Ausgebremste Sicherheit

Zwei Berliner Verkehrsschulen sollen geschlossen werden

Verkehrsunfälle gehören vor allem für Kinder zu den größten Gefahren für Leben und Gesundheit. Trotzdem sollen in Mitte zwei Jugendverkehrsschulen schließen

Verkehrsschule Zehlendorf

Ein grauer Nachmittag im Spätherbst: Ein Kind biegt mit einem Kettcar in einen winzigen Kreisverkehr ein, ein weiteres bremst vor einem kleinen Stoppschild. In der beliebten, gut ausgestatteten Jugendverkehrsschule (JVS) in Steglitz an der Albrechtstraße im Stadtpark ist für dieses Jahr kürzlich die Saison zu Ende gegangen. Doch einige dieser insgesamt 24 Miniatur-Verkehrslandschaften in Berlin, etwa die Jugendverkehrsschule am Sachsendamm in Schöneberg, stellen auch an Wintertagen – vorausgesetzt, es ist eis- und schneefrei – bis zum Einbruch der Dunkelheit weiterhin kostenlos Kettcars und Fahrräder zum „freien Fahren“ zur Verfügung. Abgeschirmt von dem echten, gefährlichen Straßenverkehr können Kinder hier das sichere Verhalten im Straßenverkehr üben. Im Frühling werden die Schüler hier und in anderen JVS dann wieder auf die Fahrradprüfung in der Jahrgangsstufe 4 vorbereitet. Die „Verkehrs- und Mobilitätserziehung“ ist Teil des Unterrichts- und Erziehungsauftrags und wird unter Aufsicht der Schule und in Zusammenarbeit mit der Polizei durchgeführt.

Doch das Angebot wird kleiner. So kam es im Bezirk Mitte zu Streitereien, als die Bezirksstadträtin zunächst ohne Einbeziehung der Bezirksverordnetensammlung (BVV) entschied, nun auch die zweite der drei JVS in Mitte zu schließen. Während im Frühjahr der Standort Berolinastraße einem geplanten Schulhof weichen musste, soll die Fläche in der Bremer Straße in Moabit an den Liegenschaftsfonds übergeben werden, der diese weiterverkauft. Die Wohnungsbaugesellschaft Gewobag erwägt, dort ein siebenstöckiges Wohnhaus und eine Kita zu errichten.

In Mitte, wo die meisten Verkehrsunfälle mit Kindern passieren und die Anzahl der Unfälle im letzten Jahr sogar um 53 Prozent gestiegen ist, erscheint die Schließung zweier Verkehrsschulen als absurdes Signal. Weil die Verkehrsschulen den klammen Bezirk viel Geld kosten, glauben die Mitglieder der Initiative Jugendverkehrsschule Moabit, dass der Bezirk die JVS deshalb absichtlich habe verkümmern lassen. Im Sommer starteten sie eine Petition und setzen sich seither für den Erhalt der JVS ein. Ein neues Konzept soll die Moabiter Einrichtung zu einer zentralen Begegnungs- und Informationsstätte rund um das Thema Verkehr werden lassen. Dass das erfolgreich umgesetzt werden kann, beweisen die zum Teil frisch sanierten JVS im Bezirk Steglitz/Zehlendorf. Hier wird neben der Vorbereitung auf die Fahrradprüfung auch Fahrradunterricht für Erwachsene, Migranten und Senioren angeboten. Selbst Kindergeburtstage können hier veranstaltet werden.

Ob auch in Mitte einem ähnlichen Konzept grünes Licht gegeben wird, wird noch geprüft. Inzwischen wurde auch die BVV beteiligt und nun wartet man auf die Ergebnisse einer Bürgerbeteiligung. Und hofft, dass die Verkehrsschule über den Winter nicht sang- und klanglos verschwindet.

Text: Anna-Marie Nehl

Bild: Wendepunkt GmbH

Liste der Berliner ?Verkehrsschulen
www.berlin-sicher-mobil.de/jugendverkehrsschulen.htm

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