Drogendrama

„Ben is Back“ im Kino

Zurück zur eigenen Familie: Sucht und Mutterliebe

Tobis/ Mark Schafer

Der 19-jährige Ben (Lukas Hedges aus „Manchester by the Sea“) hat sich kurz vor Heiligabend selbst aus der Entzugsklinik entlassen. Fahrig und verloren steht er vor der Haustür, als seine Mutter Holly (Julia Roberts) mit ihren anderen drei Kindern ausgelassen die Einfahrt hinauffährt. Die Stimmung ändert sich abrupt. Der zwischen Bestürzung und Glück changierende Gesichtsausdruck, den Julia Roberts ihrer Figur im Augenblick des Wiedersehens verleiht, lässt das furchtbare Drama erahnen, das die Mutter eines Süchtigen bereits durchlitten hat. Schwester Ivy und Stiefvater Neal wollen Ben zurück in die Klinik befördern. Auch Holly misstraut ihrem eigentlich grundsympathischen Sohn und schafft es doch nicht, ihn abzuweisen.

Das hochintensive Familiendrama „Ben is back“ thematisiert die Medikamenten- und Drogenepidemie, die aktuell weite Teile der US-Gesellschaft durchseucht. Wie beiläufig adressiert der Film als Mitschuldige die Pharmakonzerne, die das Land mit Oxycodon und anderen abhängig machenden Opioiden regel­recht überschwemmt haben.

Das kluge Drehbuch lässt die Motive von Ben, die ihm als wandelnder Zeitbombe wohl selbst kaum transparent sind, im Ungefähren. Die Tiefpunkte seiner Suchtbiografie, von Prostitu­tion bis Raubüberfall, werden lediglich ­gestreift. Was den Film zum Erlebnis macht, sind die überragenden Leistungen von Julia Roberts und Lukas Hedges – mit ihrer Darstellung der ambivalenten Mutter-Sohn-Beziehung im Spannungsfeld von Liebe, Angst und Abhängigkeit.

Ben is Back USA 2018, 103 Min., R: Peter Hedges, D: Julia Roberts, Lukas Hedges, Courtney B. Vance, Start: 10.1.

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