Dokumentarfilm

„Back to the Fatherland“ im Kino

Der lange Schatten: Die Doku porträtiert Israelis, die nach Wien und Berlin gezogen sind, und konfrontiert sie mit ihren Großeltern, die einst den umgekehrten Weg gehen mussten

Fugu Filmverleih

„Auf keinen Fall wirst du das tun!“ ruft der Großvater seiner Enkelin mit einer Mischung aus Empörung und Verwunderung entgegen. Dabei hatte Gil Levanon ihrem Opa nur gesagt, dass sie von Israel nach Deutschland ziehen würde. Doch während für den Großvater, der vor der Verfolgung durch die Nazis fliehen musste, eine Rückkehr unvorstellbar ist, ist das Verhältnis seiner Enkelin zu Deutschland deutlich entspannter.

Um diesen Gegensatz geht es in „Back to the Fatherland“, einer Dokumentation zweier Enkelinnen: Gil Levanon aus Israel und Kat Rohrer aus Österreich, deren Großvater im Dritten Reich nicht einfach nur Mitläufer war, sondern hoher SS-Offizier. Auch für Rohrer, also der Enkelin eines Täters, ist der Umgang mit der Vergangenheit ein ständiges Thema, wenngleich weniger belastet als es offensichtlich immer noch für viele Israelis ist.

Vertreter der Enkel-Generation, die nach Wien und Berlin gezogen sind, porträtiert der Film und konfrontiert sie mit ihren Großeltern, die einst den umgekehrten Weg gegangen sind, gehen mussten. Während für sie eine Rückkehr in ihr Vaterland undenkbar geworden ist, sie in Israel eine neue Heimat gefunden haben, denken viele Enkel genau umgekehrt: Sie kehren Israel den Rücken, haben genug von der ständigen Präsenz des Nahost-Konflikts, aber offenbar auch von dem gefühlten Zwang, sich mit dem Holocaust beschäftigen zu müssen: „Der Druck, sich an den Holocaust zu erinnern, steht Israel im Weg“ heißt es da einmal, eine durchaus überraschende Aussage, die aber die Komplexität des Themas gut einfängt.

Back to the Fatherland A/ISR 2017, 75 Min., R: Kat Rohrer & Gil Levanon, Start: 8.11.

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