Kino & Film in Berlin

„Bal – Honig“ im Kino

Yusuf ist ein schüchternes Kind, wenn er spricht, dann mit flüsterleiser Stimme, immer kurz vorm Verstummen. Wenn Yusuf träumt, kann es geschehen, dass seine Bilder realer erscheinen als die Welt, aber das mag auch an dem Ort liegen, in dem er lebt, der selbst manchmal seltsam entwirklicht scheint, wie aus der Zeit gefallen. Semih Kaplanoglu betrachtet die Welt in „Bal – Honig“ immer wieder mit dem Blick eines Kindes, aus einer Perspektive, in der sich vertraute Beziehungen fast unmerklich verschieben, neu gedeutet werden, die Töne und das Licht des Waldes oder ein einfaches Volksfest eine ganz ungewöhnliche Präsenz bekommen. Fast beiläufig erzählt Kaplanoglu vom Verschwinden des Vaters, der als Imker einen neuen Ort für seine Bienenstöcke sucht und nicht zurückkehrt. „Bal – Honig“, autonomer Teil einer verschmitzt verwobenen Trilogie, beschwört keine Naturmystik, sondern erzählt im Gegenteil davon, wie ein Riss im kindlichen Bewusstsein alles verwandelt.

Text: Robert Weixbaumer

tip-Bewertung: Herausragend

Lesen Sie hier: Ein Interview mit Regisseur Semih Kaplanoglu

Orte und Zeiten: „Bal – Honig“ im Kino in Berlin

BAL – HONIG, Türkei/ Deutschland 2010; Regie: Semih Kaplanoglu; Darsteller: Bora Altas (Yusuf), Erdal Besikçioglu (Yakup), Tülin Özen (Zehra); 103 Minuten

Kinostart: 9. September

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