so war tip backstage präsentiert von mastercard priceless berlin im Dezember

Backstage bei der Berliner Breakdance-Crew Flying Steps

Wie ein paar tanzbegeisterte B-Boys aus dem Wedding die Bühnen dieser Welt eroberten, erzählte Vartan Bassil, Mitbegründer der Breakdance-Gruppe „Flying Steps“ bei tip Backstage präsentiert von Mastercard Priceless Berlin in der Flying Steps Academy.

Wenn es um das Thema „Kinder und Karriere“ geht, dann lautet der öffentliche Tenor meistens „entweder – oder“. Vartan Bassil aber, Chef der weltbekannten Breakdance-Crew Flying Steps, äußert sich in einem Ausschnitt des Films „Flying Revolution“, es ist ein Portrait der Tanzgruppe, sehr eindeutig – und völlig gegensätzlich: „Ohne meine Kinder wäre ich nicht da, wo ich heute bin.“ Es ist ein emotionaler Moment in dem erst jüngst eröffneten Medienraum der „Flying Steps Academy“, der Tanzschule, die gleichzeitig das Hauptquartier von Flying Steps Entertainment ist: Vartan Bassils von seinen Gefühlen sichtlich ergriffenes Gesicht in Großaufnahme. Daneben der schlaksige Anfang Vierzigjährige ganz real. Mit jetzt ähnlich bewegter Stimme und Miene wie auf der Leinwand.

Spätestens bei diesem Teil der tip-Backstage-Tour durch die Flying Steps Academy springt auch bei den letzten Teilnehmer*innen der Funke über: In dem Film waren Kriegsbilder aus dem Libanon zu sehen, aus einer Zeit Anfang der 1980er Jahre, als sich Bassils Eltern von dort nach Berlin retteten. Und nun befindet man sich in Deutschlands größter, von Vartan Bassil gegründeten Urban-Dance-Schule, einer aufwendig ausgestatteten Unterrichtsstätte mit etwa einem halben Dutzend Trainingssälen hinter vollverglasten Wänden. Größer könnten die Gegensätze kaum sein. Ein Flüchtling, der es auf eigene Faust geschafft hat! Der Berlin mit Kunst und Schönheit – und dem Glauben an sich selbst, den man, so sagt er, nie verlieren darf – bereichert.

Bilder

Wie gut die Tanzschule funktioniert, erfahren die großen und kleinen Teilnehmer*innen am tip-Backstage-Samstag quasi im Vorbeigehen: In den Trainingsräumen auf der Ebene des hauseigenen Cafés, dem Treffpunkt zur Führung, ist jede Menge los. In dem einen Raum trainieren hinter den Glaswänden Nachwuchstänzer*innen im Grundschulalter. In einem anderen werden von Twens und Teenagern halsbrecherische Szenen eines kommenden Tanzfilms geprobt – es ist die Endrunde eines Castings, das in der Steps Academy abgehalten wird.

Rund 1.000 Schüler*innen, das erzählt Bassil, besuchen die Flying Steps Academy derzeit regelmäßig. Angelockt werden sie nicht zuletzt von den Erfolgen und Titeln, die die Breakdance-Crew mit Wurzeln im Wedding international abräumten. Vartan Bassil geleitet die Besucher in den Besprechungsraum der Academy und zeigt auf Urkunden, Pokale und weitere Trophäen. Vier Mal gewann die Truppe den Battle of The Year, die Breakdance-Weltmeisterschaft. Im Jahr 2000 stellte „Steps“-Mitglied Benny Kimoto den Guiness Weltrekord im Headspin auf – mit über 60 Umdrehungen beim Kopfkreiseln. Und mit ihren selbst entwickelten Shows „Flying Bach“ und „Flying Illusion“ tourten und touren die Steps in allen Winkeln der Welt. Für „Flying Bach“, ein zu seiner Premiere vollkommen neuartiges Crossover zwischen Breakdance und Klassik, wurden die „Steps“ außerdem mit dem „Echo“ ausgezeichnet.

Wie anspruchsvoll hinsichtlich Koordination, Kraft und Dynamik die Stile des Urban Dance sind, erahnen die tip-Backstage-Gäste, als sie schließlich zum Mini-Workshop geladen werden. Ausgerechnet bei B-Boy Gabriel, einen Tänzer, der für seine Powermoves, darunter die berüchtigten Headspins bekannt ist – und der gerade eben noch bei seinem an Artistik gemahnenden Training zu bestaunen war – soll ihnen nun ein paar Bewegungsabfolgen zeigen. Doch Gabriel ist natürlich Profi genug, um eine kleine Choreografie anzubieten, die zwar genug Herausforderungen anbietet, ohne die kleinen und großen Teilnehmer*innen jedoch komplett zu überfordern.

Ob Breakdance eigentlich gefährlich oder verletzungsanfällig sei, wollen denn auch beim abschließenden Umtrunk mit Imbiss viele Gäste von Vartan Bassil wissen. Der erzählt frei von so manchem blauen Fleck und der einen oder anderen Zerrung. Außerdem von dem immensen Leistungssprung nach oben, den es zwischen seinen eigenen tänzerischen Anfangstagen auf Pappdeckeln am Ku’damm und dem Geschehen bei aktuellen internationalen Battles – und bei den Shows der „Steps“ – gibt. Mit dem Fazit, seine Zuhörer*innen ausgesprochen neugierig gemacht zu haben: Auf die am 13. Dezember bei Pro7 beginnende Tanz-Casting-Show „Masters of Dance“, bei der Bassil einer von vier Juror*innen ist. Und auf die im April 2019 im Hamburger Bahnhof stattfindende Live-Show-Produktion „Bilder einer Ausstellung“, die nach einer Inspiration des russischen Komponisten Modest Petrowitsch Mussorgski (1839–1881) Kunst, Musik und eben auch eine Tanz-Performance der Flying Steps miteinander verbinden wird.

TEXT: Eva Apraku
FOTOS: Lena Ganssmann

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