Expressionistisches Drama 

Gentrifizierung in der Provinz: „Bait“ im Kino

Prosecco und Bier– Das gibt es auch auf dem Land: Neureiche gegen Einheimische

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Über die Gentrifizierung von Städten wird vielerorts gestritten, Verdrängung gibt es aber auch auf dem Land. In ein solches Szenario im Südwesten Englands entführt Regisseur Mark Jenkin in seinem körnigen, im 16mm-Format gedrehten Schwarzweiß-Drama „Bait“.

Im Heimatdorf von Martin (Edward Rowe) im rauen Cornwall haben längst die Touristen das Sagen; auch das Elternhaus musste der Fischer verkaufen. Es gehört jetzt neureichen Londonern, aus den Fangnetzen sind Deko-Elemente geworden. Das dörfliche ­Ambiente wissen die Zugereisten zwar zu schätzen, noch romantischer wäre es aber ohne jene Einheimischen, die frühmorgens herumlärmen. Martins Bruder Steven (Giles King) hat die Seiten gewechselt und schippert jetzt Touristen durch die Gegend. Martin dagegen muss sich sein neues Boot vom Mund absparen.

Die soziale Fragmentierung wird überdeutlich inszeniert, die aufeinanderprallenden Lebenswelten werden dabei zerlegt in Close-ups: Hände, Fangkörbe, volle Prosecco-Flaschen, leere Biergläser. Der Ton wurde in der Post-Produktion nachsynchronisiert, was den Verfremdungseffekt noch verstärkt. Das expressionistische Drama ist ein ästhetischer Ritt durch die Filmgeschichte: Den Look früher Tonfilme bringt Jenkin mit dem Neorealismus der Nachkriegszeit und der britischen Tradition des Sozialdramas zusammen; die Thematik ist dagegen sehr aktuell. Die Figurenzeichnung wirkt allerdings eher schwarz-weiß: Wer hier die Guten und wer die Bösen sind, ist schnell klar. Weil dieser formal so ungewöhnliche Film aber einen ganz eigenen Blick entwickelt, stört dieser Mangel an Ambivalenz kaum.

Bait GB 2019, 88 Min., R: Mark Jenkin, D: Edward Rowe, Giles King, Simon Sheperd, Mary Woodvine, Start: 24.10.

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