Gruppenausstellung

Die Nominierten für den Berlin Art Prize im The Shelf

Fliege mit Erdöl: Bevor der ArtPrize verliehen wird, sind alle Nominierungen zu sehen

Anastasia Muna

An einem Zopf aus Haaren hängt ein bauchiges Glas, gefüllt ist es mit Urin. So wie diese Installation „The Lively Vessel and the Contaminated State“ (2015) bestehen viele Arbeiten von Alanna Lynch aus menschlichen oder tierischen Produkten. Hier finden sich Schaukästen mit toten Stubenfliegen und Kolonien selbst gezüchteter Fruchtfliegen. Es wirkt wie ein Labor. Als eine von neun Künstler*innen ist Lynch für den Berlin Art Prize 2018 nominiert, dessen Verleihung Ende September eine vierwöchige Gruppenausstellung vorangeht. In dieser enthüllt sich eine Vielfalt, die sich thematisch in Arbeiten zu Gender, Posthumanismus und Inflation niederschlägt, und stilistisch in Installationen, Filmen und Skulpturen wiederfindet. Ein diverses Rahmenprogramm rankt um das Projekt, das dieses Jahr in „The Shelf“ stattfindet, der ehemaligen Lagerhalle der Autovermietung Robben & Wientjes. Eine passende Szenerie, denn in der Nüchternheit des Ortes entfalten sich die ausufernden Installationen, die sich nur mit ihrer Lautstärke gegenseitig in die Quere kommen und ansonsten mit dem Ort zu verwachsen scheinen. Wie die skulpturale Landschaft „1.000.000%“ (2015-2018) von Ana Alenso aus Erdölfässern und Autoreifen, in deren Zentrum eine Maschine venezolanische Bolívar durch die Luft bläst. Dabei ist der Ölgeruch, wenngleich der kritischen Aussage dahinter gewidmet, in gewisser Weise auch eine Hommage an die Vergangenheit des ehemaligen Robben-&-Wientjes-Ortes.

The Shelf Prinzenstr. 89, Kreuzberg, Di–Sa 12–18 Uhr, bis 28.9.

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