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12 späte Spaziergänge: Hier erkundet ihr Berlin im Dunkeln

Egal, ob ihr im Sommer der Wärme entkommen oder im Winter nach der Arbeit eh keine andere Wahl habt: Berlin ist auch im Dunkeln schön und es gibt einige Ecken und Viertel, in denen wir gern im Dunkeln unterwegs sind. Manchmal, weil die Beleuchtung besondere Stimmungen schafft, manchmal, weil es einfach wunderbar ruhig ist. Wir haben natürlich Areale ausgewählt, in denen es auch verhältnismäßig sicher ist.

Generell gilt natürlich: Im Dunkeln ist nicht nur gut munkeln, es lauern auch manchmal unangenehme Gestalten in der Finsternis – deshalb: achtet auf eure Umgebung. Aber lasst euch auch nicht von der notwendigen Warnung gleich alles verderben. Mit diesen 12 Routen für Spaziergänge im Dunkeln könnt ihr spannende Berliner Kieze erkunden und neu entdecken.


Ein nächtliche Erkundungstour auf der Museumsinsel

Museumsinsel
Hier erleuchtet die Friedrichsbrücke in den Abendlichtern der Stadt. Warme Lichter spiegeln sich auf der Wasseroberfläche der Spree. Foto: Imago Images/Westend61

Über die Friedrichsbrücke in Mitte gelangt man direk auf die Museumsinsel. Hat man die Brücke überquert, spaziert man durch die Säulengänge zur alten Nationalgalerie, vorbei am Bodemuseum und dem Pergamonmuseum. Auf dem Kolonnadenhof, der das Bauensemble der drei Museen miteinander verbindet, stehen zahlreiche Bronzeskulpturen. So kann man ganz umsonst Kunst im Freien genießen. Und nicht nur das. Oft tummeln sich auch spät noch Straßenmusiker:innen auf der Museumsinsel und sorgen, je nach Musikrichtung und Instrument versteht sich, für eine gute Stimmung. Und wer sich weiter weg vom Geschehen aufhalten will, sucht sich einfach ein stilles Plätzchen am Wasser, um ein wenig zu verweilen.


Von der Choriner Straße aus über die Sredzkistraße zum Kollwitzplatz spazieren

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Das ist die Kollwitzstraße in Prenzlauer Berg an einem Sommerabend. Wie gemacht für gemütliche Spaziergänge. Foto: Imago Images/F.Berger

Viele der stuckverzierten Häuser in der Choriner Straße stammen noch aus dem frühen 20. Jahrhundert. Und nicht nur die Hauswände sind liebevoll verziert. Von der einen Hauswand zur anderen sind mit Fähnchen bestückte Leinen gespannt. In allen Farben und Formen wehen sie hin und her und verleihen der ohnehin schon bemerkenswerten Straße ein noch gemütlicheres Ambiente.

Überquert man die Kreuzung Ecke Schönhauser Straße, befindet man sich links neben der Kulturbrauerei in der Sredzkistraße. Sobald ist dunkel ist, leuchten alte Straßenlichter in warmen Farben auf. Altbauten, breite Gehwege und vielerlei Bäume sind charakteristisch für die Sredzkistraße. Ecke Kollwitzstraße angekommen, biegt man rechts ab. Weil hier abends nur geringer Autoverkehr herrscht, darf man auch mal inmitten der Straße laufen und dabei vergnügt auf den Kollwitzplatz zusteuern, wo unsere Route ihr Ende findet. Das Gute: Eigentlich zu jeder Tageszeit ist so viel los, dass man sich nie wirklich unsicher fühlt.


Von der Kastianenallee bis zur Eberswalder Straße flanieren

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Die Kastanienallee ist bunt, künstlerisch und politisch. In der Nummer 86 befindet sich das dritte Berliner Tuntenhaus, ein einst besetztes Gebäude in der Kastanienallee. Foto: Imago Images/Steinach

Die Kastanienallee beginnt am nordöstlichen Ende des Volksparks am Weinberg in Mitte und erstreckt sich über 950 Meter. Gegen Abend spazieren Paare, Familien und Alleingänger die Straße hoch und runter und erfreuen sich an den vielen Cafés und Restaurantbetrieben, die warme Getränke und Snacks to go anbieten. Zum Beispiel gibt es ein nettes kleines Bistro in der Kastanienallee 88. Wer bei Esra ein Sandwich mit Falafel verdrückt, will mehr davon. Die Straße, die vor knapp 200 Jahren als Verlängerung des Weinbergwegs angelegt wurde, ist politisch und künstlerisch. Hier seht ihr die Kastanienallee im Wandel der Zeit.

Eine politische Leuchtinstallation befindet sich an der Hausfassade der Nummer 86. Im Hinterhof befindet sich heute das dritte Berliner Tuntenhaus, das zusammen mit dem Vorderhaus ein alternatives Wohnprojekt bildet. Es gilt als eines der letzten Häuser der Kastanienallee, die bisher nicht von der Gentrifizierung betroffen sind.

Seit dem Verkauf an drei neue Eigentümer im Jahr 2004 planen diese Sanierungen, um neuen Wohnraum zu schaffen. Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen und gegen die damit einhergehenden Mieterhöhungen und veränderten Lebensbedingungen zu protestieren, brachten Bewohner:innen die Schriftzüge Kapitalismus normiert, zerstört, tötet an der Fassade des Vorderhauses an. Apropos Kapitalismus: Wer nicht zu spät unterwegs ist, kann an der Kastanienallee auch hervorragend shoppen.


Der Wasserturm im Prenzlauer Berg ist ein toller Ort, um abends Zeit an der frischen Luft zu verbringen

Berlin bei Nacht, Spaziergänge
Den Wasserturm in Prenzlauer Berg gibt es schon seit 1877. Heute bietet seine Parkanlage Platz für entspannte Spaziergänge. Foto: Imago Images/Steinach

Sobald es dunkel wird, springen die Lichter auf dem Wasserturm an. Für Jogger:innen, Hundebesitzer:innen und gerade für Spaziergänger:innen eignet sich der auf ihm angelegte Gehweg, der die Wiese umrundet. Wenn man das bisschen Grün, dass nach vielen Jahren der Abnutzung durch feierwütige Jungendliche und tobende Hunde dort übrig geblieben ist, überhaupt noch Wiese nennen kann.

Dennoch ist der Wasserturm in seiner Idylle und Lage fast unschlagbar. Spielt eine Gruppe zu laute Musik, kann eine andere sie einfach übertönen. Doch keine Angst, solange Familien und Kinder im Spiel sind, wissen sich auch junge Menschen zu benehmen. Unzählige Male wurde hier bereits die Polizei von Anwohnern benachrichtigt, weil Berlins Jugend sich hier unbedingt zu Clubnächten unter freiem Himmel verabreden musste.

Gerade deshalb eignet sich diese Zeit hervorragend, um den Wasserturm in den Abendstunden einmal in seiner ruhigen Atmosphäre zu genießen. Auch die Gegend um den Turm herum enttäuscht nicht. Restaurantbetriebe und Cafés freuen sich über Gäste. Hierfür bietet die Marienburger Straße reichlich Optionen. Mehr Wassertürme findet ihr hier. Mehr historische Berliner Wassertürme seht ihr hier.


Die East Side Gallery entlang schlendern und Kunst im Freien genießen

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An der rechten Seite der Mühlenstraße befindet sich die East Side Gallery. Ihr Ufer eignet sich wunderbar für lange Spaziergänge am Wasser. Foto: Imago Images/Hohlfeld

An der East Side Gallery an der Spree in Friedrichshain ist das längste noch erhaltene Teilstück der Berliner Mauer zuhause. Dort findet man eines der bekanntesten Gemälde auf der Mauer. Dmitri Wrubel malte 1990 den Bruderkuss von Breschnew und Honecker. Sein Werk ist einer Fotografie vom 30. Jahrestag der Gründung der DDR nachempfunden.

Dieser Spaziergang punktet mit Kunst im Freien am Ufer der Spree. Die Open-Air-Galerie befindet sich in der Mühlenstraße zwischen dem Ostbahnhof und der Oberbaumbrücke. Diese ist vom Ufer der East Side Gallery aus wunderbar zu betrachten. Spaziert man die Mühlenstraße im Dunkeln entlang, sind zudem alle Gemälde durch die Straßenbeleuchtung noch gut zu sehen.


Sightseeing zu später Stunde in Charlottenburg: Landwehrkanal, Spree und das Schloss Charlottenburg

So erleuchtet das Schloss Charlottenburg im abendlichen Berlin. Es stellt die bedeutendste Schlossanlage der Hauptstadt dar und ist ein beliebtes Ziel für Spaziergänge. Foto: Imago Images/Günter Schneider

Diese Route führt entlang des Landwehrkanals und der Spree, vorbei an zahlreichen, historischen Brücken. Von der S-Bahn Station Tiergarten läuft man bis zum historischen Charlottenburger Tor zum Ufer des Landwehrkanals. Auf der einen Seite des Kanals liegt das Salzufer, wo übrigens die tip-Berlin-Redaktion zuhause ist. Für diese Route jedoch laufen wir auf der gegenüberliegenden Seite entlang des Einsteinufers, vorbei an der Marchbrücke und der Dovebrücke, bis der Landwehrkanal in die Spree übergeht.

Möchte man nah am Ufer bleiben, bleibt nichts anderes übrig als einem nur dürftig beleuchteten Pfad zu folgen, bis man die Röntgenbrücke und damit das wieder beleuchtete Iburger Ufer erreicht. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann die dunklere Passage ganz einfach umrunden. Dafür biegt man an der Dovebrücke links ab und folgt der Gavanistraße, bis man wieder rechts in die Guerickestraße und danach nochmal rechts in die Röntgenstraße abbiegt. Vom Iburger Ufer aus steuert man über das Charlottenburger Ufer gerade zu auf das beleuchtete Schloss Charlottenburg.


Vom Mariannenpplatz zum Engelbecken spazieren und die leuchtende Kulisse bewundern

Das ist der Blick über das Engelbecken auf die St.-Michael-Kirche. Foto: Imago Images/Frank Brexel

Der Mariannenplatz ist eine weitläufige Grünfläche in Kreuzberg. Hier kann man auf breiten Gehwegen die abends gut beleuchtete Parkanlage entdecken. Unsere Route führt am Künstlerhaus Bethanien, an der St.-Thomas-Kirche und dem Freiluft Kino Kreuzberg vorbei, bevor es über den Bethaniendamm weiter zum Engelbecken geht.

Um die Wasserfläche herum bietet der Engelbecken Park eine tolle Gelegenheit das Becken zu umrunden. Dabei blickt man über das Wasser hinweg auf die St.-Michael-Kirche und den Michaelkirchplatz. Oberhalb des kleinen Cafés befindet sich eine höher gelegene Steinplattform mit Bänken, von der man das Engelbecken auch von oben aus betrachten kann. Und wenn ihr danach noch was erleben wollt: Nachtleben in Kreuzberg: Tanzen an der Spree und in öffentlichen Toiletten.


Die Admiralbrücke in Kreuzberg: Ein Spaziergang am Wasser

Schön sieht es in Kreuzberg rund um die Admiralbrücke aus. Erbaut wurde sie 1880. Ein ausgezeichneter Startpunkt für Spaziergänge im Dunkeln. Foto: Imago Images/Travel-Stock-Image

Zu gewöhnlichen Zeiten ist Kreuzberg laut am Tag und manchmal noch lauter in der Nacht. Nicht aber in diesen Zeiten. Dies können Spaziergänger:innen, die es ruhig und idyllisch mögen für sich nutzen. Zum Beispiel, in dem man die Admiralbrücke und ihre Umgebung für sich alleine entdeckt.

Die kleinen Straßen sind allesamt mit Bäumen bepflanzt, die die harmonische Uferstimmung noch hervorheben. Entweder man läuft von der Brücke aus das Fraenkelufer in Richtung Böcklerpark entlang und schaut dann über den Landwehrkanal auf das Urban-Krankenhaus. Oder man entscheidet sich für die gegenüberliegende Seite und spaziert das Planufer entlang in Richtung Ankerklause und genießt die malerische, schmale Straße mit ihren stuckverzierten Hauswänden und romantischen Balkonen.


Nächtliche Spaziergänge durch den bunten Bergmannkiez

Die stuckverzierten Häuser im Bergmannkiez stammen teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert. Foto: Imago Images/Steinach

Die Schaufenster der zahlreichen Geschäfte in der Bergmannstraße im Bergmannkiez leuchten auch in den Abendstunden noch hell auf. Deshalb kann man hier problemlos entlang spazieren und dabei ein bisschen schaufensterbummeln. Auch abends haben einige der Cafés und Bistros noch geöffnet, um Spazierende mit Getränken und Snacks To-go den Weg zu verschönern.

Der Kiez ist nicht umsonst eine der begehrtesten Wohngegenden in der Stadt. Die Hausfassaden von Berliner Altbauten sind einfach schön anzusehen. Einige der Häuser hier stammen noch aus der Zeit vor 1900. Neben der Bergmannstraße lohnt es sich auch, die anderen Straßen, etwa die Arndtstraße, die Fidicinstraße und die Nositzstraße, zu erkunden. Fidicinstraße Ecke Kopischstraße steht zudem ein 130 Jahre alter Wasserturm. Mehr über die spannende Geschichte der Bergmannstraße.


Vom S-Bahnhof Bellevue über die Moabiter Brücke zum Ufer der Grünen Meile spazieren

Eine Kulisse wie gemacht für Spaziergänge. Die Lichter der Moabiter Brücke spiegeln sich in der Spree. Foto: Imago Images/Steinach

Bellevue liegt zwischen Moabit und Charlottenburg und beherbergt eine Vielzahl herrschaftlich aussehender Brücken. Etwa die Moabiter Brücke nähe des S-Bahnhof Bellevue, wo unser Spaziergang beginnt und sich dann von Bellevue aus nach Moabit führt. Wegen der vier Bärenskulpturen, die bis zum Zweiten Weltkrieg und ab 1981 wieder auf ihren Geländern stehen, wird die Moabiter Brücke auch Bärenbrücke genannt.

Die pompösen Laternen der elf Meter breiten Überführung leuchten in den Abendstunden in gelben Lichtern auf und spiegeln sich auf der Wasseroberfläche der Spree. Von hier aus biegt man rechts auf das Helgoländer Ufer ab, welches nach 300 Metern in die Uferpromenade der Grünen Meile übergeht. Der Park nachts beleuchtet und bietet somit eine gute Gelegenheit, sich an der frischen Luft die Beine zu vertreten.


Entlang der Spree im Regierungsviertel: Beeindruckende Architektur und tolle Beleuchtung

So schön leuchtet das Berliner Regierungsviertel bei Nacht. Perfekt für entspannte Spaziergänge. Foto: Imago Images/Rolf Zöller

Diese Spazierroute führt am Wasser entlang und durch das Gebiet, in dem die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag ihren Hauptsitz haben. Hier befinden sich einige architektonisch interessante Bauwerke. Sobald es dunkel wird, leuchten überall im Regierungsviertel am Ufer der Spree helle Lichter auf. Gegenüber der Kantine des Paul-Löbe-Hauses sogar auf dem asphaltierten Boden.

Dort kann man übrigens wunderbar schaurige Fotos aufnehmen, wenn das Licht einem von untern dunkle Augenringe und Schatten ins Gesicht zaubert. Das ist wenig idyllisch, aber super lustig. Und stellt man sich nicht genau über das Licht und genießt einfach die nächtliche Beleuchtung, so hat dieser Spaziergang auch nichts mehr mit möglichem Schaudern, sondern nur noch mit eindrucksvollen Lichtern zu tun, die auf dem Wasser der Spree reflektiert hin und her schaukeln.


Golzstraße: Unterwegs zwischen Akazienstraße und Winterfeldplatz in Schöneberg

Die Apostel-Paulus-Kirche in Schöneberg befindet sich an der Stelle, an der die Goltzstraße in die Akazienstraße übergeht. Foto: Imago Images/Müller-Stauffenberg

Die Golzstraße in Schöneberg ist recht schmal. Gerade deshalb ist ein Spaziergang am Abend so gemütlich. Möchte man zwischendurch die Straßenseite wechseln, um die interessanten Ausstellungsstücke hinter den großen Schaufenstern aus der Nähe zu betrachten, kann man die Straßenseite wechseln, ohne auf fünf vorbei schlitternde Fahrzeuge zu achten. Hier geht es ruhiger zu. Es ist, als erzählte die Straße mit ihren hohen Altbauten eine kleine Geschichte.

Imbissbuden mit gut gelaunten Mitarbeiter:innen, Läden mit schönen Dingen, die man nicht braucht und Läden mit Dingen, die man unbedingt braucht, die dafür aber nur bedingt schön sind, sind hier zu finden. Insgesamt wohnt den Häusern eine bunte Mischung an Gewerben bei, was einen Spaziergang im Laternenlicht auch so reizvoll macht. Hier gibts eben viel zu gucken. Wir empfehlen, von der Winterfeldtstraße aus, an der St.-Matthias Kirche vorbei bis zur Apostel-Paulus-Kirche zu spazieren.


Lust auf noch mehr?

Spaziergänge durch die Stadt im Dunkeln sind nicht für jede*n etwas. Wer die Hauptstadt lieber tagsüber zu Fuß erkunden möchte, findet hier tolle Routen.

Ihr seit spazieren und seht, dass obdachlose Menschen Hilfe benötigen? Der Festsaal Kreuzberg ist wieder geöffnet. Und zwar als Kältehilfe. Für weitere Informationen und Anlaufstellen, um Obdachlosen in Berlin zu helfen, könnt ihr hier weiterlesen.

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