Schwimmen

Badeseen in Berlin: Darum kommen die Algen in einigen Gewässern früher als sonst

Zu Ferienbeginn meldete das Landesamt für Gesundheit beste Badequalität für die Berliner Seen. Doch in manchen Gewässern zeigen sich früher als sonst Algen.

Komplett veralgt? Ganz so tragisch ist es in den Berliner Badeseen mit Algen noch nicht – aber einige Faktoren befähigen den Wachstum. Foto: Imago Images/Countrypixel
Komplett veralgt? Ganz so tragisch ist es in den Berliner Badeseen mit Algen noch nicht – aber einige Faktoren befähigen den Wachstum. Foto: Imago Images/Countrypixel

Schlachtensee, Krumme Lanke und Havel: Bereits in der dritten Juniwoche wurden auf den beliebten Badeseen die ersten Algen gesehen – früher als sonst im Jahr.  Dabei war es noch gar nicht so heiß, wie in den vergangenen zwei Jahren um diese Zeit. Und dabei hat das Landesamt für Gesundheit (LaGeSo) zu Ferienbeginn am 24. Juni gemeldet, die Wasserqualität in Berliner Badeseen sei hervorragend. Woran liegt es also?

Zwar hat das LaGeSo pandemiebedingt in diesem Jahr die Badestellen nicht so schnell testen können wie sonst. Doch inzwischen hat es aufgeholt. Und festgestellt, dass es durchaus recht zügig geht mit der Verbreitung.

Algen in Berliner Badeseen: Nicht alle sind gefährlich

Algen sind nicht gleich Algen. Einige tun gar nichts (außer sich maximal etwas ekelig anfühlen beim Schwimmen). Es gibt aber eben auch die für die Gesundheit bedenklichen Grün- und Blaualgen. Blaualgen können Hautreizungen und allergische Reaktionen auslösen und Übelkeit auslösen. Streng genommen sind Blaualgen aber gar keine Blaualgen, sondern Cyanobakterien, also Bakterien, die Photosynthese betreiben. Daher sieht das Wasser grünlich aus.

Und dann gibt es die Faden- und Kieselalgen. Sie machen sich gern früher breit. Und können auch im Gemisch auftreten, Phytoplankton zum Beispiel, bestehend aus Kiesel-, Grün- und anderen Algen sowie Dinoflagellaten (kleine Geißeltierchen).

Berliner Badeseen und Algen: Für die frühen Sichtungen gibt es Erklärungen. Foto: Imago Images/Schöning
Berliner Badeseen und Algen: Für die frühen Sichtungen gibt es Erklärungen. Foto: Imago Images/Schöning

Warum also trotz der niedrigeren Temperaturen so viele Algen: Mitte Juni hat das Brandenburger Umweltministerium Wasserknappheit für das Land gemeldet. Nach dem trockenen Frühjahr herrscht Niedrigwasser. Könnte also in den Gewässern vielleicht eine höhere Konzentration von Nitraten und Phosphor herrschen, die Bäche und Flüsse von Äckern und Feldern mitbringen? Überdüngung (Expertensprech: Eutrophierung) lässt Algen gut wachsen. Man kennt das von der Ostsee, zum Beispiel vom flachen Stettiner Haff, in das die Oder gedüngtes Wasser spült.

In einigen Seen Wasser so klar wie lange nicht

Bei der Senatsverwaltung für Umwelt und beim Brandenburger Umweltministerium gibt es Erklärungen zur gegenwärtigen Situation. In Berlin kennt man 2020 noch keine größeren Algenblüten, im Gegenteil: In einigen Seen sei das Wasser so klar wie lange nicht mehr in einem Juni. Auch habe das Niedrigwasser derzeit keine deutlichen Auswirkungen auf die Algenbildung.

In Potsdam dagegen nennt man die Kieselalge. Und weiß: Weniger Wasser wird schneller warm als viel Wasser. Algen mögen Wärme. Und in diesem Punkt trifft sich Brandenburg mit Berlin: Die jüngsten Winter waren mild, der Frühling begann früh. Die Algen, so heißt es aus der Umweltverwaltung, werden mehr werden.

Hinweise lesen vor See-Besuch ist immer gut

Es schadet also nicht, vor dem Ausflug an den See die Berliner und Brandenburger Hinweisseiten zu lesen. Die Berliner Seiten zu Badegewässern gibt es jetzt auch als App, und zudem ein neues Frühwarnsystem für die Badestellen in Gatow und am Grunewaldturm, weil die Wasserqualität an der Havel stärker schwankt.       

Wir haben für euch die schönsten Badeseen in Berlin zusammengestellt. Wer ohnehin kein Freund von Gewässern dieser Art ist, kann sich natürlich auch nur an den Strand werfen – auch davon gibt es in Berlin einige. Urlaubs-Feeling kommt in Brandenburg auf: An einigen Stränden fühlen wir uns hier wie am Mittelmeer. Und wer ohnehin lieber mit Chlor schwimmen geht: Berlins Freibäder haben auch wieder auf.

Über die Wasserqualität der Badeseen führt das Lageso Statistiken. Die Ergebnisse der Porben stehen auf www.badegewaesser-berlin.de – übersichtlich nach Seen geordnet, mit aktueller Sichttiefe und Dichte von Kolibakterien und anderen unschönen Ingredienzen.

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