Neue Dramatik

Autorentheatertage 2017

Der Stern hat was gesagt: Bei den Autorentheatertagen kommen in Gastspielen Stücke der Saison auf die DT-Bretter – vom Nobody bis zur Nobelpreisträgerin

Nadia

Solange die Krisen nicht enden geht den neuen und alten Dramatikern die Arbeit nicht aus. Der neue Jahrgang der Autorentheatertage am Deutschen Theater bündelt in einem Dutzend Gastspielen, was im Lauf der Saison an neuen und nicht mehr ganz so neuen Stücken auf die Bühnen kam.

Vielstimmig fällt „Ein Europäisches Abendmahl“ aus, ein Gastspiel des Wiener Burgtheaters mit Texten von Jenny Erpenneck, der georgischen Dramatikerin Nino Haratischwili, der immer wut-bereiten Elfriede Jelinek, Terézia Mora und Sofi Oksanen: Fünf Blicke auf Europa von fünf Dramatikerinnen, aber damit das keinen Zuschauer erschreckt, verspricht die DT-Dramaturgie, es handle sich um „kein pseudofeministisches Mani­fest“, schade eigentlich.

Das Nationaltheater Weimar kombiniert Judith Schalanskys bösen Roman „Der Hals der ­Giraffe“ um eine durchdrehende Biologie-Lehrerin mit gefestigter DDR-Weltsicht und nicht so nettem Menschenbild mit Jörn Klares Porträt eines alten, aus der Zeit gefallenen Mannes – sozusagen Wendeverlierer-Verlustrechnungen als schöne Kunst.

Schon etwas älter, aber jederzeit sehenswert ist Dirk Lauckes Stück „Furcht und Ekel. Das Privatleben glücklicher Leute“, eher nicht so gut gelaunte „Szenen aus Deutschland“, die Pinar Karabulut am Schauspiel Köln inszeniert hat. Mit gleich zwei Stücken, einmal „Die Hockenden“ aus dem Wiener Burgtheater, einmal „Diese Mauer fasst sich selbst zusammen und der Stern hat gesprochen, der Stern hat auch was gesagt“ aus dem Schauspielhaus Wien, ist die junge österreichische Autorin Miroslava Svolikova vertreten.

Armin Petras, der mit Regieführen, Stückeschreiben und Theaterleiten offenbar nicht ausgefüllt ist, hat Lutz Seilers empfehlenswerten DDR-Ende- und Hiddensee-Aussteiger-Roman „Kruso“ dramatisiert und am Schauspiel Leipzig inszeniert – wenn man wenig Zeit hat und sich nur eines der Gastspiele ansehen kann, wäre das unsere Empfehlung.

Deutsches Theater 14.–24.6., Eintritt 5–48 €, Details auf www.deutschestheater.de

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