Stadtleben und Kids in Berlin

Barbies Dreamhouse in Berlin: ein Pro und Contra

Noch bevor das Barbie Dreamhouse hinter dem Alexa am 16. Mai seine Pforten öffnet, wurde Protest laut. Auch beim tip hat Barbie Freunde und Gegner.

Pro

Ich war acht, als mir meine Altersgenossin, die 1959 auf dem amerikanischen Markt eingeführte Barbie, erstmals begegnete. Es war Liebe auf den ersten Blick. Statt langweiliger Babypuppen, die immer nur gewickelt und gefüttert werden wollten, konnten meine Schwester und ich nun in die Plastikhaut einer jungen Frau schlüpfen und echte Abenteuer in Angriff nehmen.
In unserem Garten begab sich Barbie auf Dschungel-Safari, in der Badewanne erprobte sie sich im Tiefseetauchen und da das Geld bei meinen Eltern nicht so locker saß, bauten wir für Barbie eben Traumhäuser aus Pappkartons. Es waren stundenlange Trips in Fantasiewelten, die kein Drogenrausch hätte ersetzen können. Vielleicht auch deshalb spielten Drogen in meinem späteren Leben praktisch keine Rolle.

Dass Barbie eine abnorm dünne Taille, einen komischen, nippelfreien Busen und merkwürdige Spargelbeine hatte, nahmen wir achselzuckend zur Kenntnis. Keine von uns hegte den ernsthaften Wunsch, so wie die Plastikpuppe auszusehen.
Ganz anders die Mädchen-Vorbilder der Jetztzeit: Photogeshopte Celebritys in Girls-Zeitschriften oder unter Tausenden herbeigecastete Germany’s-Next-Topmodels verdammen nicht nur zu passivem Konsum, sondern haben die Grenze zwischen real und künstlich bis zur Unkenntlichkeit verwischt. Mädchen, die versuchen, da mitzuhalten, haben schon verloren. Da wünscht man sich die gute, alte, aktive Barbie zurück. Ich werde sie mit meinen Töchtern besuchen – im Barbie Dreamhouse.    

Text: Eva Apraku

Contra

Als ich fünf war, sollte ich eine neue Regenjacke aus einem Katalog aussuchen. Es gab eine ganze Farbpalette, aber mir war sofort klar, welche es sein sollte: die pinke! Denn ich war – das muss klar gesagt werden – ein hässlicher, kleiner Junge und manchmal wollte ich auch schön und niedlich wirken. Meine Eltern waren verunsichert, gaben jedoch meinem Wunsch nach.
Das war aber ein paar Jahrzehnte vor der Pinkifizierung. Damals war die Klamotten­auswahl für Kleinkinder nicht auf Rosa mit Prinzessinnen oder Blau mit Spider-Man beschränkt. Solche Vorlieben entstehen nicht in den Köpfen der Kleinen, sondern in den Marketingabteilungen ­großer Konzerne, die ihren Umsatz steigern wollen. Während meine kleine Schwester damals meine alten Legos übernehmen konnte, müsste man jetzt ein neues – pinkes – Set für ein Mädchen kaufen.

Ich kann mir vorstellen, dass sich manche Kinder auf das rosafarbene Monstrum hinter dem Ale­xanderplatz freuen. Aber welche Rollenbilder werden mit dem temporären Bau transportiert? Dort steht Pink für Frauen – in Verbindung mit Backen, Sich-Schminken und Angestarrtwerden. Natürlich werden die Geschäftsmänner dahinter darauf hinweisen, dass es auch die Astronautin-Barbie gibt: Ja, Frauen können auch ins All fliegen – wenn sie gleichzeitig Cupcakes backen und ­Lippenstift tragen, wird damit suggeriert.
Deswegen werde ich auf die Demonstration gegen das Barbie Dreamhouse gehen. Vielleicht besorge ich mir dafür noch eine pinke Regenjacke.    

Text: John Riceburg

Foto: Susan Schiedlofsky

 

Barbie Dreamhouse Eröffnung
Do, 16.5., 10 Uhr

bis 25.8.2013, täglich ab 10 Uhr
Eintritt: 15 Euro, ermäßigt 12 Euro, Kinder unter 3 Jahren frei

 

Übersichtsseite Berlin mit Kind

 

 

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