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Wanderung entlang der Ringbahn: Teil 3 – Westkreuz bis Südkreuz

Entlang der S-Bahn-Gleise geht es durch Charlottenburg und Wilmersdorf, vorbei an der Großbaustelle „Friedenauer Höhe“, bis nach Schöneberg. Im zweiten Teil der Wanderung entlang des Berliner S-Bahn-Rings vom Gesundbrunnen bis zum Westkreuz. Der dritte Teil beginnt nun am Westkreuz und endet am Südkreuz.

Die S-Bahn unterwegs in Friedenau. Foto: Jacek Slaski
Die S-Bahn unterwegs in Friedenau. Foto: Jacek Slaski

Sehr gemütlich ist die verknotete Gegend aus Gleisen und Autobahn nicht

Startpunkt Westkreuz: Sehr gemütlich ist die verknotete Gegend aus Gleisen und Autobahn nicht. Ein verkehrsplanerisches Ungetüm mit wenig Platz für Fußgänger. Die einzige Option, um weiterzukommen, ist die Halenseestraße, vor allem bekannt und berüchtigt als Adresse des Großbordells „Artemis“, sonst ist hier wenig zu sehen. Erst am Rathenauplatz mit seinen einbetonierten Cadillacs des Fluxuskünstlers Wolf Vostell fühlt es sich wieder nach Stadt an.

Tatsächlich befindet man sich hier kurzzeitig im Ortsteil Grunewald, doch schon ein Stück weiter liegt Halensee, wo an dem gleichnamigen S-Bahnhof der Kurfürstendamm ganz ohne Glanz und Luxus ausläuft. Über den kleinen Henriettenplatz geht es weiter in die Seesener Straße linksseitig der Bahntrasse. Hier durchwandert man am westlichen Rand von Wilmersdorf bis zum S-Bahnhof Hohenzollerndamm eine ruhige Wohngegend. Nach der Fußgängerbrücke „Hoher Bogen“, die übrigens einen wunderbaren Blick über die Schienen und die Stadt bietet, führt die Rudolstädter Straße unter Autobahnbrücken aus robustem Beton hindurch. Ein Bild, das an alte Stadtplanerträume von einer autogerechten Stadt erinnert. Am Heidelberger Platz zeugen die Eingänge zur U-Bahn von bürgerlicher Pracht, und an der Hanauer Straße stößt man auf hübsche Ein- und Mehrfamilienhäuser mit kleinen Gärtchen.

Die Varziner Straße erstreckt sich direkt an den Gleisen. Wer an der FU Berlin studiert hat, erinnert sich womöglich an die Traditionskneipe „Straßenbahn“, in der deftige Speisen, kühles Pils, ein schattiger Biergarten, Comedy und Livemusik vom studentischen Leben im alten Westen zeugen. Schließlich galt das gutbürgerliche Friedenau vor dem Mauerfall als liebste Wohngegend von Dichtern, Denkern und alteingesessenen Lebenskünstlern. Die Schriftsteller Günter Grass, Max Frisch und Uwe Johnson wohnten einst hier und am Bundesplatz, rund ums gemütliche Cosima-Kino weht noch der Geist dieser alten Tage.  

Das Immobilienprojekt „Friedenauer Höhe“ mit mehr als 1000 Wohnungen, Kitas, Gewerberäumen und Grünflächen. Foto: Jacek Slaski
Das Immobilienprojekt „Friedenauer Höhe“ mit mehr als 1000 Wohnungen, Kitas, Gewerberäumen und Grünflächen. Foto: Jacek Slaski

Der Geist gänzlich neuer Tage weht hingegen nur wenige hundert Meter weiter. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf, direkt an den Gleisen des S-Bahnrings, entsteht derzeit ein riesiges Stadtquartier: das Immobilienprojekt „Friedenauer Höhe“ mit mehr als 1000 Wohnungen, Kitas, Gewerberäumen und Grünflächen. Bis zum S-Bahnhof Innsbrucker Platz zieht sich ein Trampelpfad an den Neubauten vorbei, dahinter kommt schon Schöneberg. Lichtdurchflutet und ruhig führt die Ebersstraße mit ihren stolzen Mietskasernen und kleinen Boutiquen in den Kiez und dort findet sich ein Höhepunkt dieser Wanderung. An der Hausnummer 67, in einem Gebäude, das zum S-Bahnhof Schöneberg gehört, ist das wunderbare Pinelli Restaurant beheimatet, betrieben von der Initiative für psychisch kranke Menschen „Pinel“. In gemütlichem Ambiente wird hier zu fairen Preisen Hausmannskost serviert. Großartig!

Gleich um die Ecke, in der Leberstraße 65, steht das Geburtshaus von Marlene Dietrich

Die Idylle endet abrupt am Sachsendamm, doch hier muss man glücklicherweise nicht lang verweilen. Schnell über die Ampel, dann rechts runter und hinter der Unterführung direkt links hinein in die Torgauer Straße flüchten, und schon ist man wieder in Sicherheit. Im Schatten des spektakulären Gasometers hat sich der EUREF-Campus angesiedelt, ein zukunftsweisender Standort für Unternehmen aus den Bereichen Energie, Nachhaltigkeit und Mobilität. Nach dem hübschen Cheruskerpark folgen mit der Goten-, Leber und Gustav-Müller-Straße drei Eingänge zur Roten Insel, dem behaglichen Schöneberger Kiez mit kleinen Cafés, Läden und dem empfehlenswerten Weinlokal „Weinverein Rote Insel“ und gleich um die Ecke, in der Leberstraße 65, steht das Geburtshaus von Marlene Dietrich.

Die dritte Etappe der Ringbahnwanderung endet einige Schritte weiter am Südkreuz. Im vierten und letzte Teil geht es vom Südkreuz wieder zurück zum Ostkreuz. Eine Runde Berlin.

  • Die Wanderung vom Westkreuz zum Südkreuz entlang der Ringbahn hat eine Länge von etwa 10 Kilometern. Man sollte sich dafür mindestens zwei Stunden Zeit nehmen.
  • Das Restaurant Pinelli wird von der Initiative für psychisch kranke Menschen Pinel betrieben. Es befindet sich in deinem Gebäude, das zum S-Bahnhof Schönberg gehört und serviert wechselnde Gerichte zu sehr fairen Preisen. Ebersstraße 67, Schöneberg, Di–Fr 11.30 – 14.30 Uhr.

Ringbahnwanderung


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