Bahnhöfe

Bahnhof Berlin-Spandau: Moderner Bau am Rand der Altstadt

Obwohl Spandau ein Berliner Randbezirk ist, ist der Bahnhof Berlin-Spandau durch die zentrale U-Bahn-Linie U7 bestens an die Innenstadt angeschlossen. Und es gibt genügend gute Gründe, um hier auszusteigen: An den modernen Bahnhof schließt direkt die mittelalterliche Altstadt Spandaus an, und im schönen Spandauer Forst ist der Stadtlärm kaum noch zu hören.

Moderner Bau am Fuße der Altstadt: Es gibt mehr als einen guten Grund, um in Berlin am Bahnhof Spandau auszusteigen. Foto: Imago Images/Schöning

Das Herz des Bezirks ist sein Bahnhof. Der Bahnhof Berlin-Spandau kann mit der längsten Bahnsteighalle Deutschlands aufwarten und wird täglich von 45.000 Reisenden genutzt. Trotz seiner Randlage ist er sehr gut an die Innenstadt angebunden. Architektonisch wird der Bahnhof Berlin-Spandau als „kleiner Zwillingsbruder“ des Berliner Hauptbahnhofs gehandelt. Der moderne Bau steht im krassen, aber interessanten Kontrast zur Spandauer Altstadt, die Besucher*innen auf eine Reise in Berlins Historie entführt.

Einst Güterbahnhof, später Personenbahnhof

Geschichte Die Geschichte des Bahnhofs Berlin-Spandau beginnt 1870. Damals trug der Bahnhof den Namen Lehrter Bahnhof. Von hier aus fuhr die Berlin-Lehrter Eisenbahn durch die heutigen Bundesländer Brandenburg und Sachsen-Anhalt bis nach Lehrte bei Hannover. 1890 wurde der Personenverkehr jedoch eingestellt. Der Bahnhof wurde in Spandau Güterbahnhof umbenannt, auf dem Gelände befindet sich heute das Einkaufszentrum Spandau Arcaden.

1910 eröffnete neben dem Güterbahnhof der Bahnhof Spandau West. Bis dato war der Personenverkehr über den Personenbahnhof Spandau abgewickelt worden. Aber der neu eröffnete Bahnhof Spandau West war günstiger gelegen: näher an der Altstadt und am Rathaus, das sich zu dieser Zeit noch im Bau befand.

Durch die dreigleisige Anlage war die Spandauer Vorortbahn von nun an mit der Stadtbahn verbunden. Westlich des Bahnhofs führten die Gleise der Lehrter Bahn entlang, außerdem führte die Strecke weiter nach Mecklenburg, Schleswig-Holstein und Hamburg.

Stilllegung des Bahnhofs Spandau vor der Wende

Ab 1928 wurden die Stadt-, Ring- und Vorortbahnen unter dem Begriff S-Bahn zusammengefasst. Zum ersten Mal hieß es „Spandau West – zurückbleiben bitte!“

Während den 1930er- und 1940er-Jahren sollten Erweiterungen am Streckennetz des Bahnhofs Berlin-Spandau entstehen, diese wurden jedoch nur geringfügig umgesetzt. Im Zuge des West-Berliner S-Bahn-Boykotts, anlässlich des Mauerbaus 1961, wurde das Streckennetz vom und zum Bahnhof Spandau West zudem immer dünner. Der Reichsbahnerstreik von 1980, bei dem das West-Berliner Bahnpersonal seine Arbeit für die Reichsbahn der DDR niederlegte, bedeuteten das endgültige Aus für den Bahnhof Spandau West.

Bahnhof Spandau
Verwaistes Gelände: Zwischen 1980 und 1990 tat sich am ehemaligen Bahnhof Spandau West gar nichts mehr. Foto: Wikimedia Commons/Roehrensee/CC BY-SA 3.0

Nach dem Mauerfall stand der erneuten Inbetriebnahme des Bahnhofs nichts mehr im Wege. 1993 lieferte das renommierte deutsche Architekturbüro gmp (Gerkan, Marg und Partner, auch verantwortlich für Berlin Hauptbahnhof und den Flughafen Tegel) den Entwurf für die heutige Überbauung des Bahnhofs. Im Mai 1997 war das erste Gleis des Bahnhofs Berlin-Spandau einsatzbereit. Vorerst verkehrten darauf nur Fern- und Regionalzüge. Ab Dezember 1998 fuhren schließlich auch die Züge der S-Bahn in den Bahnhof Berlin-Spandau ein.

Die längste Bahnsteighalle Deutschlands – überdacht von Glas und Stahl

Bahnhof Spandau Eindrucksvolle Konstruktion aus Glas und Stahl: Die Bahnsteighalle des Bahnhofs Berlin-Spandau ist die längste in ganz Deutschland.
Eindrucksvolle Konstruktion aus Glas und Stahl: Die Bahnsteighalle des Bahnhofs Berlin-Spandau ist die längste in ganz Deutschland. Foto: Imago Images/Peters

Architektur Ähnlich wie der Hauptbahnhof mutet der Bahnhof Berlin-Spandau wie ein riesiger Glaspalast an. Die Bahnsteighalle ist die längste in Deutschland – die 432 Meter der Halle werden von 20.000 Quadratmetern Glasfläche umspannt.

Ein Netz aus Edelstahl hält die Konstruktion. Die Eingangshalle des Bahnhofs ist verglichen mit der pompösen Bahnsteighalle eher klein. Dort befinden sich einige wenige Einkaufsmöglichkeiten, zum Beispiel ein Buchladen, Supermärkte und Bäckerei-Filialen.

Unter dem Bahnhof Berlin-Spandau liegt einer der schönsten U-Bahnhöfe Berlins

Bahnhof Spandau Wer am Bahnhof Berlin-Spandau aussteigt, kann unter Tage einen der schönsten U-Bahnhöfe Berlins bewundern.
Wer am Bahnhof Berlin-Spandau aussteigt, kann unter Tage einen der schönsten U-Bahnhöfe Berlins bewundern. Foto: Imago Images/Peters

Fun Facts Nicht nur der Bahnhof Berlin-Spandau, auch der U-Bahnhof, der sich darunter in 14 Metern Tiefe befindet, setzt architektektonische Maßstäbe: Wer die U7 bis zur Endstation fährt, steigt am Rathaus Spandau an einem prunkvoll gestalteten U-Bahnhof aus, der seit 2017 unter Denkmalschutz steht. Der Architekt Rainer G. Rümmler gestaltete in den 1980er-Jahren auch weitere Haltestellen auf so aufwendige Weise. Welche Berliner U-Bahnhöfe in Berlin Rümmlers Handschrift tragen, könnt ihr hier nachlesen.

Bahnhof Berlin-Spandau: Wichtige Infos für den Besuch

Anfahrt Am Bahnhof Berlin-Spandau besteht Anschluss an die folgenden Linien des Nahverkehrs: S- und U-Bahn S3, S9, U7 Bus: M32, M37, M45, X33, X36, 130, 134, 135, 136, 137, 236, 237, 337, 638, 671, N30, N34. Wer mit dem eigenen PKW kommt, kann in der Tiefgarage der Spandau Arcaden parken, die sich direkt am Bahnhof befinden. Hier kann auch außerhalb der Center-Öffnungszeiten geparkt werden. (1.+2. Std. 1 €, 3. Std. 1,50 €, jede weitere 2 €). Eine weitere Parkmöglichkeit ist außerdem der Parkplatz Stabholzgarten (1 €/Std.). Verbindung zum Flughafen BER Zum Flughafen BER gelangt man vom Bahnhof Berlin-Spandau mit der Regionalbahn RB14 oder der S-Bahn-Linie 9. Beide Linien halten direkt am Terminal.

In der Nähe In nur wenigen Minuten erreicht man vom Bahnhof Berlin-Spandau die Spandauer Altstadt, die mit ihren engen Gassen und dem Marktplatz fast mittelalterlich anmutet. Derartig historische Architektur findet man in Berlin kaum noch – außer vielleicht im Nikolaiviertel in Mitte. In der Altstadt von Spandau befindet sich auch eine von Berlins traditionsreichsten Eisdielen: Seit 1927 stehen die leckeren, natürlichen Florida-Sorten für Eis-Qualität aus der deutschen Hauptstadt.

Eindrucksvolles Bild: Die Havel umfließt die Zitadelle Spandau in Form eines tiefen Wassergrabens. Foto: Imago Images/Ritter

Eine knappe halbe Stunde braucht man, um zur Zitadelle Spandau zu laufen, dem wohl berühmtesten Bauwerks des Bezirks. Die Zitadelle ist eine der bedeutendsten und am besten erhaltenen Festungen der Hochrenaissance in Europa. Mittlerweile ist sie ein Museum und dient als Veranstaltungsort. Bob Dylan und Iggy Pop gaben sich hier schon die Ehre.

In der Vorweihnachtszeit zieht die Altstadt Spandau zudem Tausende Berliner*innen und Besucher*innen an, da vor dem historischen Rathaus einer der schönsten Weihnachtsmärkte der Stadt stattfindet.

Bahnhof Spandau Wunderschönes Lichtermeer: Der Weihnachtsmarkt in der Spandauer Altstadt ist einer der schönsten Berlins.
Ein Lichtermeer: Der Weihnachtsmarkt in der Spandauer Altstadt ist einer der schönsten Berlins. Foto: Imago Images/Müller

Wer sich noch ein bisschen mehr Zeit nehmen möchte, um den Bezirk zu erkunden, findet hier unsere Empfehlungen für Spandau.


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