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Siethener See: Märkisches Idyll

SiethenerseeEs ist Samstag Nachmittag, die Sonne knallt, der Himmel ist strahlend blau. Primetime, um schwimmen zu gehen. Wo sind die Menschenmassen? Am Siethener See jedenfalls nicht. Ein gutes Dutzend Leute verteilt sich homogen entlang des relativ dicht bewachsenen Ufers. Es gibt ein paar Stege, zwei, drei Sandbadestellen, ein paar Möglichkeiten, im Gras zu liegen, Sonne und Schatten satt. Zur einen Seite duftende Kornfelder, zur anderen Laubbäume, geradeaus das Wasser, nicht glasklar, aber sauber, in der Ferne flimmert die Luft über der sonnenverbrannten Vegetation. Wurstbude oder Eisverkauf sucht man vergebens, beides passt nicht in diese grüne Oase.

Der Siethener See liegt im Naturschutzgebiet Nuthe-Nieplitz, in der Nähe der beiden Dörfer Gröben und Siethen – ein hübsches Fleckchen Erde, das schon Theodor Fontane ganz richtig als „märkisches Idyll“ identifizierte. Tatsächlich sollte man nach der ausgiebigen Schwimmrunde im See ruhig noch einen Abstecher nach Gröben wagen. In dem kleinen Bilderbuchdorf gibt es ganze drei Ausflugslokale mit Außenbestuhlung. Der Gasthof Naase ist mein Favorit. Nicht nur die Preise erinnern an Zeiten der DDR, auch das Interieur ist einmalig; Kenner behaupten, es würde drinnen sogar noch nach Osten riechen. Hinter dem Gastraum mit einem altehrwürdigen Tresen befindet sich ein großer Festsaal, an dessen Kopfende auf der Bühne eine kuriose Ansammlung ausgestopfter Tiere aufgebaut ist. Dazu ein lebensgroßer Schneemann. Alles in allem etwas beklemmend. Schöner isst es sich draußen. Die Suppen sind gut gewürzt und werden in großen Portionen serviert. Gegenüber im Hof­­gut Gröben klappern die Pferde mit ihren Hufeisen übers Pflaster, die Vögel zwitschern – man lässt den Tag Revue passieren und unweigerlich schleicht sich das Wörtchen „Paradies“ in den Kopf. „Augenblick, verweile doch – du bist so schön“, mag man denken. Ein Besuch von Goethe in Gröben und am Siethener See ist allerdings nicht überliefert.    

Text/Foto: Jana Marie Schwarz

Anfahrt: Mit dem Zug?/?Fahrrad: RE bis Potsdam-Medienstadt Babelsberg, von dort weiter mit dem Fahrrad. Zunächst über die L79 bis Nudow (Radweg), ab Nudow geht es auf einer autoarmen Straße über Fahlhorst bis nach Gröben. An Gröben vorbeifahren, Zufahrt zum See mit dem Rad nach etwa 600 Metern links (Am Siethener See)
Mit dem Auto: über die Jütchendorfer Chaussee

 

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