Jubiläum

Die Autorenbuchhandlung wird 40 Jahre alt – Eine Gratulation

Ein Ort für Geistesblüten: Die Autorenbuchhandlung am Savignyplatz hat eine eigen-, geradezu widerständige Geschichte. In diesem Jahr wird sie 40 Jahre alt.

autorenbuchhandlung Colm Toibin + Volker Schlöndorff/ Foto: Andreas Burkhardt

autorenbuchhandlung Colm Toibin + Volker Schlöndorff/ Foto: Andreas Burkhardt

Hin und wieder rauscht eine S-Bahn über die Bücher und mitten durch die Lesung. Dann folgt ein Poltern, nicht laut, nicht störend, aber doch so, dass es die Aufmerksamkeit der Zuhörenden umlenkt. An diesem Tag ist Colm Tóibín zu Gast in der Autorenbuchhandlung. Neben ihm sitzt der Literaturverfilmer Deutschlands, Volker Schlöndorff, und neben diesen, auf einem Barhocker, Moderator Christian Dunker. Von „Nora Webster“, dem neuen Buch des Iren Tóibíns, ist die Rede. Und dann von etwas, das an sich spannender ist: von einem Filmprojekt, das Tóibín und Schlöndorff in New York und auf Long Island realisiert haben und das ab März 2017 in den Kinos anläuft. Spannend, weil es zum einen auf Tóibíns Roman „Brooklyn“ fußt, gleichzeitig aber Max Frisch persönlichstes Buch berührt, „Montauk“.
Die Autorenbuchhandlung liegt unter den S-Bahnbögen am Savignyplatz. Sie ist eine Institution im literarischen Berlin und feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen. Gegründet wurde sie ein paar Häuser weiter, auf der anderen Seite des Savignyplatzes, in der Carmerstraße 10. Günter Grass hielt damals, 1976, die Eröffnungsrede in dem kleinen, langgezogenen Laden, bei dem unter anderem Helma von Kieseritzky, die Frau des „Desaster“-Autors Ingomar von Kieseritzky, hinter der Ladetheke stand.

Die eigen-, ja: widerständige Geschichte der Autorenbuchhandlung, genauer: Autorenbuchhandlungen, denn es gibt sie auch in Frankfurt und München, wurde oft erzählt. Schon damals, in den 70ern, zeichnete sich ab, was heute Realität, womöglich bittere, ist: das Zeitalter der Ketten und der Gleichförmigkeit. Der Bestseller- und Mainstream­orientierung der Großbuchhandlungen sollte der echte, oft auch im Kleinen wohnende Geist der Literatur entgegengesetzt werden.
Schriftsteller wie Heinrich Böll, Ernst Jandl, Martin Walser, Elfriede Jelinek und etliche andere beteiligten sich an dem genossenschaftlich orientierten Gesellschafterprojekt. Sogar Loriot. Auch der Verleger Klaus Wagenbach, der noch heute unweit des Savignyplatzes zu Hause ist, gehörte zu den Gründungsmitgliedern. Und die Autoren überließen das Unternehmen nicht sich selbst, sie waren da, hauchten der Literatur im Laden sprichwörtlich Leben ein – und jede Menge Tabakgeruch, denn damals wurde noch heftig gequarzt zwischen den Regalen.
2008 erfolgte die Wachablösung. Die „Alten“ gingen in den Ruhestand. Es kam: die Folge-Generation. Die Wahl fiel auf Joachim Fürst (Jahrgang 1969) und Marc Iven (Jahrgang 1974). Die hatten vorher schon Bücher verkauft, in der Akademie der Künste, waren also eingeführt, ambitioniert, geeignet, um den Geist der Autorenbuchhandlung in eine neue Zeit zu führen. Ergänzt durch einen Dritten, der die Literatur liebt und lenkt: Christian Dunker (Jahrgang 1972). Und die neue Zeit brachte 2011 einen neuen Standort: den Umzug in den Else-Ury-Bogen, der ladengesäumten Fußgängerzone zwischen Bleibtreustraße und Savignyplatz.

Fein herausgeputzt und lichtdurchflutet liegt die Autorenbuchhandlung heute da – mit Café, Papeterie und den „Geistesblüten“, dem hauseigenen Magazin mit Interviews und Rezensionen. „Ein Ort für Zufälle“, diesen Bachmann-Titel haben sich die Betreiber auf die Fahnen geschrieben. Und dieser Leitgedanke begleitet auch die Lesung von Tóibín und Schlöndorff, bei dem man übrigens en passant erfährt, das Schlöndorff ihn noch hat, den Jaguar Max Frischs, den ihm der Schweizer nach der Verfilmung des „Homo Faber“ (1991) schenkte.
Zum 40. Geburtstag nun hat man sich in der Autorenbuchhandlung keine Festakt-Sause gegönnt. Auch, wie Christian Dunker bekennt, um der heiklen  Frage auszuweichen, wen man einlädt und wen nicht: „Da ist das Veilchen vorprogrammiert. Mit offenen Augen liest es sich aber bekanntlich besser.“
Leicht verwundert war man am Savignyplatz allerdings, auch bei der zweiten Auflage des Deutschen Buchhandlungspreises leer ausgegangen zu sein. In der Branche habe es um einige Preisträger auch „Gerede“ gegeben, sagt Dunker. „Aber Kollegenschelte ist nicht unser Ding, wir schauen nach vorn. Mit 40 ist man erwachsen und sagt sich: Nicht ärgern, nur wundern.“

Autorenbuchhandlung Else-Ury-Bogen 600-601, Charlottenburg

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