Nahverkehr

U-Bahnlinien in Berlin: Die Stadt von unten auf neun Strecken entdecken

Tausende Fahrzeuge, fast 150 Kilometer Länge und mehr als 170 Bahnhöfe: Das sind die Zahlen der U-Bahnlinien in Berlin. Die Untergrundbahn in der deutschen Hauptstadt gibt es seit 1902, seitdem ist sie beharrlich und beachtlich gewachsen. Wir wagen uns hinab und stellen alle Linien vor: Das sind die U-Bahnen in Berlin.


U1: Warschauer Straße – Uhlandstraße

Zwischen Friedrichshain und Kreuzberg fährt die älteste U-Bahnlinie in Berlin. Nur die Station auf der Oberbaumbrücke ist nicht mehr in Betrieb. Foto: Imago/Westend61

Die U1 ist die älteste U-Bahnlinie in Berlin – zumindest teil- und zeitweise. Denn die Streckenbezeichnung hat sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts mehrmals geändert, die Linie 1 war mal kürzer, mal länger, mal mit anderen Strecken fusioniert, mal wieder ganz allein. Unbestritten ist aber, dass der östliche Abschnitt durch Kreuzberg den Beginn der Berliner U-Bahn-Geschichte markiert. Wobei das U hier nicht ganz treffend ist, schließlich verlaufen die Gleise zwischen Warschauer Straße und Gleisdreieck oberirdisch.

Mit der Strecke, die im berühmten Musical „Linie 1“ besungen wird, ist die heutige U1 nicht mehr deckungsgleich. Damals verkehrten die Züge zwischen Ruhleben und dem Schlesischen Tor, später kam die Warschauer Straße (früher: Warschauer Brücke) als Endhaltestelle im Osten hinzu. Der Bahnhof gehörte zur Stammstrecke, war aber mit dem Mauerbau vom Netz abgeschnitten. Im Westen hingegen variierte die Endstation immer wieder. Die U1 firmierte mal unter der Bezeichnung U15, mal fuhr sie als U12, endete an der Krummen Lanke, am Nollendorfplatz und am Wittenbergplatz. Heute hat sie einen Teil der Strecke an die U3 abgetreten. Zwischen Charlottenburg und der Warschauer Straße fährt sie 13 Stationen auf einer Strecke von neun Kilometern ab. Alles zur U1 lest ihr hier.


U2: Pankow – Ruhleben

Die U2 ist eine der Kleinprofil-U-Bahnlinien in Berlin, die Züge sind schmaler. Foto: Imago/Rüdiger Wölk
Die U2 ist eine der Kleinprofil-U-Bahnlinien in Berlin, die Züge sind schmaler. Foto: Imago/Rüdiger Wölk

Die Geschichte der heutigen U2 ist eng verknüpft mit dem Anwachsen des ehemals beschaulichen Berlin zu einer Millionenmetropole. Bereits im 19. Jahrhundert arbeitete die Firma Siemens an Konzepten für U-Bahnlinien in Berlin. 1902 wurde dann die sogenannte Stammstrecke eröffnet, auf der heute noch teilweise die U2 verkehrt.

Die ist allerdings wesentlich länger als ihr historischer Vorläufer: Heute umfasst sie 29 Stationen, die Strecke führt auf mehr als 20 Kilometern von Pankow im Norden bis nach Ruhleben. Die U2 ist dabei die womöglich praktischste U-Bahnlinie in Berlin: Man kann auf der Strecke von Nordost nach West in jede andere Linie umsteigen. Station für Station, auf ganzer Länge: unsere Fahrt mit der U2.


U3: Krumme Lanke – Warschauer Straße

Die U-Bahnlinie U3 hält an einem der schönsten U-Bahnhöfe Berlins: dem Heidelberger Platz in Wilmersdorf. Foto: Imago/Jürgen Ritter
Die U-Bahnlinie U3 hält an einem der schönsten U-Bahnhöfe Berlins: dem Heidelberger Platz in Wilmersdorf. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Die U-Bahnlinie U3 hat bewegte Zeiten hinter sich: Immer wieder wurde die Zuordnung der Strecke gewechselt, mal war sie kürzer, mal länger, mal ganz unterbrochen. Von 2005 bis 2018 verband sie Dahlem (das änderte sich nie) mit der City-West. Seitdem wurde sie verlängert und fährt bis zur Warschauer Straße – die perfekte Verbindung für alle Kreuzberger*innen, die an der Freien Universität immatrikuliert sind.

Auf der rund 20 Kilometer langen Strecke erlebt man viel Natur im beschaulichen Zehlendorf. Eine Fahrt mit der U3 beginnt an der Krummen Lanke, führt dann durch den Regenbogenkiez rund um den Nollendorfplatz über Kreuzberg bis zur Warschauer Straße. Vom Villenviertel bis ins Szene-Zentrum also – wir stellen die U3 Station für Station vor.


U4: Nollendorfplatz – Innsbrucker Platz

Auch die U4 bietet tolle Architektur: Der Bahnhof Rathaus Schöneberg ist ganz besonders schön. Foto: Imago/Viennaslide

Es gibt Menschen, die Jahrzehnte in Berlin gelebt haben, ohne ein einziges Mal mit der U4 gefahren zu sein. Kein Wunder, ist diese U-Bahnlinie in Berlin doch vor allem: sehr, sehr kurz. Fünf Stationen hat sie und fährt auf knapp drei Kilometern nur durch Schöneberg – die Hauslinie des Stadtteils, der noch eigenständig war, als die Planungen starteten. Dennoch zeigt sich Berlin hier von seiner besten Seite, so fährt man durch die womöglich schönste Station der Stadt. Mehr zur U4, Berlins kürzester Verbindung, lest ihr hier.


U5: Hönow – Hauptbahnhof

U-Bahnlinien in Berlin: Die U-Bahnlinie U5 führt ins politische Zentrum Berlins. Einer der Bahnhöfe liegt am Bundestag. Foto: Imago/Rüdiger Wölk
Die U-Bahnlinie U5 führt ins politische Zentrum Berlins. Einer der Bahnhöfe liegt am Bundestag. Foto: Imago/Rüdiger Wölk

Es sind fast 23 Kilometer durch Berlin, die man mit der U5 entdecken kann. Was als Innenstadtverbindung in den 1920er-Jahren in Betrieb ging, wurde seither kontinuierlich erweitert. Wenige Jahre vor der Wende verlängerte die DDR die U-Bahnlinie bis weit in die Ost-Berliner Randbezirke. Seitdem fahren die gelben Züge durch Kaulsdorfer Idyllen und die Plattensiedlungen in den Ausläufern der Stadt.

2020 wurden dann neue Bahnhöfe in der Innenstadt eröffnet und die U5 an die U55-Minilinie angeschlossen. Nun führt die Strecke vom Hauptbahnhof durchs politische Zentrum Berlins, vorbei am Alexanderplatz und Friedrichshainer Prachtstraßen, bis sie in Hönow ans Ende gelangt. Eine spannende Linie – die U5 Station für Station findet ihr hier.


U6: Alt-Tegel – Alt-Mariendorf

Ein Zug der U-Bahnlinie U6 im Bahnhof Unter den Linden. Foto: Imago/Chromorange
Ein Zug der U-Bahnlinie U6 im Bahnhof Unter den Linden. Foto: Imago/Chromorange

Jenseits der Untergrundbahn: der Strand. Die U6 jedenfalls startet an der Endhaltestelle Alt-Tegel, wo man es nicht mehr weit hat zu einem der hübschesten Ausflugsziele für Berliner*innen. Die U-Bahnlinie fährt von dort Richtung Süden durch ein gutes Stück Nord-Berliner Industriegeschichte und ist für den Nahverkehr in der Innenstadt unverzichtbar. Die Züge halten an zentralen Bahnhöfen wie Stadtmitte, Friedrichstraße und Unter den Linden.

Wer Parks und endlose Weiten dem Tegeler See vorzieht, gelangt mit dieser Berliner U-Bahnlinie auch direkt zum Tempelhofer Feld – oder ins schöne Mariendorf, wo die Fahrt endet. Wer Berlin unteriridisch mit der U6 erkunden will, erfährt hier mehr.


U7: Rathaus Spandau – Rudow

Klassisch gestaltet: der U-Bahnhof Hermannplatz, immer gut erkennbar an den gelben Kacheln. Foto: Imago/Travel-Stock-Image
Klassisch gestaltet: der U-Bahnhof Hermannplatz, immer gut erkennbar an den gelben Kacheln. Foto: Imago/Travel-Stock-Image

Die U7 ist ein Berliner Langzeitprojekt. Schon 1901 plante die Stadt Berlin eine Nord-Süd-Verbindung im Untergrund, im Hause Siemens wurden gleichfalls Vorbereitungen dafür getroffen. Doch es dauerte noch Jahre, bis diese Stammstrecke ihre Abzweigung vom heutigen Mehringdamm Richtung Neukölln erhielt. Um 1930 fuhren die Züge von Kreuzberg bis nach Britz, mit direktem Halt am Hermannplatz unter dem beliebten Karstadt-Kaufhaus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zunächst die neuen Großwohnsiedlungen im südlichen Neukölln ans Netz angeschlossen, bevor ein regelrechter Bau-Boom im Untergrund begann: Die U7 wuchs und wuchs, die einstige Neukölln-Abzweigung wurde zu einer wichtigen Strecke im Westen erweitert. Die U-Bahnlinie verläuft heute durch Wilmersdorf und Charlottenburg und biegt bis nach Spandau ab. Von dort nach Rudow führen 31,8 Kilometer Gleise. Die U7 ist somit die längste U-Bahnlinie in Berlin und sogar die längste rein unterirdische Strecke in ganz Deutschland. Die U7 – Untergrund-Rekordstrecke von Spandau nach Rudow.


U8: Wittenau – Hermannstraße

U-Bahnlinien in Berlin: U8, Jannowitzbrücke
U-Bahnhof Jannowitzbrücke, Bahnsteig der U8. Foto: Imago/PEMAX

Die U8 ist eine der ältesten U-Bahnlinien in Berlin, auch wenn es großen Aufwand brauchte, bis sie endlich fuhr. Denn eigentlich wollte der AEG-Konzern schon im frühen 20. Jahrhundert die Untergrundstrecke liefern, doch erst, als die Stadt selbst die Ausführung an sich zog, wurde die Strecke fertig. Die Linie ist seitdem immer wieder gewachsen: Verband sie zunächst nur Gesundbrunnen und Neuköllns Norden, so reicht sie heute im Süden bis zum Ring und im Norden fast ans Märkische Viertel. Zur Zeit der Teilung gab es hier noch Geisterbahnhöfe, heute ist die U-Bahnlinie eine der geschäftigsten in Berlin – ein guter Ausgangspunkt, um die Stadt kennenzulernen. Station für Station auf der Hauptschlagader: die U8 zwischen Hermannstraße und Wittenau.


U9: Osloer Straße – Rathaus Steglitz

Die Wände des U-Bahnhofs Zoologischer Garten zieren natürlich Tiere. Foto: Imago/Frank Sorge
Die Wände des U-Bahnhofs Zoologischer Garten zieren natürlich Tiere. Foto: Imago/Frank Sorge

Die meisten U-Bahnlinien in Berlin sind Projekte aus der Kaiserzeit oder in den 1920er-Jahren entstanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das bestehende Netz ausgebaut, aber Pläne für ganz neue Linie lagen in Ost und West auf Eis. Eine Ausnahme bildet dabei die U9, Berlins jüngste Verbindung. Sie entstand ab 1955 und war Teil des sogenannten 200-Kilometer-Plans: ein Jahrhundertprojekt zum Ausbau der Untergrundverbindungen in Berlin.

Die Linie verbindet Wedding und Gesundbrunnen mit dem westlichen Stadtzentrum. Früher fuhr sie bis nach Wilmersdorf, heute ist die Endhaltestelle am Rathaus Steglitz. 18 Stationen sind es, darunter auch der Bahnhof Zoo und der ikonische Kurfürstendamm. Alles zur schnellen Fahrt durch den Westen mit der U9 findet ihr hier.


Mehr Berliner Nahverkehr

Manche Stationen sollte man auch ohne Ticket besuchen: Das sind die 12 schönsten Berliner-U-Bahnhöfe. Die wichtigsten Architekten der Berliner-U-Bahnhöfe: der Schwede Alfred Grenander, klassisch bis sachlich, und weitaus später Rainer Rümmler mit kräftigen Pop-Farben. Vom Mekka der Ratten und Taubenkackduschen: Die lustigsten Google-Bewertungen von Berliner Bahnhöfen. Mehr zu Bus und Bahn findet ihr in unserer Rubrik „Nahverkehr“.

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