Diese Berliner Orte besuchen Touris fast nie – aber sollten es tun

Wer als Tourist nach Berlin kommt, will natürlich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten besuchen. Brandenburger Tor, Fernsehturm, Museen, Flohmärkte, die trendigsten Restaurants. Orte, die wir kennen und lieben. Doch dabei laufen viele interessante Ecken der Stadt unter dem Radar und sind nicht einmal den meisten Einheimischen geläufig, von Touristen ganz zu schweigen. Deshalb stellen wir hier 12 Geheimtipps vor – Orte, an die es einen als Touri eher selten verschlägt, die aber trotzdem oder gerade deswegen einen Besuch wert sind
Rennen und Flohmärkte im Pferdesportpark Karlshorst

Berlin verfügt über mehrere Pferderennbahnen, eine der historisch bedeutendsten findet man im ruhigen Ortsteil Karlshorst unweit des Tierparks. Auf der Trabrennbahn Karlshorst finden seit 1884 Rennen statt, seit der Nachkriegszeit werden hier aber vor allem Trabrennen ausgetragen. Wie die anderen Pferderennbahnen in Berlin hatte auch die Trabrennbahn Karlshorst nach der Wende mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Dennoch finden bis heute regelmäßig Renntage in Karlshorst statt. Mittlerweile lautet der offizielle Name „Pferdesportpark“, aber im Volksmund setzt sich das nicht so recht durch. Auch jenseits der Rennen ist die Rennbahn ein Ort für Veranstaltungen, vor allem Flohmärkte, und Karlshorst an sich ist eine spannende Gegend, die man bei einem Spaziergang gut erforschen kann.
- Pferdesportpark Karlshorst Treskowallee 159, Karlshorst, online
Das Märkische Viertel bietet Plattenbauten mit Flair

So sieht es im Märkischen Viertel aus: bunter Beton und tausende Wohnungen in Plattenbauweise. Die in den 1960er-Jahren angelegte Großstadtsiedlung hat seit jeher mit sozialen Problemen zu kämpfen, wie sie ein solcher Wohnkomplex mit sich bringt – mehr Plattenbausiedlungen in Berlin findet ihr hier. Mit dem Ausbau der Infrastruktur hat sich das Leben im Märkischen Viertel jedoch inzwischen ein wenig gewandelt. Diese weitgehend vom Rest der Stadt abgeschnittene Gegend (auf den U-Bahn-Ausbau ins Märkische Viertel warten wir noch immer) ist ein gutes Ausflugsziel für architekturinteressierte und abenteuerlustige Stadtforscher:innen. Im Anschluss kann man noch das beschauliche Lübars besuchen. Was Reinickendorf sonst noch zu bieten hat, kann man hier erfahren.
- Märkisches Viertel Reinickendorf
Hier steht die Zeit still: Dorfkirche in Staaken

Alte Dorfkerne findet man auch heute noch in Berlin, wenn man genau hinschaut. Kleine Überbleibsel der Geschichte mit Kirchturm, Teich und alten Häusern mit spitzen Dächern. Menschen siedeln seit Jahrhunderten in der Gegend, aber während Berlin über sich hinauswuchs, blieb an manchen Stellen die Zeit stehen. Ein besonders schönes Ausflugsziel ist der Spandauer Ortsteil Staaken mit seiner schlichten Dorfkirche, deren Geschichte, so wie auch die des Ortes, Jahrhunderte zurückreicht. Es gibt noch viel mehr zu entdecken: Hier sind 12 Gründe, jetzt nach Spandau zu fahren.
- Dorfkirche Staaken Hauptstr. 12, Spandau, online
Iglu im Grünen: der Britzer Garten

Den Bau inmitten des Britzer Gartens entwarf der Berliner Architekt Engelbert Kremser, der als leidenschaftlicher Vertreter der organischen Architektur gilt. Der aus Beton gegossene, igluartige Kubus bietet dem Restaurant Seestern eine Heimat – es ist eins der architektonisch ungewöhnlichen Berliner Restaurants. Ein Besuch lohnt sich aber nicht nur wegen dieses Baus. Die gesamte Grünanlage mit den Teichen, Hügeln, der kleinen Eisenbahn und den tollen Spielplätzen ist einen Besuch wert, vor allem wenn man mit Kindern unterwegs ist. Mehr zum Britzer Garten erfahrt ihr hier.
- Britzer Garten Sangerhauser Weg 1, Britz, online
- Restaurant Seestern Britz Mohriner Allee 145, Britz, online
Abstecher in den Norden: Poloplatz in Frohnau

Der Frohnauer Reitclub, 1961 gegründet, verfügt neben seiner parkähnlichen Anlage über einen amtlichen Poloplatz, auf dem diese in Deutschland seltene Sportart ausgeübt werden kann. Der Ort ist ein gutes Ziel für Reit- und Pferdefans, aber auch Naturfreunde kommen bei diesem Geheimtipp auf ihre Kosten. Das in der Nähe befindliche Ristorante Landhaus am Poloplatz serviert italienische Speisen. Der Ausflug in den Norden Berlins lohnt sich!
- Poloplatz Frohnau Am Poloplatz,Frohnau
- Ristorante Landhaus am Poloplatz Am Poloplatz 9, Frohnau, Mi–Fr 16–22 Uhr, Sa+So 12–22 Uhr, online
Aussichtsbauwerk Wolkenhain über den Gärten der Welt

In Marzahn befinden sich die Gärten der Welt. Die Parkanlage liegt am nördlichen Fuß des Kienbergs. Dort kann man die Gartentraditionen verschiedener Länder erkunden: China, Japan, Bali, Orient, Korea, Italien und mehr. Und wer es hoch hinauf schafft, kann sich auf dieser futuristisch anmutenden Aussichtsplattform etwas Überblick verschaffen. Eine Seilbahn gibt es auch, und wer weniger gemächlich unterwegs sein will, kann auch die Natur-Bobbahn ausprobieren.
- Kienberg zwischen Cecilien- und Eisenacher Straße, Marzahn, Infos zum Wolkenhain hier
Reinbeckhallen in Schöneweide: Postindustrielles Flair

Die Reinbeckhallen im etwas abgelegenen Oberschöneweide verströmen postindustrielles Flair und einen Hauch von Berlin der 1990er Jahre. Die „Stiftung Reinbeckhallen. Sammlung für Gegenwartskunst“ hat die Hallen an der Spree grundlegend verwandelt und zu einem Ort für zeitgenössische Kunst gemacht. Lust auf Kunst bekommen? Aktuelle Ausstellungen in Berliner Museen und Galerien zeigen wir euch hier.
- Reinbeckhallen Reinbeckstr. 17, Oberschöneweide, Website
Betonklotz aus der NS-Zeit: Schwerbelastungskörper in Tempelhof

Der Name verrät es schon: mehr Beton geht nicht. Die Nazis ließen den massiven Betonzylinder um 1941 bauen. Das Vorhaben „Schwerbelastungskörper“ war absurd: Mit dem Koloss sollte die Statik für den Bau eines gigantischen Triumphbogens simuliert werden. Das Projekt entstand im Rahmen von Hitlers Plänen für die „Welthauptstadt Germania“, wie Berlin nach dem „Endsieg“ heißen sollte. Dazu kam es nicht, doch dieser 12.650 Tonnen schwere Geheimtipp steht bis heute denkmalgeschützt im Niemandsland zwischen Schöneberg und Tempelhof und sorgt bei jedem, der es mal entdeckt, für Staunen und Stirnrunzeln. Jeden ersten Sonntag im Monat werden Führungen angeboten. Spuren des NS-Regimes findet man im Stadtbild noch immer: Hier findet ihr Beispiele für Nazi-Architektur in Berlin.
- Schwerbelastungskörper General-Pape-Str. 34a, Tempelhof, mehr Infos hier
In den Uferstudios residieren Künstlerateliers

Die Umnutzung von Industriebauten zu Kulturorten hat in Berlin eine Tradition. Ob vom Netz genommene Kraftwerke, die sich zu Clubs wandelten, oder ehemalige Brauereien, die Kinos, Theatern und Galerien Raum bieten – wenn in Berlin die Schlote nicht mehr dampfen, zieht die Kultur ein. Auch in Gesundbrunnen fand solch ein Wandel statt. Auf dem riesigen Gelände der Berliner Straßenbahn residieren seit 2010 zahlreiche Tanzstudios, Künstlerateliers und weitere Arbeitsräume für Künstler und Künstlerinnen aus dem Bereich der darstellenden Künste.
- Uferstudios Uferstr. 23, Wedding, online
Atmosphärischer Geheimtipp: das Hubertusbad in Lichtenberg

Das Lichtenberger Stadtbad eröffnete 1928 mit zwei Schwimmbecken, medizinischen Bädern, einem russisch-römischen Saunabereich mit Warm- und Heißluftraum, Massagekabinen, der Wannen- und Brauseabteilung, Gymnastiksaal und Sonnenterrasse. Kurz gesagt, ein Prachtbau! Im Jahr 1991 wurde das auch „Hubertusbad“ genannnte Bad wegen Baumängeln geschlossen. Über das Becken der ehemaligen Frauenschwimmhalle wurde ein Holzboden gezogen. Gelegentlich wurden Führungen durch das historische Gebäude angeboten, etwa beim Tag des offenen Denkmals, oder ein Kreativmarkt. Auch Kunstinstallationen kommen im Bad unter. Mittlerweile ist es leichter, sich zumindest teilweise einen Einblick zu verschaffen: Die Lichtenberger Anlaufstelle für Bürgerbeteiligung, die sich als Schnittstelle zwischen Politik, Verwaltung und den Bürgern versteht, ist in das historische Bauwerk gezogen. Derart um- und ungenutzte alte Bauten sind natürlich kein Einzelfall: Leerstehende Häuser in Berlin und ihre Geschichten zeigen wir euch hier.
- Ehemaliges Stadtbad Lichtenberg Hubertusstr. 47, Lichtenberg, Website der Anlaufstelle hier
Das Buddhistische Haus in Frohnau ist ein Ort der Ruhe

Ein Geheimtipp für alle, die nach der inneren Ruhe suchen. Der Erbauer des Buddhistischen Hauses war der Arzt und Schriftsteller Paul Dahlke, der eine Praxis in Berlin leitete und auf seinen Reisen nach Asien den Buddhismus kennenlernte. 1900 wurde er selbst Buddhist und Lehrer dieser Religion. Die Bauarbeiten für das Gebäude, das als Ort der inneren Reinigung gedacht war, begannen 1923. Im Jahr 2000 wurde das Buddhistische Haus unter der Leitung des neuen Verwalters Tissa Weeraratna auf allen Ebenen erneuert. Sonntags gibt es Vorträge und mehrmals in der Woche Meditationen. Mehr heilige Orte und Glaubenshäuser gibt es hier.
- Buddhistisches Haus Berlin Edelhofdamm 54, Frohnau, tgl. 9–18 Uhr, online
Das Funkhaus hat Geschichte und Spreeblick

Wer als Tourist nach Berlin kommt, geht womöglich auf David-Bowie-Tour, lässt aber andere Pilgerstätten für Musikfans links liegen. Im Fall des Funkhauses könnte das mit der Lage zu tun haben. Der Gebäudekomplex in Oberschöneweide ist etwas schwierig zu erreichen, ein Besuch lohnt sich trotzdem: Der einstige Sitz des Rundfunks der DDR ist ein beeindruckender Bau. Errichtet wurde das Funkhaus in den 1950er-Jahren nach Plänen des DDR-Architekten Franz Ehrlich, das historische Haus des Rundfunks lag nämlich im Westteil der Stadt. Auf dem Gelände einer alten Sperrholzfabrik entstand eines der modernsten Sendehäuser Europas, das bis 1993 genutzt wurde. Seitdem hatte die berühmte Immobilie mehrere Eigentümerwechsel hinter sich, aber ein Ort für Kultur ist sie nach wie vor. Wer dort vorbeischaut, kann an Führungen teilnehmen, es gibt Konzerte, gastronomische Angebote – und einen ziemlich guten Blick auf die Spree.
- Funkhaus Berlin Nalepastr. 18, Oberschöneweide, Website
Mehr Ausflüge in Berlin
Anderswo Tourist sein: Die besten Ziele für einen Kurzurlaub, die ihr von Berlin aus gut erreichen könnt. Raus aus dem Trubel in der Stadtmitte: wir zeigen euch Routen für Spaziergänge im Berliner Osten. Streifzug durch die Stadtgeschichte: Wir nehmen euch mit zu spannenden Villen in Berlin. Hier sieht die Stadt wie Gotham City aus: Architektur des Expressionismus in Berlin. Von Behrens bis Scharoun: Diese Architekt:innen brachten die Moderne nach Berlin. Auch die postmoderne Architektur ist mit vielen Bauwerken in Berlin vertreten. Die prachtvollsten Orte der Stadt: Hier nehmen wir euch mit zu Berlins Schlössern. Lust auf mehr altehrwürdige Gemäuer? Hier findet ihr Burgen und Festungen in Brandenburg. In unserer Ausflugsrubrik stellen euch immer neue Ausflüge und Ausflugsziele in und um Berlin vor. Was ist wichtig? Steht in unserer Rubrik zu Berliner Sehenswürdigkeiten.