Dokumentarfilm

„Being Mario Götze“ im Kino

Mario Götze ist ein begnadeter Kicker, der sich – so der mediale Tenor – in den letzten zwei, drei Jahren selbst verloren hat. Mit 18 Jahren war er einer der Schlüsselspieler bei Borussia Dortmund, das 2011 und 2012 Meister wurde, die BVB-Fans verehrten ihn bis zum Wechsel zu Bayern München, aus Liebe wuchs Hass, der verflog durch Götzes Siegtor bei der WM 2014. Das sind die kitschigen Geschichten, die der Fußball schreibt. Aber reicht das als Stoff für einen biografischen Dokumentarfilm von beträchtlicher Länge?

Mindjazz Pictures

Ja. Weil Aljoscha Pause ein ebenso gutes ­Gefühl für Räume und Timing hat wie Mario Götze mitunter auf dem Platz. Pause nimmt die Fixpunkte seiner Karriere als Vorlage, um dem Protagonisten etwas zu geben, was das Fußballgeschäft oft nicht hat: Zeit. Zeit, sich selbst zu reflektieren, Zeit, ohne Druck Antworten zu geben jenseits der Medienfloskeln. Und der Film thematisiert eine Worthülse, die im Fußball gerne strapaziert wird: Vertrauen. Vertrauen, das Götze unter den Fittichen seines fußballerischen Ziehvaters Jürgen Klopp erlebte und seitdem oft vermisst hat.

An einem Tiefpunkt der Karriere einem Film über sich selbst zuzustimmen, ist eine mutige Entscheidung. Zum Schluss steuert der Film auf einen Höhepunkt hin, der von der Wirklichkeit überholt, quasi verpufft: Götzes Nicht-Nominierung für den WM-Kader wird zur Petitesse im Wissen um das folgende Debakel in Russland. Was bleibt, ist ein diskussionswürdiger Film über einen großartigen Fußballer auf dem Weg zu sich selbst.

Being Mario Götze D 2018, 136 Min., R: Aljoscha Pause, Start: 18.10. 18.10., 19 Uhr, Union Friedrichshagen: Premiere mit Felix Kroos (1. FC Union Berlin), Jan Tilman Schwab (Filmwissenschaftler), Aljoscha Pause (Regisseur) und Musik von Schwarz (Soundtrack)

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