, Mo–Fr 9–19 Uhr, Sa 9–16 Uhr, Tel. 030/84 11 72 01, online
Sawade – Berlins älteste Pralinenmanufaktur

Sawade ist Berlins älteste Pralinenmanufaktur: 1880 gegründet, stieg das Unternehmen schon bald zum königlichen Hoflieferanten auf. Die Spezialitäten – Trüffel und Pralinen – sind in nostalgisch-modern gestalteten Boxen, Tütchen und Dosen verpackt, und ihr Inhalt zergeht auf der Zunge. Handwerkliche Nostalgie wird bei Sawade bis heute gelebt: Viele Rezepturen sind Jahrzehnte alt und unverändert, und wo immer es möglich ist, legen die Süßwarenmeister:innen selbst Hand an. So gleicht keine Praline der anderen, ein Detail, das dieses traditionsreiche Berliner Handwerk besonders macht. Tolle Orte für Schokolade gibt es hier.
- Sawade z.B. Friedrichstr. 166, Mitte, Mo–Sa 11–19 Uhr, Tel. 030/43 00 69 60, online
Eine gemütliche Couch, genügend Snacks und nette Gesellschaft. Diese Berliner Serien-Klassiker eignen sich perfekt für eine nostalgische Binge-Watching-Night. Viele Nostalgiker:innen erfreuen sich an zeitlosen Designs. Wir stellen euch die besten Geschäfte für Vintage-Kleidung in Prenzlauer Berg vor und wagen zudem einen Rundumblick: von Fahrrädern über Vintage-Möbel und Instrumente bietet Berlin noch einiges mehr, das die Gegenwart ganz schön alt aussehen lässt. Teilweise geschlossen, aber unvergessen: Diese Clubs aus den Berliner 1990er-Jahren haben die Feierszene geprägt. Zeitlos gute Tipps für das schöne Leben in Berlin findet ihr in unseren Rubriken „Stadtleben“ und „Ausflüge“.


