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Humboldt Forum im Berliner Schloss: Alles zum neuen Kulturzentrum

Mit dem Wiederaufbau des Berliner Schlosses hat Berlin ein neues, altes Wahrzeichen erhalten. Das neue Humboldt Forum, ein Museumskomplex und Haus für Kulturveranstaltungen, nutzt die Räume des teils rekonstruierten, teils zeitgenössisch gestalteten Gebäudes. In den Räumen des neuen Museumskomplexes zeigt die Stiftung Humboldt Forum Ausstellungen zur Geschichte Berlins sowie zu außereuropäischen Kulturen und Künsten.

Hier findet ihr Wissenswertes und Besucherinfos sowie mehr über die spannende Geschichte des Berliner Schlosses – von Preußen über den Palast der Republik bis zum Humboldt Forum heute.

Ein neues, altes Wahrzeichen für Berlin: Direkt an der Spree im Mitte befindet sich das Berliner Schloss, teils historisch rekonstruiert, teils zeitgenössisch neu konzipiert. Foto: Imago/imagebroker

Vor Jahrhunderten lebten im Berliner Schloss preußische Fürsten

Geschichte Eine der feinsten Adressen der Stadt war die längste Zeit Sitz der preußischen Monarchen. Auf der Spreeinsel legte im 15. Jahrhundert Friedrich II. den Grundstein für eine mittelalterliche Burg. Der Kurfürst sah sich mit einer Charaktereigenschaft der Stadtbevölkerung konfrontiert, die auch heute noch als typisch gilt: Widerwille. Die damalige Doppelstadt Berlin-Cölln wehrte sich vehement gegen den Neubau und den Verlust städtischer Autonomie. Im Zuge dessen wurde gar die Baugrube der Burg geflutet, doch trotzdem blieb der Widerstand weitestgehend folgenlos – und ging als „Berliner Unwille“ in die Geschichtsbücher ein.

Im 16. Jahrhundert wurde die Burg geschliffen und im Stil der Renaissance neu aufgebaut. Nach den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges verfiel die Anlage zusehends. Doch ab 1701 schmückten die preußischen Kurfürsten sich mit der Königswürde. Zwei Jahre zuvor beriefen die Preußen den Architekten Andreas Schlüter an den Hof.

Schlüter schuf mit dem Berliner Schloss ein Meisterwerk des Barock

Der Architektur-Star brachte neuen Glanz nach Berlin. Er steht nicht umsonst an erster Stelle in unserer Liste der berühmten Architekten des alten Preußen. Obwohl sich Andreas Schlüters Bauplan noch recht konservativ am alten Schloss orientierte, war das Ergebnis spektakulär. Vor allem wegen der aufwendigen Fassadengestaltung galt sein Schloss als Meisterwerk des Barock im Norden Europas. Vorbilder waren der Pariser Louvre und der Palazzo Madama in Rom.

Nach Schlüters Zeit als Schlossbaumeister übernahm Johann Friedrich Eosander den Posten. Zwar konnten beide Architekten ihre Pläne mit zahlreichen weiteren Flügeln nicht vollständig verwirklichen, Zentrum des höfisch-kulturellen Lebens der Stadt wurde das Schloss dennoch.

Berliner Stadtschloss: "Ansicht des Schlüterhofs des Berliner Schlosses", Gemälde von Eduard Gaertner, 1830.
„Ansicht des Schlüterhofs des Berliner Schlosses“ von Eduard Gaertner. Das Gemälde zeigt den Hof des Berliner Schlosses um 1830.

Im 19. Jahrhundert wurde die Berliner Stadtplanung dann ganz der Residenz der Hohenzollern-Monarchie untergeordnet. Das Schloss war nicht nur Abschlusspunkt der Prachtstraße Unter den Linden, sondern mit Neptunbrunnen, Dom-Neubau, Schinkels Schlossbrücke und weiteren klassizistischen Bauwerken in direkter Umgebung ein Ensemble mit herrschaftlicher Strahlkraft.

Das Berliner Schloss überdauerte die Monarchie

1914 hielt Kaiser Wilhelm II. vom Balkon des Schlosses eine Rede, um die Deutschen auf den Weltkrieg einzuschwören, den sie bekanntlich verlieren sollten. Vier Jahre später rief Karl Liebknecht vor ebendiesem Schloss die sozialistische Räterepublik aus. Die konnte sich zwar gegen die von Philipp Scheidemann proklamierte bürgerliche Republik durchsetzen, eines stand jedoch fest: Mit der Monarchie war es vorbei. Entsprechend wandelte sich auch die Nutzung der Immobilie: Das Stadtschloss wurde in den 1920er-Jahren von der kaiserlichen Residenz zum Kunstgewerbemuseum.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Berliner Schloss zerstört. Die DDR-Führung ließ die übrige Ruine sprengen. Die Umgestaltung Ost-Berlins sollte auch vor dem Symbol preußischer Königsherrschaft nicht Halt machen. Obwohl zahlreiche Vertreter:innen aus Kunst und Kultur protestierten, ließ sich Walter Ulbricht vom Abriss nicht abbringen. Für Berlin-Mitte hatte der SED-Politiker andere Pläne.

Auf dem Gelände entstand ein großer Platz für Kundgebungen sowie ein Neubau, der mit seiner modernistischen Glasfassade den größtmöglichen Kontrast zum Stadtschloss bildete: Der Palast der Republik. Das Gebäude war eines vieler wegweisender Werke von DDR-Architekten in Berlin.

Der Palast der Republik im Jahr 1990. Foto: imago images/Herb Hardt
Der Palast der Republik im Jahr 1990. Imago/Herb Hardt

Große Pläne: Wiederaufbau des Berliner Schlosses nach Plänen von Franco Stella

Nach der Wende war die Zukunft des heutigen Schloßplatzes (damals noch Marx-Engels-Platz) ungewiss. Der Umgang mit dem Palast der Republik war von kontroversen Debatten begleitet. Am Ende setzten sich die Kritiker:innen des DDR-Erbes durch: Ab 2006 wurde der zu diesem Zeitpunkt bereits entkernte Bau abgerissen. Der Palast der Republik ist somit eines von vielen Gebäuden, die aus dem Stadtbild verschwunden sind. Der Wiederaufbau des Berliner Schlosses, schon 1992 im Bundestag beschlossen, begann 2013.

Südfront des rekonstruierten Berliner Schlosses. Auf dem Bild ist zu sehen, wie das historische Kreuz auf die Kuppel verfrachtet wird. Foto: David von Becker
Die Südfassade des rekonstruierten Berliner Schlosses. Auf dem Bild ist zu sehen, wie das historische Kreuz im Zuge des Neuaufbaus auf die Kuppel gehoben wird. Foto: David von Becker

Dabei ist das heutige Berliner Schloss zu großen Teilen eine Neuschöpfung: Der italienische Architekt Franco Stella konnte sich 2008 in einem internationalen Wettbewerb mit seinem Entwurf durchsetzen – eine Mischung aus Rekonstruktion und Formsprache der Gegenwart.

Vom preußischen Schloss bleibt neben der Kuppel die Fassade. Diese wurde jedoch nicht vollständig rekonstruiert. Die Süd-, West- und Ostfassade des Hauses orientieren sich am barocken Original, während die Nordseite zur Spree hin schlicht, grau und mit großen Fenstern zeitgenössisch gestaltet ist. Stellas Baukonzept lebt nicht nur von diesen architektonischen Kontrasten, sondern vor allem von der Idee der Piazza. Sein Berliner Schloss soll ein Begegnungsraum sein. Kein Wunder also, dass sich mitten durch den Bau eine Passage für Fußgänger:innen zieht.

Bewusster Stilbruch: Die Fassade des Gebäudes ist einerseits eine Rekonstruktion der barocken Architektur des Berliner Schlosses, andererseits eine moderner Neubau der zeitgenössischen Architektur. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Das Humboldt Forum im Berliner Schloss

Das Berliner Schloss heißt seit seinem Neuaufbau Humboldt Forum: Ein neues Haus für die Museumsinsel, die somit um neue Ausstellungsräume erweitert wurde. Namenspaten sind Wilhelm und Alexander von Humboldt. Die ungleichen Brüder aus Preußen prägten das wissenschaftliche Leben Deutschlands nachhaltig: Wilhelm von Humboldt als bahnbrechender Philologe, sein Bruder Alexander als Naturforscher und Universalgelehrter, dessen Forschungsreisen ihn nach Südamerika und Asien führten.

Erste Einblicke, zumindest digital, gab das Haus im Dezember 2020. Seit Juli 2021 ist das Haus geöffnet. Wir stellen euch die die Ausstellungen zu Berlin und zur Wissenschaftsvermittlung vor, mit denen das Humboldt Forum startete. Unter dem Dach des Humboldt Forums befinden sich nun auch das Ethnologische Museum Berlin, das Museum für Asiatische Kunst, Teile der bislang in Dahlem untergebrachten Sammlungen der außereuropäischen Kunst und eine Ausstellung zur Geschichte Berlins. Aktuelle Veranstaltungen und Ausstellungen findet ihr im Programm des Humboldt Forums.

Das Humboldt Forum wurde 2021 endlich eröffnet. Doch Diskussionen um das kolonialistische Erbe überschatteten die Eröffnung des neuen Berliner Wahrzeichens. Foto: Imago/Zoonar

Neben der Debatte um die Bedeutung preußischer Wahrzeichen im 21. Jahrhundert ist das neue Museum seit seiner Idee ein Ort für weitere wichtige Diskussionen: Wie funktioniert postkoloniales Kuratieren? Und wie umgehen mit der Restitutionsdebatte? Wem gehört also die Kunst, die in Europa gezeigt wird, aber nicht aus Europa stammt? Kritiker:innen fordern eine Rückgabe von Ausstellungsobjekten, die im kolonialistischen Kontexten von Europäern geraubt wurden. Das Humboldt Forum und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz stellen unzählige solcher Objekte aus. Zum Umgang mit Raubkunst im Humboldt Forum lest ihr hier einen Kommentar.

Der Abriss des Berliner Schlosses als Teil seiner Geschichte

Fun Fact Die Berliner Filmemacherin und Autorin Marion Pfaus alias Rigoletti M sieht nicht das Berliner Schloss selbst als schützenswertes Kulturgut, sondern hat etwas ganz anderes als deutsche Tradition ausgemacht: Abriss, Wiederaufbau, Wiederabriss. Sie sammelt seit Jahren Spenden für die Beseitigung des mehrfach um-, ab- und aufgebauten Gebäudes. Unter dem Motto „Rückbau21“ lädt sie zur feierlichen Stadtschloss-Sprengung ein – zum Jubiläum im Jahr 2050.

Im Innenhof des Schlosses gibt es auch gastronomische Angebote. Foto: Imago/Zoonar

Wichtige Infos für den Besuch des Berliner Schlosses

Öffnungszeiten Das Berliner Schloss kann von außen jederzeit besichtigt werden. Hof, Terrassen und Passage sind dauerhaft zugänglich. Das Humboldt Forum ist Montag, Mittwoch und Donnerstag von 10 bis 20 Uhr geöffnet, freitags und samstags sogar bis 22 Uhr. Dienstag ist Ruhetag. Bitte prüft vorher, ob ein spontaner Besuch möglich ist oder ihr Zeitfenstertickets buchen müsst. Praktische Infos zum Besuch findet ihr hier.

Auf dem Dach des Schlosses findet sich ein offener Bereich, von dem aus Gäste Berlin sehen können. Zudem gibt es Gastronomie im Schloss, im Sommer kann auch gut im Innenhof gegessen und Café getrunken werden.

Anfahrt Das Berliner Schloss erreicht man in Mitte am besten zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Am Bequemsten erreicht man das Humboldt Forum mit der neu verlängerten U-Bahn-Linie U5: Mitte 2021 eröffnete direkt am Schloss die U-Bahnstation Museumsinsel. Alternativen sind die S-Bahnen (Station Alexanderplatz) der Linien S3, S5, S7 und S9, die U-Bahnen der Linien U2 und U8 (Station Alexanderplatz), die Tramlinien M1, M4, M5, M6 (Station S+U Alexanderplatz Bhf/Gontardstraße) sowie die Tramlinie M2 (S+U Alexanderplatz Bhf/Dircksenstraße). Vom Alexanderplatz muss man allerdings noch einen Fußweg in Kauf nehmen. Direkt ans Berliner Schloss fahren die Buslinien 100, 245 und 300 (Station Lustgarten).

In der Nähe Rund um das Berliner Schloss finden sich viele weitere Sehenswürdigkeiten. Direkt gegenüber steht der Berliner Dom. Hier findet ihr alle wichtigen Infos über die Museumsinsel. Zudem natürlich der Fernsehturm und das wunderschöne Nikolaiviertel.

  • Humboldt Forum im Berliner Schloss Schloßplatz, Mitte. Weitere Informationen online; Tel. 030/265 95 00


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Jährlich strömen tausende Besucher:innen zu den Sehenswürdigkeiten in Berlin. Alle Infos zu den Attraktionen der Stadt sammeln wir auf unserer Themenseite Sehenswürdigkeiten. Das sind die zwölf wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt. Macht mehr aus eurer Freizeit mit unseren Ausflugstipps für Berlin. Wenn euch das Humboldt Forum zu modern ist, dann besucht doch das anmutige Schloss Charlottenburg. Oder den Gendarmenmarkt, der wohl schönste Platz Berlins. Alles Wissenswerte über die Bauwerke der Stadt findet ihr in unserem Architektur-Guide für Berlin.

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