U-Bahnlinien Berlin

Die U8 – Hauptschlagader zwischen Wittenau und Hermannstraße

Die U8 hält heute an 24 Stationen, auf etwas mehr als 18 Kilometern reicht die Strecke von Wittenau im Norden bis nach Neukölln an die Hermannstraße. Der AEG-Konzern konzipierte die U-Bahn, aber erst Berlin stellte sie fertig. Damals verband die sogenannte GN-Linie nur Gesundbrunnen und Neukölln. Zur Zeit der Teilung rauschten die gelben Wagen durch Geisterbahnhöfe auf DDR-Gebiet. Heute fährt die U8 von Wittenau bis zur Hermannstraße durch Reinickendorf, Wedding, Mitte, Kreuzberg und Neukölln. Eine der Hauptschlagadern Berlins. Wir fahren mit, Station für Station.


Die Fahrt mit der U8 beginnt in Wittenau

Stilisierte Säulen, gelb und grün: Willkommen in Wittenau, hier beginnt die Fahrt mit der U8. Foto: Imago Images/Olaf Wagner
Stilisierte Säulen, gelb und grün: Willkommen in Wittenau, hier beginnt die Fahrt mit der U8. Foto: Imago Images/Olaf Wagner

Ganz im Norden, in Wittenau im Bezirk Reinickendorf, beginnt und endet die U8. Die Station wurde erst im September 1994 im Zuge des Ausbaus der U8 eröffnet, seitdem kann man hier von der S- in die U-Bahn umsteigen. Dahinter liegen Dörfer: Von Wittenau gelangt man nach Hermsdorf und Lübars, wo Berlin so beschaulich wie Brandenburg ist.

Man kann aber auch den kaputten Charme der Cité Foch aus der Zeit der französischen Besatzung Berlins entdecken oder Sidos Heimat kennenlernen: Östlich von Wittenau liegt das Märkische Viertel, eine der berüchtigsten Großwohnsiedlungen Berlins. Um diese Gegend besser an den Nahverkehr anzubinden, wurde die U8 in den 1990er-Jahren überhaupt ausgebaut. Sie direkt ins Märkische Viertel fahren zu lassen, ist zwar seit den 1960er-Jahren geplant, aber ob der Ausbau noch stattfindet, ist fragwürdig. Im Block fährt man Bus.


Herz der Bezirkspolitik: Rathaus Reinickendorf

Treppe runter und weiter. Die Station Rathaus Reinickendorf wurde im Zuge der Verlängerung der U8 1994 eröffnet. Foto: Imago Images/Westend61
Treppe runter und weiter. Die Station Rathaus Reinickendorf wurde im Zuge der Verlängerung der U8 1994 eröffnet. Foto: Imago Images/Westend61

Hier fließt das Wasser durch den kleinen Nordgraben, der die Panke mit dem Tegeler See verbindet. Ruhig ist es in Wittenaus Zentrum, wo unaufgeregt Bezirkspolitik gemacht wird. Das Rathaus Reinickendorf ist eines der schönsten Rathäuser Berlins – und jenseits von schnöder Bürokratie wird man hier hin und wieder auch gut unterhalten. Der Ernst-Reuter-Saal ist über die Bezirksgrenzen hinaus als Veranstaltungsort bekannt. Dass Berlins Rathäuser architektonisch ganz schön was reißen können, beweisen wir euch hier.


Du bist verrückt, mein Kind. Du musst nach Berlin: in die Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik

Umstieg in die S-Bahn: An der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik gibt es viele Hinweise darauf, dass die Station einst Wittenau hieß. Foto: Imago Images/Jürgen Ritter
Umstieg in die S-Bahn: An der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik gibt es viele Hinweise darauf, dass die Station einst Wittenau hieß. Foto: Imago Images/Jürgen Ritter

Kaum ein Ort in Berlin ist so eng mit der Geschichte der Psychiatrie verknüpft wie Wittenau. Das ehemals als Dalldorf bekannte Örtchen wurde im 19. Jahrhundert zum Standort der „Dalldorfer Irren- und Idioten-Anstalt“ – und somit zum Synonym für „verrückt“. Die Bedeutung ging nahtlos auf den neuen Ortsnamen über. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Klinikum dann nach dem Psychiater Karl Bonhoeffer benannt, umgangssprachlich hieß West-Berlins wichtigste psychiatrische Einrichtung auch „Bonnies Ranch“.

Das ist Geschichte, wie die gesamte Klinik: 2006 wurde sie weitestgehend geschlossen, in Gebrauch sind einzelne Trakte noch als Krankenhaus für den Maßregelvollzug, auch eine Unterkunft für Geflüchtete befindet sich hier. Einfach so herumspazieren kann man hier also nicht, auch wenn die klassizistischen Backsteinbauten wirklich schön sind. Ihr wollt Tipps und Empfehlungen für unsere Lieblingsorte in Reinickendorf? Hier entlang.


Bahnhof mit Logenplatz: Lindauer Allee

Die Lindauer Allee ist eine der schönsten U-Bahn-Stationen Berlins. Hier kann man von oben auf die Züge der U8 schauen. Foto: Imago Images/Olaf Wagner
Die Lindauer Allee ist eine der schönsten U-Bahn-Stationen Berlins. Hier kann man von oben auf die Züge der U8 schauen. Foto: Imago Images/Olaf Wagner

Ein Bahnhof mit einer eigenen Loge, von der man die ankommenden und abfahrenden Züge bewundern kann, als ob die Gleise ihre Bühne wären – das hat Seltenheitswert in Berlin. Bunt gekachelt und mit stilisierten Lindenbäumen versehen, ist der Bahnhof Lindauer Allee ein Kleinod auf der U8-Strecke. Eröffnet wurde die Station 1994 im Zuge der Verlängerung nach Norden. Wie fast bei jedem Bahnhof des Streckenabschnitts hatte hier Rainer Rümmler seine Hände im Spiel, der den Berliner Untergrund geprägt hat wie niemand sonst nach 1945.


Paracelsus-Bad: Die U8 am Wasser

Gestaltet wie eine römische Therme: die U8-Station Paracelsus-Bad. Foto: Imago Images/Steinach
Gestaltet wie eine römische Therme: die U8-Station Paracelsus-Bad. Foto: Imago Images/Steinach

1987 wurde diese Haltestelle eröffnet, bis zur Verlängerung der U8 nach Wittenau war hier Schluss. Die Station ist ein Schmuckstück, das Art Deco mit dem Look einer römische Badeanstalt verbindet. Ihrem Namen macht die Station alle Ehre, auch wenn hier nur der Verkehr fließt und die Tunnel noch nie geflutet worden sind. Aber das namensgebende Paracelsus-Bad ist ganz um die Ecke, wird jedoch seit 2019 saniert. Ihr sehnt euch nach Wasser? Einen Überblick über die Schwimmbäder in Berlin haben wir hier für euch.


Von der Residenzstraße raus zum Welterbe

Die U8-Haltestelle Residenzstraße setzt sich mit historischer Gestaltung auseinander. Foto: Imago Images/Steinach
Die U8-Haltestelle Residenzstraße setzt sich mit historischer Gestaltung auseinander. Foto: Imago Images/Steinach

Der U8-Bahnhof Residenzstraße ist ein Zeugnis des Offensichtlichen: Rainer Rümmler ließ sich vom Namen inspirieren und überlegte, wie Berlin als Residenzstadt eigentlich aussieht. Römisch ist es hier unten also, mit antik anmutender Wandmalerei und einer Farbgebung, die an vergilbtes Papier erinnern soll. Und auch die Deckenbeleuchtung macht Lust auf königliche Pracht: Sie erinnert an große Residenzsäle. Wenn ihr hier aussteigt, warten aber weder finstere Festungsarchitektur noch Schlösser auf euch, sondern klare Kanten und schlichte Fassaden: Die Weiße Stadt ist eine makellose Bauhaus-Siedlung und seit 2008 UNESCO-Welterbe.


Franz-Neumann-Platz (Am Schäfersee)

Der Franz-Neumann-Platz ist die letzte U8-Station in Reinickendorf. Foto: Wikimedia/Phaeton1
Der Franz-Neumann-Platz ist die letzte U8-Station in Reinickendorf. Foto: Wikimedia/Phaeton1

Kreisrund ist der Schäfersee, ein Überbleibsel aus der Eiszeit. Eine Badestelle wie Anfang des 20. Jahrhunderts sucht man hier zwar vergeblich, dafür ist die Gegend rund um den See mit Gartendenkmälern, Kleingartenanlagen und einer Bücherei sehr sehenswert. In der Nähe findet ihr außerdem mit dem Otaku-Store ein Paradies für Manga-Liebhaber*innen.


Hinter der Bezirksgrenze: Osloer Straße

Norwegens Flagge schmückt den Bahnhof Osloer Straße. Foto: Imago Images/Impress-Pictures
Norwegens Flagge schmückt den Bahnhof Osloer Straße. Foto: Imago Images/Impress-Pictures

Das Design der U8-Station Osloer Straße könnte man nun für uninspiriert halten, aber die Wandverkleidung im Norwegen-Look ist immerhin eindeutig. Hier könnt ihr von der U8 in die U9 umsteigen oder euch oberirdisch herumtreiben. Reinickendorf habt ihr jetzt hinter euch gelassen. Draußen wartet das Bezirksamt Wedding auf euch, wenn ihr mal wieder einen neuen Personalausweis braucht. Nicht eure Idee von perfekter Freizeitbeschäftigung? Für den wilden Wedding, den einige für Berlins coolsten Bezirk halten, haben wir hier die besten Tipps.


Pankstraße: Raus auf die Prinzenallee

Am U-Bahnhof Pankstraße steigt ihr aus, wenn ihr euch in den Trubel an der Prinzenallee stürzen wollt. Foto: Imago Images/Bonn-Sequenz
Am U-Bahnhof Pankstraße steigt ihr aus, wenn ihr euch in den Trubel an der Prinzenallee stürzen wollt. Foto: Imago Images/Bonn-Sequenz

1977 wurde diese Station eröffnet, die Wände sind mit schlichten braunen Fliesen gekachelt. Glamourös ist es nicht an der Pankstraße, die von drohenden Krisen der Vergangenheit erzählt: Die ganze Anlage wurde für Kriege und Katastrophen optimiert, neben den Gleisen finden sich hier unten Bunker mit Frischluftzufuhr und Platz für mehr als 3000 Menschen. So schlimm ist es draußen aber gar nicht: Die Prinzenallee hat ihre ganz eigenen Vorzüge. Und etwas abgelegen am Ufer der Panke findet ihr einen der schönsten Orte für Bücherfans in Berlin: die Bibliothek am Luisenbad.


Gesundbrunnen: Das Nordkreuz

Diese Farbe begegnet euch an der U8 öfter. Foto: Imago Images/Jürgen Schwarz

Gesundbrunnen, das klingt wie Jungbrunnen, wie Abschied von allen Probleme, wie ewige Jugend. So ganz stimmt das nicht, das werden alle bestätigen, die hier in die S-Bahn umgestiegen sind. Wer gesund, aber planlos lebt, dürfte hier öfter aussteigen, denn an der Station Gesundbrunnen gibt es einen Bio-Supermarkt, der auch sonntags öffnet.

Als die AEG 1907 mit ihren U-Bahn-Planungen begann, stand Gesundbrunnen im Zentrum: Von hier sollten die Züge bis nach Rixdorf fahren, auch wenn der ambitionierte Plan erst umgesetzt wurde, als Berlin dem Konzern die Leitung wieder entzog. Die AEG-Schnellbahn wurde liquidiert, 1926 gingen die Bauarbeiten an der GN-Bahn – Gesundbrunnen-Neukölln – schließlich weiter. 1930 war die Station endlich am Netz. Um die Ecke gibt es den wunderschönen Humboldthain zu erkunden, der von Rosengarten über Weltkriegsbunker bis Wald wirklich alles bietet.


Voltastraße: Die Anfänge der Berliner U-Bahn

Historisches Namensschild am U-Bahnhof Voltastraße. Foto: Imago Images/PEMAX
Historisches Namensschild am U-Bahnhof Voltastraße. Foto: Imago Images/PEMAX

Volt, das ist die Maßeinheit für elektrische Spannung. Benannt ist sie nach dem italienischen Physiker Alessandro Volta, der als Erfinder der Batterie gilt. Die beste Adresse also für den einst gigantischen, heute nicht mehr existenten Elektro-Konzern AEG. Die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft hatte rund um Brunnen- und Voltastraße ihr Werksgelände. Der backsteinerne Komplex ist denkmalgeschützt, saniert und heute von Start-ups besiedelt. Unterhalb der Anlage fährt die U8 – und schon im 19. Jahrhundert wurde hier ein Versuchstunnel für U-Bahnen angelegt.


Bernauer Straße: Mauerpark und Mauerdenkmal an der U8

Am U-Bahnhof Bernauer Straße erinnert viel an die Mauer. Foto: Imago Images/Steinach
Am U-Bahnhof Bernauer Straße erinnert viel an die Mauer. Foto: Imago Images/Steinach

Zur Zeit der deutschen Teilung verlief die U8 mitten durch die Hauptstadt der DDR – entsprechend selten wurde sie genutzt. Die Pankstraße gehörte noch zum Westen, an der Bernauer Straße begann Ost-Berlin, die Züge der U8 fuhren ohne Halt durch den Geisterbahnhof. Aber nicht nur im Untergrund ist dies ein Ort der Geschichte. Oben findet ihr auf dem ehemaligen Grenzstreifen zwischen Prenzlauer Berg und Wedding heute eine der beliebtesten Touristenattraktionen der Stadt: den Mauerpark, der üblicherweise jeden Sonntag Menschenmassen zum Flohmarkt zieht. Wer genug von Karaoke, Falafel und Trödelwaren hat, stürzt sich vollends in die Geschichte: An der Bernauer Straße findet ihr eine der bewegendsten Open-Air-Ausstellungen der Stadt, die Gedenkstätte Berliner Mauer.


Rosenthaler Platz: Mitte von der besten Seite

Gar kein richtiger Platz, sondern eine Kreuzung: der Rosenthaler Platz. Gut aufhalten kann man sich hier trotzdem. Foto: Imago Images/Rosenthaler Platz
Gar kein richtiger Platz, sondern eine Kreuzung: der Rosenthaler Platz. Gut aufhalten kann man sich hier trotzdem. Foto: Imago Images/Rosenthaler Platz

Auch der Grenander-Bahnhof Rosenthaler Platz war während der Teilung gesperrt, die Zugänge verschlossen. Die U8 auf dem Weg in den Wedding fuhr einfach durch. Seit 1990 kann man hier vor orangefarbenen Fliesen auf die U-Bahn warten. Ein literarisches Denkmal setzte Alfred Döblin dieser Gegend, sein bahnbrechender Roman „Berlin Alexanderplatz“ nimmt auch die Bauarbeiten an der U-Bahn auf. Über den U-Bahn-Schienen zeigt sich Mitte von seiner besten Seite: Mit St. Oberholz, dem Kaffee Burger und der Verlagszentrale von Suhrkamp finden wir, dass die Torstraße Tolles bereithält. Aber ganz glücklich sind wir nicht, denn rund um den Rosenthaler Platz herrscht viel zu oft auch Ballermann-Atmosphäre.


Weinmeisterstraße: Flagship-Stores und Hinterhöfe

Während der Teilung war die Weinmeisterstraße einer der Geisterbahnhöfe der U8. Foto: Imago Images/Steinach
Während der Teilung war die Weinmeisterstraße einer der Geisterbahnhöfe der U8. Foto: Imago Images/Steinach

Der U-Bahnhof Weinmeisterstraße, zu DDR-Zeiten geschlossen, kommt im klassischen Grenander-Design daher. Kennfarbe der Fliesen: blau. Steigt ihr an dieser Station aus, hilft es, wenn der Geldbeutel etwas lockerer sitzt: Ihr findet dann nämlich hier in Mitte rund um die Alte und Neue Schönhauser Straße in jedem Erdgeschoss lohnenswerte Geschäfte. Wenn ihr zu den Menschen gehört, die um Schaufenster lieber einen Bogen machen, haben wir ein paar andere Empfehlungen für euch. Von der Weinmeisterstraße aus kann nämlich die Entdeckungstour in die schönsten Hinterhöfe von Mitte beginnen.


Alexanderplatz: Mit der U8 ins Zentrum der Stadt

Berlins größter U-Bahnhof. Foto: Imago Images/Olaf Wagner
Berlins größter U-Bahnhof. Foto: Imago Images/Olaf Wagner

Berlins größter U-Bahnhof ist der Alexanderplatz, wo die S-Bahn-Linien auf den Untergrund treffen. Die Gleise der U8 wurden erst am 18. April 1930 eröffnet, schon Jahre vorher fuhren hier Züge der U2 und der U5. Der Alex ist nicht nur eins der Zentren der Stadt, sondern mit Fernsehturm und Weltzeituhr auch Tourismus-Hotspot. Nicht alle Besucher*innen sind begeistert von den Sehenswürdigkeiten: „Sollte in Kevinplatz umbenannt“ und aus Berlin ausgemeindet werden, schlagen sie in Google-Bewertungen vor.


Jannowitzbrücke an der Spree

Historische Brückenansicht an den Gleisen der U8. Foto: Imago Images/PEMAX
Historische Brückenansicht an den Gleisen der U8. Foto: Imago Images/PEMAX

Die U-Bahn-Station Jannowitzbrücke hat als Kennfarbe leuchtendes Gelb, statt Werbung sieht man an den Wänden vereinzelt auch historische Stadtansichten – die historische Jannowitzbrücke etwa. Zwischen Hochhäusern und Bausünden wie dem Alexa gibt es hier im Winter nicht viel bemerkenswertes. Im Sommer hingegen macht sich die Lage am Wasser bezahlt. Dann eröffnet hier eine der schönsten Strandbars Berlins.


Heinrich-Heine-Straße: Mit der U8 in die Nacht

Döner, Club, U-Bahn: alles da. Foto: Imago Images/PEMAX
Döner, Club, U-Bahn: alles da. Foto: Imago Images/PEMAX

„Zu Aachen langweilen sich auf der Straß // die Hunde, sie flehn untertänig: // Gib uns einen Fußtritt, o Fremdling, das wird // vielleicht uns zerstreuen ein wenig“, schrieb Heinrich Heine in „Deutschland. Ein Wintermärchen“. Die seit 1960 nach dem Dichter benannte Berliner Straße ist hingegen kein bisschen wie Aachen, sondern einer der aufregendsten Orte der Stadt. Den ehrwürdigen Techno-Tempel Tresor und das zwischenzeitlich zur Schnellteststelle umgebaute Kitkat findet man hier. Ein Blick in die Google-Bewertungen verrät, wie gut, schlecht und schräg die Clubs wirklich ankommen.


Im Aufbau: Der Moritzplatz

Das Aufbau Haus am Moritzplatz. Foto: Imago Images/Steinach
Das Aufbau Haus am Moritzplatz. Foto: Imago Images/Steinach

Peter Behrens, einer der Pioniere des modernen Industriedesigns, lieferte die Pläne für den U-Bahnhof Moritzplatz, durch den nicht nur die U8 rauscht, sondern auch ein nie genutzter Umsteigebahnhof für eine nie verwirklichte U-Bahn zwischen Moabit und Treptow verstaubt. Über den Gleisen liegt der Moritzplatz, für den der Berliner Senat in den 1970er-Jahren „Licht, Luft und Sonne“ versprach – und die Sanierung mit der Abrissbirne vorantrieb. Jahrzehntelang war das Areal von Brachflächen geprägt, und der Aufbau ist längst nicht abgeschlossen. Apropos: Der Berliner Aufbau Verlag hat sich hier einen Verlagssitz gebaut. Im Aufbau Haus kommen nicht nur Bücher unter, sondern auch der Design-Shop Modulor.


Kottbusser Tor: Härter wird’s nicht

Der Schmutz gehört zur Marke: U-Bahnhof Kottbusser Tor. Foto: Imago Images/PEMAX
Der Schmutz gehört zur Marke: U-Bahnhof Kottbusser Tor. Foto: Imago Images/PEMAX

Eine Fahrt mit der U8 ist eine Sightseeing-Tour entlang der härtesten Orte der Stadt. Einer der Tour-Höhepunkte ist das Kottbusser Tor, eine der vielseitigsten und widersprüchlichsten Gegenden Berlins. Leben am Kotti ist Leben am Limit. Der Gemüsestand öffnet meistens länger als der Supermarkt mit Kellergeschoss, und von den hohen Häusern blickt ihr auf Moscheen, Bars, urbanen Irrsinn und die Schienen der Hochbahn. Ihr könnt gut umsteigen, um mehr von Kreuzberg zu sehen oder um Friedrichshain zu entdecken.


Vielleicht doch – am U-Bahnhof Schönleinstraße

Am Kottbusser Damm geht’s runter zu diesem Bahnhof der U8. Foto: Imago Images/Rolf Kremming
Am Kottbusser Damm geht’s runter zu diesem Bahnhof der U8. Foto: Imago Images/Rolf Kremming

Welcher U-Bahnhof in Berlin wirklich der abgefuckteste ist, darüber lässt sich streiten. Aber die Station Schönleinstraße an der U8 ist auf jeden Fall weit oben mit dabei. Steigt man hier öfter ein oder aus, wird man Profi darin, demonstrativ wegzusehen, wenn Crack geraucht wird. Und die Station, die bis 1992 Kottbusser Damm hieß, hat traurige Berühmtheit erlangt, weil Angriffe auf Menschen ohne Wohnung hier keine Seltenheit sind. Was ihr tun und wo ihr euch melden könnt, um Obdachlosen zu helfen, erklären wir hier.

So trüb wie im Untergrund ist hier aber längst nicht alles. Um die Ecke findet ihr den Graefekiez, und direkt am Kanal verwandelt sich das Maybachufer oft in einen Wochenmarkt.


Hermannplatz: Willkommen in Neukölln

Ein Zug der U7 am Hermannplatz. Hier könnt ihr umsteigen. Foto: Imago Images/Travel-Stock-Image
Ein Zug der U7 am Hermannplatz. Hier könnt ihr umsteigen. Foto: Imago Images/Travel-Stock-Image

Heute sind es Internetkonzerne wie Amazon und Zalando, die Berlin ihre Vorstellungen von Architektur aufdrängen. Am Hermannplatz hingegen spürt man noch ein wenig von der Macht, die vor 100 Jahren bei den Besitzern großer Warenhausketten konzentriert lag. Im Fall von Karstadt ging das so weit, dass sich die (tatsächlich spektakuläre!) Filiale am Hermannplatz gleich eine eigene U-Bahn-Station wünschen konnte. Das ist alles verblichener Glanz, dem Charme alter Warenhäuser spüren wir hier nach. Ganz gut einkaufen kann man hier aber immer noch. Wer nicht auf Kaufhaus-Atmosphäre steht, macht einen Abstecher in den Reuterkiez. Rund um die Weserstraße gibt es Unmengen lohnenswerter Geschäfte.


Von der Boddinstraße in den Schillerkiez

Unter der Hermannstraße verläuft der letzte Abschnitt der U8. Foto: Imago Images/Travel-Stock-Image
Unter der Hermannstraße verläuft der letzte Abschnitt der U8. Foto: Imago Images/Travel-Stock-Image

Der U-Bahnhof Boddinstraße ist schlicht in der Farbe Blau gehalten und mit historischen Ansichten der Kindl-Brauerei und des Kiezes verziert. Den Macher*innen der Thrillerserie „Dogs of Berlin“ war Lokalkolorit egal. Sie nutzten den Eingang als Kulisse für ihren Kreuzberger Fantasie-Ortsteil „Kaiserwarte“ und vergaßen darüber Neukölln komplett.

Wir schicken euch von hier in den Schillerkiez: ein schmuckes Altbauviertel, in dem sich aber auch noch Traditionsgeschäfte wie der Zauberkönig halten können. Hermann Boddin, Rixdorfer Bürgermeister bis zu seinem Tod 1907, soll vom Bau des Viertels persönlich profitiert haben. Er war es auch, der die Umbenennung von Rixdorf in Neukölln vorangetrieben hat. Und obwohl die Hermannstraße nach dem Cherusker-Fürsten Arminius benannt ist, betrachtet man in Neukölln Boddin als Namenspaten.


Mit der U8 zum Tempelhofer Feld: U-Bahnhof Leinestraße

Aussteigen, wenn ihr zum Feld wollt. Foto: Wikimedia/A. Savin
Aussteigen, wenn ihr zum Feld wollt. Foto: Wikimedia/A. Savin

Der U-Bahnhof Leinestraße wurde 1929 eröffnet, bis 1996 bildete er die Endhaltestelle der Strecke. Wenn ihr euch in der Stadt nach endlosen Weiten sehnt, solltet ihr hier aussteigen. Durch den Anita-Berber-Park oder die Leinestraße kommt ihr geradewegs auf das ehemalige Flughafengelände, das Flaniermeile, Rennstrecke und Spielplatz ist. Wir stellen euch 12 Tempelhofer-Feld-Typen vor, die ihr immer trefft. Ob ihr wollt oder nicht.


Anfang und Ende: Hermannstraße

Endstation der U8: Hermannstraße mit Illustrationen von Felix Scholz. Foto: Wikimedia/Denis Apel
Endstation der U8: Hermannstraße mit Illustrationen von Felix Scholz. Foto: Wikimedia/Denis Apel

Endstation! Oder zurück an den Anfang. An der Hermannstraße – die Station sollte nicht mit dem Hermannplatz verwechselt werden – findet ihr ein kleines Einkaufszentrum, die Gleise der Ringbahn – und seit der Sanierung 2013/14 auch Malereien des Illustrators Felix Scholz, der aus dem U-Bahnhof einen Großstadtdschungel gemacht hat. Wir haben eine ganze Menge Tipps für Neukölln für euch, wenn ihr hier aussteigen wollt. Vielleicht nehmt ihr den nächsten Bus und besucht den Britzer Garten. Oder ihr bleibt einfach sitzen und fahrt die Strecke noch einmal. Jede Fahrt ist anders, aber manches ändert sich nie. Das merkt man auch, wenn man unsere 24-Stunden-Reportage über die U-Bahn von 2011 liest.


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