Musik & Party in Berlin

Austra im Berghain

Es ist vielleicht übertrieben, gleich von einem Trend zu sprechen. Aber auffällig ist schon, dass im Augenblick ein bestimmter Frauentyp in den Vordergrund drängt, dem man keine typische Rock’n’Roll-Sozialisation anmerkt. Ihm ist neben Zola Jesus oder Glasser auch Katie Stelmanis von der Band Austra zuzurechnen.

Die Kanadierin kam schon als Kind mit klassischer Musik in Kontakt, war Mitglied eines Opernchors und kann Piano und Bratsche spielen. Das lässt sich durchaus noch heraushören. Trotzdem hat das, was Stelmanis heute macht, nicht mehr viel mit Klassik zu tun. In ihren rebellischen Teenagerjahren hatte sie genug von konservativer Musikausbildung. Sie verliebte sich in Punk, Industrial-Rock und elektronische Sounds und verspürte rasch den Drang, eine davon beeinflusste Band zu gründen. Die erste hieß Galaxy, die aktuelle nennt sich Austra. Und mit der könnte es für Stelmanis nun richtig losgehen. Ihre sich akrobatisch über allem spreizende Stimme und die sie umgebende Kältekammer-Elektronik bilden ein spannendes Gegensatzpaar und schaffen eine Atmosphäre wie im Gruftgewölbe einer Barockkirche.

Austra

Platz für lichte Spaliere des Pop bleibt auf dem ersten Album „Feel It Break“ dennoch. Wenn es ihr zu düster wird, stellt sich Stelmanis einfach vor, wie zauberhaft es doch gewesen wäre, wenn sich Siouxsie Sioux mit den frühen De­peche Mode eingelassen hätte. Die Frau hat Fantasie, keine Frage.

Text: Thomas Weiland

Mehr über Cookies erfahren