Theater und Bühne in Berlin

Barrie Koskys „Ball im Savoy“ Inszenierung

Bummeln und fummeln: Barrie Kosky sorgt mit "Ball im Savoy" für gute Laune in der Komischen Oper

Dreieinhalb Stunden Jux-Bude sind zu viel. Die Länge ist aber ernst gemeint. Barrie Kosky geht es bei der ersten Berliner Wiederinszenierung von „Ball im Savoy“ seit 1932 um eine Wiederkehr des vertriebenen Komponisten Paul Abraham. Der stand, bald nachdem er aus Deutschland emigrieren musste, im Pyjama auf der Madison Avenue in New York und dirigierte in weißen Glacй-Handschuhen verwirrt: den Verkehr. Traurig.
Die dreiste Mischung aus „Fledermaus“ und „Spanischer Fliege“ inszeniert Kosky als Dauerparty zum Ende der Weimarer Republik. Wie gewohnt fegen Hundertschaften nackter Go-go-Boys und Federboa-Priesterinnen durch die Operetten-Welt. Erstaunlich gut geht das auf. Nicht nur wegen der prominenten Drei von Schwankstelle: Dagmar Manzel als seitensprungbewährte Ehefrau hat reichlich Gerbstoffe in der Stimme. Macht aber als Dalida-Verschnitt eine witzige Figur. Helmut Baumann, fast müsste man sagen, in seiner ersten Männerrolle – als Türke! –, bleibt routiniert. Dagegen steckt Katharine Mehrling, hier erstmals auf einer großen Berliner Bühne, sämtliche Alt-Amüsiers fulminant in die Tasche. Für ihre lasziven Stimmband-Strapse muss jetzt dringend etwas getan werden.

Tatsächlich sind die Jazz-Klänge dieser tanzfiebrig-hippeligen Dollerei ungewöhnlich für das Genre. Es kann einen gruseln vor so viel Amüsement. Wer dies indes für Klamauk hält, hat den doppelten Boden des Tanzparketts nicht bemerkt. Adam Benzwi am Pult bringt den richtigen Speed. So wirkt dieser Zombie der Abendklamotte erstaunlich lebendig. Man versteht Abraham schon richtig, wenn man hinter dem Hit-Titel „Es ist so schön, am Abend bummeln zu gehen“ einfach liest: „fummeln zu gehen“.tip-Bewertung: sehenswert

BALL IM SAVOY
Komische Oper,
u.a. am Fr. 21., Mi 26.6., Mi 3.7., 19.30 Uhr, So 23.6., 19.00 Uhr,
Karten-Tel. 47 99 74 00

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