Galerien und Museen

Kunst in Berlin und Brandenburg: Vom World Press Photo 20 bis zum Hannah-Höch-Preis

Kunst und Ausstellungen in Berlin? Jetzt ist die Zeit für Ausstellungsausflüge: auf zu „Rohkunstbau“, Schlossgut Schwante, Schloss Neuhardenberg oder Cecilienhof. Aber auch Berlin habe wir dabei in unseren 12 Vorschlägen für ein entspanntes Kunst-Wochenende.


World Press Photo 20 im Willy-Brandt-Haus

World Press Photo of the Year, Yasuyoshi Chiba: “Straigth Voice”, Japan, Agence France-Presse

Den ersten Platz beim renommierten World Press-Photo-Preis hat eine Aufnahme des japanischen Fotojournalisten Yasuyoshi Chiba gewonnen. Während eines Stromausfalls 2019 in Khartum, Sudan, porträtierte er für die Agentur AFP Demonstranten. Nur von den Bildschirmen ihrer Telefone erleuchtet, protestierten sie gegen die Diktatur. Die international tourenden World-Press-Photo-Ausstellungen mit prämierten Fotos aus Kategorien von Nachrichten bis Natur geben einen großartigen Überblick über den Stand der Pressefotografie. In diesem Jahr wird die nüchterne Berliner Schau, die am 4.7. begonnen hat, von einer zweiten interessanten Ausstellung begleitet. „Überleben im Müll“ thematisiert Kinderarbeit auf Abfallhalden (bis 30.8.). Beide Schauen finden in der Bundesparteizentrale der SPD statt, daher ist ein Personalausweis für den Eintritt erforderlich. CWA

Freundeskreis Willy-Brandt-Haus Stresemannstraße 28, Kreuzberg, derzeit nur Sa/So 10-20 Uhr, Eintritt frei, Online-Tickets erforderlich: www.fkwbh.de, bis 16.8.


Otobong Nkanga im Gropius-Bau

Otobong Nkanga 2017 bei der Verleihung des Belgischen Kunstpreises vor der Arbeit „In a Place Yet Unknown“ ( 2017 ). Foto: Yannik Sas / Otobong Nkanga

Gropiusbau, Niederkirchnerstraße 7, Kreuzberg, Sa-Mi 10-19, Do/ Fr 10-21 Uhr, Ticket fürs ganze Haus: 15/10 €, bis 16 J. frei, Online-Buchung erforderlich www.berlinerfestspiele.de/de/gropiusbau, 10.7.-13.12.


„Fragile Times“ in der Galerie im Körnerpark

Ausstellungsansicht „Fragile Times“, Galerie im Körnerpark, 2020. Foto: Finnland –Institut, Bernhard Ludewig

Wie lassen sich ökologische Fragen romantisch in Szene setzen lassen, ohne kitschig zu wirken? Das zeigt eine neue Gruppenausstellung in Neukölln, mit vielen Teilnehmenden aus Finnland und Norwegen. Ob Installationen aus geschnittenem Gras und Birkensirup oder ein Film mit Außerirdischen, die an verschneiten Gebirgsseen blutige Rituale ausüben: Das sind wirklich ungewohnte Bilder. Geradezu nüchtern dagegen wirkt die Installation Markus Hoffmann aus Deutschland. Er lässt Prunkwinden und junge Kokospalmen wachsen.  CWA

Galerie im Körnerpark Schierker Straße 8, Neukölln, Mo-So 10-20 Uhr, Eintritt frei, kein Ticket erforderlich, bis 18.10.


Christo and Jeanne-Claude im Palais Populaire

Jeanne-Claude und Christo während der Installation des verhüllten Reichstags, Berlin 1995, Foto: Wolfgang Volz / Christo und Jeanne-Claude

Die Berliner Ausstellung hat er mit seiner Partnerin Jeanne-Claude noch organisieren können, dann aber ist der Verhüllungskünstler Christo Ende Mai im Alter von 84 Jahren in New York gestorben. Nun ist seine übersichtliche Werkschau zu einer Gedenkausstellung geworden. Sie erinnert an realisierte und unverwirklichte Vorhaben des Duos: von früher Land Art über die Verhüllung des Berliner Reichstags 1995 bis zu ihren Stegen 2018 über den Lago d‘ Iseo in Italien. Mancherorts aber wehrten sich Anwohner gegen die Projekte. So blieb unter anderem die textile Überdachung eines Flusses in den USA reiner Plan. Dortige Fische und Vögel könnte es gefreut haben. CWA

Palais Populaire, Unter den Linden 5, Mitte, Mi-Mo 11-18, Do bis 21 Uhr, Eintritt frei, Online-Ticket empfohlen www.ticketspopulaire.de, bis 14.9.


„Blinde Winkel“ im Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz

CargoCult: „Sleeping Beauty Encyclopedia“, 2017-2020 (Fahne) Foto: CargoCult und Kunstverein

Im Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz geht es ganz frisch seit 7. Juli um ein ganz aktuelles Thema: um Rassismus und den Eindruck, unerwünscht zu sein. Acht Künstler*innen und Künstler*innen-Gruppen zeigen subtile Filme, Fotos, Zeichnungen, Gemälde und Installationen zum Thema. Die Schau ist klein, bietet aber genug Stoff, um länger zu bleiben. Dafür sorgt auch die Installation von Florian Göttke über das umstrittene Humboldt-Forum, dem künftigen Haus für die Ethnologischen Sammlungen aus Berlin in der Zuständigkeit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Wie der Zufall es will, hat Anfang Juli der Wissenschaftsrat die Spaltung dieser Stiftung empfohlen. Sie soll in kleinere Teile zerlegt und schneller werden. Wer Florian Göttkes Arbeit ansieht und die Zeitung des Künstlers dazu liest, muss dem Gutachten Recht geben. CWA

Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz, Linienstraße 40, Mitte, Mi, Do, Fr 14-18 Uhr, Eintritt frei, kein Ticket notwendig, bis 8.8.


„local talent“ in der Galerie Sprüth Magers

Ausstellungsansicht “Local Talent”, kuratiert von Thomas Demand, Sprüth Magers, Berlin, 4.7.-22.8. 2020. Foto: Timo Ohler, Courtesy Sprüth Magers, VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Die Pandemie hat viele Menschen gezwungen, zuhause zu bleiben. Reisen ist nur zu ganz bestimmten Zielen und unter Auflagen möglich. Der Künstler Thomas Demand hat Kollegen und Kolleginnen aus Berlin eingeladen, in der Galerie Sprüth Magers Arbeiten zu zeigen, die diese Situation aus hiesiger Perspektive zu thematisieren. Es machen unter anderem mit: Tacita Dean, Ólafur Elíasson, Gerwald Rockenschaub und Rosemarie Trockel. Das Ergebnis ist abstrakter ausgefallen, als Thema zunächst denken ließ. CWA

Galerie Sprüth Magers, Oranienburger Straße 18, Mitte, Di-Sa 11-18 Uhr, nur nach Buchung auf der Website www.spruethmagers.com, bis 22.8.


„Kraft ist das, was ich brauche“ aus dem Käthe-Kollwitz-Museum

Käthe Kollwitz. Foto:  © Fotostudio Bartsch, Berlin / Philipp Kester / K. Kollwitz Museum Köln / Erbengemeinschaft Kollwitz

Die Tagebucheinträge und die Briefe an ihre Söhne, die Käthe Kollwitz schrieb, zählen zu den berühmtesten Ausstellungsstücken in dem Museum, das der bekannten Berliner Grafikerin und Bildhauerin gewidmet ist. Nun hat das Team des kleinen Hauses Kollwitz‘ Selbstzeugnisse und Erinnerungen von Schauspieler*innen als Hörbuch einsprechen lassen. Voraussichtlich ab 11. Juli soll es online und vor Ort im Museum erhältlich sein. Hier gibt es Ausschnitte zu hören. CWA

Käthe-Kollwitz-Museum, Fasanenstraße 24, Charlottenburg, Mo-So 11-16 Uhr, 7/ erm. 4 Euro, bis 18 J., Studierende, Azubis + Berlinpass frei, nicht barrierefrei, bis auf Weiteres


„Festival“ in der Galerie Mehdi Chouakri

Anri Sala: „Of Valleys and Peaks“, 2017, (Detail), Foto: Andrea Rossetti/ Anri Sala/ VG Bild-Kunst, Bonn 2020. Collection Long Museum, Shanghai/ Courtesy Anri Sala und Esther Schipper Berlin

Neben einer langen Freundschaft verbinden auch ähnliche Ansichten über Kunst die Berliner Galeristin Esther Schipper und ihren Kollegen Mehdi Chouakri. Grund für die beiden, an Chouakris Standort in der Mommsenstraße Künstler*innen beider Galerien paarweise auftreten zu lassen. Alle 14 Tage wechselt das ausstellende Duo. Das Doppel von Isa Melsheimer und N. Dash endet am 9. Juli, am 11. Juli, 12 Uhr folgt der gemeinsame Aufschlag von Anri Sala und Saâdane Afif. Beide Künstler sind bekannt für ihr Interesse an Musik und Klang. CWA

Galerie Mehdi Chouakri,  Bleibtreustraße 41, Eingang über Mommsenstr. 4, Charlottenburg, Di-Sa 11-18 Uhr, bis 6.8.


„Kreise Ziehen – Teil 4“ auf Grünflächen in Marzahn

Abriss des Glencairn Tower, Motherwell, 20.11.2011. Foto: @nlcpeople, North Lanarkshire Council, Scotland, UK

Zu Besuch in der eigenen Stadt: Das Projekt „Kreise ziehen“ lädt erneut nach Marzahn-Hellersdorf. Eine Arbeitsgruppe des Kreuzberger Kunstvereins Neue Gesellschaft für bildende Kunst, die „Station Urbaner Kulturen“, wirkt seit Jahren an verschiedenen Orten der Plattenbausiedlungen. Sommers findet ihr Programm draußen statt. Dann treffen sich Anwohner*innen, Geflüchtete, Sportclubs und Kunstpublikum auf Grünflächen, um Kricket zu spielen oder Kunst zum Thema Großstadt anzusehen. In diesem Jahr geht es um Siedlungen in Litauen, Schottland und Ungarn. Am Samstag, den 11. Juli, 16 Uhr, startet die neue Runde mit den Künstlerinnen Marija Nemcenko und Anna Tüdös. CWA

NGBK mit Station Urbaner Kulturen auf der Grünfläche am U-Bhf-Cottbusser Platz, Maxie-Wander-Straße/ Ecke Carola-Neher-Straße, Hellersdorf, Führungen Do+Sa 15-18 Uhr, open air, Eintritt frei, kein Ticket nötig, 12.7.-13.9.


„Ausgefallen?“ beim Deutschen Künstlerbund

Roland Fuhrmann: „Politisches Plakat“, 2020 © Roland Fuhrmann/ VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Wegen der Pandemie sind viele Kulturveranstaltungen ausgefallen. Die Künstler*innen, die von Honoraren leben, trifft das hart. Die staatlichen Hilfsprogramme für sie reichen nicht oder sind oft an unerfüllbare Bedingungen geknüpft. Der Deutsche Künstlerbund zeigt deshalb seit 9. Juli Arbeiten zu der Frage, wie Kunst zur Politik und Politik zur Kunst steht. Pandemiegerecht sind die Beiträge in den Schaufenstern des Ausstellungsraums zu sehen. Die illustre Liste der Teilnehmenden reicht von Fritz Balthaus über Klaus Staeck, den Altmeister der Plakat-Kunst, bis Julia Wenz. CWA

Projektraum des Deutschen Künstlerbunds, Markgrafenstraße 67, Kreuzberg, Präsentation in den Schaufenstern, kein Eintritt, keine Anmeldung, bis 28.8.


Hannah-Höch-Preis 2020 im NBK

Natascha Sadr Haghighian: „passing one loop into another“ Ausstellungsansicht Neuer Berliner Kunstverein (Detail), 2020. Foto: Jens Ziehe

Den Hannah-Höch-Preis des Landes Berlin zu gewinnen, ist eine Ehre. Die diesjährigen Preisträgerinnen stellen im Neuen Berliner Kunstverein aus. Im Erdgeschoss zeigt Monika Baer leuchtende Gemälde von einem Eukalyptus-Baum und Collagen, die unter anderem die MeToo-Debatte thematisieren. Natascha Sadr-Haghighian, die den deutschen Pavillon auf der Venedig-Biennale 2019 ausrichtete, präsentiert ihre Recherchen zu der Tigermücke. Sie kann gefährliche Viren übertragen, etwa die des Dengue-Fiebers. Aus Asien ist sie auf Containerschiffen nach Europa gelangt. Die zunehmend warmen Winter haben ihr Bleiben ermöglicht. Doch die Tigermücke lässt sich in Schach halten: mit der Zwergfledermaus. Fledermäuse können Viren also nicht nur übertragen, sondern auch bekämpfen. Am 16. Juli, 19 Uhr, spricht Natascha Sadr Haghighian über ihre Arbeit. Und unbedingt die Schallplatte anhören! CWA

Neuer Berliner Kunstverein (NBK), Chausseestraße 128/129, Mitte, Monika Baer: Di-So 12-18, Do bis 20 Uhr, bis  2.8.; Natascha Sadr Haghighian (1. Stock) Di-Fr 12-18, Do bis 20 Uhr, bis 31.7., Eintritt frei, Anmeldung nur für das Künstlerinnengespräch nötig: www.nbk.org


„Parasiten – Live Undercover“ im Naturkundemuseum

Ausstellungsansicht „Parasiten“ im Naturkundemuseum Berlin, Foto: Museum für Naturkunde / Marc Jerusel

Apropos Viren. Das Museum für Naturkunde widmet seine neue Sonderschau Parasiten. Thema sind nicht nur Klassiker wie Bandwürmer, Bettwanzen und Zecken, sondern auch die aktuelle Frage, ob menschliches Handeln die Ausbreitung von Seuchen fördert. Auf einem Bildschirm ist daher auch der Virologe Christian Drosten zu sehen und zu hören. Wer das Museum nicht besuchen kann, hat die Möglichkeit, einzelnen Fragen der Ausstellung auf den Internetseiten des Museums nachzugehen. CWA

Museum für Naturkunde, Invalidenstraße 43, Mitte, Di-Fr 9.30-18, Sa/So 10-18 Uhr, Eintritt 8/ erm. 5 €, Zeitfenster-Tickets auf www.museumfuerrnaturkunde.berlin; bis auf Weiteres


25. „Rohkunstbau“ auf Schloss Lieberose im Spreewald

Kunst und Ausstellungen in Berlin und Umland, beispielsweise „Rohkunstbau“ auf Schloss Lieberose, Foto: Jan Brockhaus

Im 25. Jahr ist die „Rohkunstbau“ alive und kicking. Das freut uns sehr. Denn es ist die Ausstellungssituation in einem teilsanierten Schloss, die diese Serie so einzigartig macht. Um Künstler*innen wie Ayşe Erkmen, Karin Sander, Julian Rosefeldt und Alicja Kwade zu sehen, sind wir schon durch halb Europa gereist. Da ist die Fahrt bis in den Spreewald nicht zu weit. Eine spannende Künstler*innenliste mit vielen, die sich in den vergangenen Jahren von Berlin aus einen Namen gemacht haben, hat Kuratorin Heike Fuhlbrügge zusammengestellt. „Zärtlichkeit. Vom Zusammenleben“ ist ihr ebenso poetisches wie zeitgemäßes Thema. SD

Schloss Lieberose Schlosshof 3, 15868 Lieberose/Spreewald, Sa+So 12–18 Uhr, Eintritt 10/ 7 €, bis 12 Jahre frei, bis 20.9.


Neuer Skulpturengarten auf Schlossgut Schwante

Kunst und Ausstellungen auch außerhalb von Berlin: Im Garten von Schlossgut Schwante hängt jetzt Björn Dahlems Arbeit  "M-Sphären
Kunst und Ausstellungen auch außerhalb von Berlin: Im Garten von Schlossgut Schwante hängt jetzt Björn Dahlems Arbeit „M-Sphären“, Foto: Hanno Plate

Schloss Schwante? Genau, das hatten die Macher des Monbijoutheaters aus dem Dornröschenschlaf geholt und eine Zeit lang mit Theater und Gastronomie bespielt. Bis sich die Truppe zerstritt… Schnee von gestern. 2019 hat das Kunstsammlerpaar Loretta Würtenberger und Daniel Tümpel das Schlossgut gekauft. Für sich, aber irgendwie auch für alle, denn sie haben 23 Skulpturen in den Park gestellt, von Hans Arp ebenso wie Carsten Nicolai. Auch die Neonarbeiten von Björn Dahlem und Martin Creed arbeiten mit der Landschaft. Gut zu wissen: Gastronomie gibt es auch wieder. SD

Schlossgut Schwante Schlossplatz 1-3, 16727 Oberkrämer, geöffnet Fr–So 11–18 Uhr, 25 km von Berlin, Bahnhof Schwante (RB55 stündlich), 10 Min. Fußweg, 10 Euro, bis 30.10.


Potdamer Konferenz 1945: Ausstellung im Schloss Cecilienhof

V. l. n. r: Der britische Premierminister Winston Churchill, US-Präsident Harry S. Truman und der sowjetische Führer Josef Stalin im Garten des Schlosses Cecilienhof vor dem Treffen zur Potsdamer Konferenz in Potsdam, Foto: Fotograf unbekannt / Quelle U.S. National Archives and Records Administration / Wikimedia Commons / gemeinfrei

Geschichte wird gemacht: Wo kann man das besser verstehen als am historischen Ort? Und in Potsdam liegt so ein geschichtsträchtiger Ort, an dem nicht weniger als Europa, ach was, die ganze Welt neu geordnet wurde. Winston Churchill, Harry S. Truman und Josef Stalin besprachen im idyllischen Schloss Cecilienhof, wie es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa weitergehen soll – als im Pazifik noch gekämpft wurde. Die Macher der Sonderausstellung gehen besonders auf das Themen Vertreibung ein und haben mit Joy Milward eine großartige Zeitzeugin gefunden. Sie hatte Churchill als Sekretärin begleitet und damals Tagebuch geführt. SD

Schloss Cecilienhof Im Neuen Garten 11, 14469 Potsdam, Di–So 10.17.30 Uhr, 14/ 10 €, Zeitfenstertickets unter spsg.de, bis 31.12.


Brandenburgischer Kunstpreis

Brandenburgischer Kunstpreis: Die jährliche Überblicksschau auf Schloss Neuhardenberg, Foto: Winfried Mausolf

Kurz vor der Oder, hinter der Märkischen Schweiz, liegt Neuhardenberg. Mit Schloss, Park, Hotel, Restaurant und einer Ausstellungshalle, in der Brandenburg jährlich Künstler*innen mit seinem Kunstpreis ehrt. Die Gewinnenden 2020 sind Johannes Heisig, Marguerite Blume-Cárdenas, Carola Kirsch und Ingar Krauss. Den Preis für ein Lebenswerk erhält Christiane Wartenberg. CWA


Herausragend: „Katharina Grosse. It Wasn’t Us“ im Hamburger Bahnhof

Kunst und Ausstellungen in Berlin: Ausstellungsansicht "Katharina Grosse. It Wasn't Us" im Hamburger Bahnhof.
Kunst und Ausstellungen in Berlin: Am Sonntag, 14. Juni, startet die Soloschau von Katharina Grosse im Hamburger Bahnhof. © Katharina Grosse / VG Bild-Kunst, Bonn 2020 / Foto: Jens Ziehe

Die in Berlin lebende Katharina Grosse ist eine der gefragtesten Künstler*innen weltweit – und dennoch eröffnet am Sonntag mit „It Wasn’t Us“ im Hamburger Bahnhof ihre erste große Einzelausstellung in einer Berliner Institution. Und was für Schau! Selten souverän bespielt Grosse die Große Halle. Im hintersten Teil des Raumes erhebt sich ihr installatives Gemälde wie ein Gebirge, wie ein Eisberg oder wie ein futuristisches Gefährt – scheinbar klein von ferne, riesig aus der Nähe. Und sie hat nicht nur das Innere des Hamburger Bahnhofs mit ihren kraftvollen Farben besprüht, sondern die dynamischen Farbschleifen setzen sich ins Außengelände fort. Ein starkes Statement, ein Aufbruch mit ungeheurer Energie. Herausragend. SD

Hamburger Bahnhof Invalidenstraße 50-51, Tiergarten, Di–Fr 10–18 Uhr, Sa+So 11–18 Uhr, 10/ erm. 5 €, nur mit Zeitfensterticket, buchbar unter www.smb.museum/tickets,  bis 10.1.  


Time Present: Internationale Fotografie im Palais Populaire

Kunst und Ausstellunge in Berlin: Die Aufnahme "Yura #333" des japanischen Fotogkünstlers Tokihiro Sato
Von klassischer Schönheit ist die Aufnahme „Yura #333“ des japanischen Fotokünstlers Tokihiro Sato, Foto: Tokihiro Sato

Es ist immer wieder eine Freude zu sehen, wie international die Sammlung der Deutschen Bank ist. Das gilt auch für die Abteilung Fotografie.  In der diese Woche eröffneten Ausstellung „Time Present“ sind natürlich die Klassiker aus dem Rheinland dabei, Bernd und Hilla Becher, Andreas Gursky, Candida Höfer. Und daneben hängt dann eine Arbeit von Gauri Gill und Rajesh Vangad aus Indien, die die Schwarzweißfotografie einer dörflichen Sezene mit feinsten Strichfiguren bemalt haben. Oder Samuel Fosso aus Kamerun, der sich selber in unterschiedlichen Rollen inszeniert und fotografiert, als Chief oder Business Man. Wunderschön: die Felsenformation im Ozean, auf dem mysteriöse Lichter funkeln, von Tokihiro Sato. Mathilde ter Heijne ist mit ihren „Women to go“ dabei. Ein sehenswerter Überblick. Und die Christo-Ausstellung läuft auch noch weiter im Palais Populaire. SD

Palais Populaire  Unter den Linden 5, Mi–Mo 11–18, Do bis 21 Uhr, Eintritt frei, bitte unter www.ticketspopulaire.de Ticket buchen, bis 8.2.


Herman de Vries, Pionier der Environmental Art

Passt toll: Arbeiten von Herman de Vries in Kolbes Atelierhaus, das durch die großen Fenster den es umgebenden Garten in den Raum hereinholt. Foto: Enric Duch/Georg Kolbe Museum

Die Kunst ist avantgardistisch. Aber dennoch dauert es oft, bis ihre Pioniere die ihnen gebührende Anerkennung finden. So ein Beispiel ist Herman de Vries. Seit er 2015 den niederländischen Pavillon auf der Biennale in Venedig bespielte, zählt er zu den einflussreichsten Protagonisten der Environmental Art. Dabei ist er Jahrgang 1931. Schon seit den 1970er-Jahren lebt de Vries zurückgezogen im fränkischen Steigerwald, sammelt dort Erden und Pflanzen, archiviert und katalogisiert sie, und überführt seine naturwissenschaftlichen Studien in Kunstwerke. Großartig und sehr aktuell.    SD

Georg Kolbe Museum Sensburger Allee 25, Westend, tgl. 10–18 Uhr, Eintritt 7/5 €, bis 23.8.


Jasmina Metwaly & Yazan Khalili stellen in den Kunst-Werken aus

Kunst, Ausstellungen, Berlin: Yazan Khalili, Medusa, 2020, Installationsansicht der Ausstellung Mophradat’s Consortium Commissions
Yazan Khalili, Medusa, 2020, Installationsansicht der Ausstellung Mophradat’s Consortium Commissions. Foto: Frank Sperling / KW Institute for Contemporary Art, Berlin 2020

Ende Mai konnten auch die Kunst-Werke ihre Tür wieder aufschließen: mit einer Doppelausstellung von Jasmina Metwaly & Yazan Khalili sowie von Hassan Sharif. Metwaly & Khalili sind dem Publikum vor allem durch gemeinsame Arbeiten bekannt, etwa ihrem Beitrag von 2015 über Arbeitertheater in Ägypten für den deutschen Pavillon der Venedig-Biennale. Jetzt aber präsentieren sie Solo-Arbeiten: Metwaly setzt sich mit Uniformen auseinander, Khalili mit dem emanzipativen Potenzial digitaler Techniken (Abb.). Hassan Sharif (1951–2016) wird als Pionier von Konzeptkunst und Fluxus im Nahen und Mittleren Osten vorgestellt, der eine ganze Generation junger Künstler aus der Region beeinflusst hat. CLW

Kunst-Werke (KW) Auguststraße 69, Mitte, Do 12–21, Mi–Mo 12–19 Uhr, 8/ erm. 6 €, Berlin-Pass 4 €, bis 18 J. frei, bis 19.7.


„Monet. Orte“ im Museum Barberini

Kunst, Ausstellungen, Berlin: Claude Monets „Steilküste von Aval“, ist eines von über 130 seiner Gemälde in der Ausstellung "Monet. Orte"
Claude Monets „Steilküste von Aval“, ist eines von über 130 seiner Gemälde in der Ausstellung „Monet. Orte“. Foto: Privatsammlung

Mit verlängerten Lauf- und Öffnungszeiten kommt das Museum Barberini den Hygieneregeln und dem Andrang entgegen: Die Landschaften von Claude Monet sind ein Publikumsmagnet. Immer wieder malte der Franzose denselben Ort, um dem variierenden Licht gerecht zu werden. Im Zentrum der Schau: Seine Ansichten von Gärten und Küsten. Ein ganzer Raum ist den berühmten Seerosen gewidmet – zum Schwelgen. Aber auch Monets Strategien, das bei jungen wohlhabenden Franzosen neu entstehenden Kunstinteresse mit den passenden Gemälden zu bedienen, und die wichtige Rolle des Ausbaus des Eisenbahnnetzes für seine Motivwahl sind hier Themen. Wie großartig die Monet-Ausstellung ist, könnt ihr ausführlich hier nachlesen. CLW

Museum Barberini Alter Markt, 14467 Potsdam, Mo, Mi, So 10–19 , Do-Sa 10–21 Uhr, 14/ erm. 10 €, wochenends 18/12 €, bis 18 J. frei, nur Zeitfenstertickets: www.museum-barberini.com, bis 19.7.


Die Berlinische Galerie zeigt Umbos Fotografien

Kunst, Ausstellungen, Berlin: Umbos „Karin Friedrich an Gedächtniskirche“ aus der Reportage "Berlin 1950"
Umbo: „Karin Friedrich an Gedächtniskirche“ aus der Reportage „Berlin 1950“, Sprengel Museum Hannover. Foto: Phyllis Umbehr/Galerie Kicken Berlin/VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Diese namenlose Frau auf der Straße hat Umbo (Otto Umbehr, 1902–1980) Anfang der 1950er-Jahre aufgenommen, als die Einflüsse des Bauhaus‘ wieder geraderen Bildachsen wichen. Die Berlinische Galerie widmet dem Fotografen eine Retrospektive mit rund 200 Aufnahmen und feiert damit (gemeinsam mit dem Sprengel Museum und dem Bauhaus Dessau) den Erwerb seines kostenbaren Nachlasses – ein Großteil von Umbos Archiv wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. CLW
Lest hier, was wir zur Eröffnung der Umbo-Ausstellung geschrieben haben.

Berlinische Galerie Alte Jakobstraße 122–124, Kreuzberg, Mi–Mo 10–18 Uhr, 8/ erm. 5 €, 1. Mo/ Monat 4 €, Tickets: www.berlinischegalerie.de, bis 20.7.


Lee Mingweis Kunst ist interaktiv

Kunst, Ausstellungen, Berlin: Lee Mingwei, Guernica in Sand, 2006–heute Interaktive Mixed–Media–Installation. F
Lee Mingwei, Guernica in Sand, 2006–heute Interaktive Mixed–Media–Installation. Foto:
Installationsansicht Lee Mingwei and His Relations, Taipei Fine Arts Museum, 2015 / Courtesy / Taipei Fine Arts Museum

Das Team, das im Gropius Bau Berlin die Ausstellungen und Kunst verantwortet, hat Lee Mingweis interaktive Installationen an die Hygienevorschriften angepasst. Mingwei, der in Paris und New York lebt, thematisiert in Performances, Installationen und Projekten u.a. die Spannung, die Begegnungen von Fremden auslösen können. In seinen konzeptuellen Arbeiten konzentriert er sich auf Schenken, Gastfreundschaft, den Wert immaterieller Gaben und freiwillige Beteiligung. Dem 1964 geborenen Künstler geht es um das Soziale und die Frage, inwieweit Kunst, die Menschen zusammenbringt, Transformationen auslösen kann. LOS
Mehr zur Ausstellung „Lee Mingwei. Li, Geschenke und Rituale“

Gropius Bau Niederkirchnerstraße 7, Kreuzberg, Sa–Mi 10–19, So+Fr 10–21 Uhr, 15/ erm. 10 €, bis 16 Jahre frei, Tickets vorab reservieren, bis  12.7.


Mehr Berlin-Tipps:

Berlin war einst auch eine Stadt der großen Brauereien: Ihre eindrucksvollen Gebäude künden davon. Ausruhen kann man sich dann bei einem Smoothie, der nicht nur erfrischt, sondern auch gesund ist. Wir hätten da einige Ideen. Oder gleich in ein Café einkehren. Natürlich mit einem Tisch draußen.

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