Jugend-Melancholie

Belle & Sebastian im Admiralspalast

Think big: Belle & Sebastian wagen sich an die Lösung aller menschlichen Probleme

20 Jahre sind im Indiepop eine gefühlte Ewigkeit, eine Strecke, in der Bands sich gemeinschaftlich von rebellischen Jugendtagen verabschieden müssen. Glasgows Belle & Sebastian haben eine besonders elegante Art gefunden, unbemerkt zu altern. Ihre jugendliche Melancholie hat sich auch nach zwei Dekaden alterslos gehalten; das hat viel mit Stuart Murdochs Samtstimme zu tun, die auch mit 49 noch so klingt, als gehöre sie dem Vorsänger eines Knabenchors. Hinzu kommt ein Sinn für absurden Humor, der noch den tragischsten Songstories im Repertoire Leichtigkeit beschert.

Zwischenzeitig sah es fast so aus, als würde Murdoch sein erzählerisches Gespür für freundliche Außenseiter lieber im Kino ausleben. Sein Spielfilmdebüt erntete 2014 auf Festivals wie der Berlinale viel Lob. Doch Murdoch fokussiert sich seither wieder verstärkt auf die Band: 2017 spielten Belle & Sebastian bienenfleißig Konzerte, blieben aber selbst mit großer Orchesterbegleitung stets eine erfreulich nahbare Indietruppe.

Was die Klangpalette angeht, halten es die Schotten inzwischen flexibel. Auf dem letzten, neunten Album „Girls in Peacetime Want to Dance“ gelang ein beherzter Schritt auf die Tanzfläche, ihren Wohnzimmerpop versetzten sie mit Surf-, Balkan- und Synth-Pop. Herzstücke der Setlist sind freilich großäugige Träumereien à la „Fought in a War“: Klassiker von der leisesten Sorte. Die neue Platte ist nun eine Rückbesinnung zu den Indie-Roots. Verteilt auf drei EPs trägt die Songkollektion den hübschen Titel „How to solve our human problems“. Wenn jemand in absurden Zeiten weiter helfen kann, dann wohl Belle & Sebastian!

Admiralspalast Friedrichstr. 101, Mitte, Sa 17.2., 19.30 Uhr, ausverkauft