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Das Bundeskanzleramt: Geschichte, Wissenswertes und Besucherinfos

Willkommen im womöglich wichtigsten Gebäude Berlins: das Bundeskanzleramt ist das Zentrum der Macht. Die gleichnamige Bundesbehörde hat die Aufgabe, die Bundeskanzlerin in ihrer Arbeit zu unterstützen. Das wuchtige, weiße Gebäude in Tiergarten ist der erste Dienstsitz der Behörde – und damit der Arbeitsplatz der Bundeskanzlerin und des Chefs des Bundeskanzleramts.

Das Bundeskanzleramt in Berlin. Foto: Imago Images/Joko
Das Bundeskanzleramt in Berlin. Das große Gebäude ist der Leitungsbau, daneben die Bürotrakte. Vor dem Leitungsbau liegt der Ehrenhof. Foto: Imago Images/Joko

Am 2. Mai bezog der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die Büroräume. Damit war der Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin abgeschlossen. Seitdem werden im Berliner Bundeskanzleramt weltpolitische Entscheidungen getroffen – und nebenbei bricht das Gebäude einige Rekorde. Alles Wissenswerte, die Geschichte und die wichtigen Besucherinfos.

Das Kanzleramt in Berlin symbolisiert den Abschied von Bonn

Geschichte Das Bundeskanzleramt befand sich, wie der Rest der Regierung, lange Zeit nicht in Berlin, sondern in Bonn, der westdeutschen Hauptstadt. Dort diente das herrschaftliche Palais Schaumburg als Sitz des Bundeskanzleramts, daneben ein bewusst schlicht gehaltener 1970er-Jahre-Neubau, der für die ästhetische Bescheidenheit einerseits gelobt wurde, andererseits auch harsche Kritik einstecken musste. Bundeskanzler Helmut Schmidt schimpfte über den „Charme einer rheinischen Sparkasse“.

Mit der Wiedervereinigung 1990 wurde Berlin wieder zur deutschen Hauptstadt, der Hauptstadtbeschluss des Bundestages regelte den Umzug von Regierung und Parlament nach Berlin. Entsprechend brauchte die Stadt auch ein neues Kanzleramt. Unter Helmut Kohl wurde der Neubau konzipiert und beschlossen. Architekten des Ensembles sind Axel Schultes und seine Büropartnerin Charlotte Frank, die bereits mit dem Kunstmuseum Bonn international Aufsehen erregt hatten.

Blick aufs Bundeskanzleramt in Berlin: Auf einer Fläche von 73.000m² befindet sich der größte Regierungssitz der Welt. Foto: Imago Images/snapshot
Blick aufs Bundeskanzleramt in Berlin: Auf einer Fläche von 73.000m² befindet sich das größte Regierungshhauptquartier der Welt. Foto: Imago Images/snapshot

Erster Spatenstich auf dem rund 73.000m² großen Gelände in Tiergarten war am 4. Februar 1997. Am 2. Mai 2001 konnte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder das monumentale Gebäude beziehen.

Das großflächig verglaste Gebäude überragt mit 36 Metern Höhe die meisten Gebäude Berlins. Die Traufhöhe in der Stadt liegt eigentlich bei 22 Metern. Rekordverdächtig ist aber nicht die Höhe, sondern die Fläche. Die Hauptnutzfläche des Kanzleramts beträgt 19.000m², es ist das größte Regierungshauptquartier der Welt – achtmal so groß wie das Weiße Haus.

Das Bundeskanzleramt ist ein Ort für Fernsehbilder

Das Kernstück des Ensembles ist der sogenannte Leitungsbau mit neun verschiedenen Ebenen. Ebenerdig befindet sich das Foyer, das vor allem für den Empfang von Gästen – und entsprechend publikumswirksame Bilder – konzipiert wurde. Überhaupt ist das Bundeskanzleramt als spektakuläre Kulisse gedacht. Die gesamte Gestaltung hat die mediale Berichterstattung im Blick, das Gebäude ist sowohl Büro als auch Kulisse.

In den weiteren Ebenen befinden sich Konferenzsäle für internationale Staatsgäste sowie Büros für Kabinettssitzungen, ein Informationsraum mit Bühne Sitzplätzen für Journalisten, Bankettsäle und Konferenzräume.

Das Bundeskanzleramt ist abhörsicher

In der siebten Etage befinden sich die Büroräume der Bundeskanzlerin mit Blick auf Reichstag und Brandenburger Tor sowie das Büro des Kanzleramtschefs.

Das vierte Stockwerk gilt als „Geheim-Etage“. Hier befindet sich nicht nur das besonders geschützte Archiv des Bundeskanzleramts, sondern auch ein abhörsicherer Raum, in dem der Krisenstab sich besprechen kann.

Die sogenannte Skylobby des Bundeskanzleramts – gute Aussicht und große Kunst. Rechts im Bild: Gerhard Richters "Eule". Foto: Imago Images/Jochen Eckel
Die sogenannte Skylobby des Bundeskanzleramts – gute Aussicht und große Kunst. Rechts im Bild: Gerhard Richters „Eule“. Foto: Imago Images/Jochen Eckel

Zwischen der siebten und achten Etage befindet sich die sogenannte Skylobby mit Sitzgelegenheiten und Ausblick auf das Reichstagsgebäude und andere Gebäude des Bundestags.

Ganz oben im Kanzleramt: eine Wohnung für die Regierungschefin

Auf der achten Etage liegen mit Blick nach Norden die Büros der Kulturstaatsinisterin. In Richtung Süden liegt das Kanzlerapartment: eine Wohnung für die Regierungschefin mit Schlafmöglichkeiten und einer kleinen Küche. Zuletzt hatte Gerhard Schröder die Räume genutzt. Bundeskanzlerin Angela Merkel zieht ihre Berliner Privatwohnung gegenüber der Museumsinsel vor.

Das Bundeskanzleramt als Ort für Kunst

Im Ehrenhof des Kanzleramts befindet sich die monumentale Eisenskulptur „Berlin“ des baskischen Bildhausers Eduardo Chillida. Sie bringt es auf ein Gewicht von mehr als 80 Tonnen.

Die Skulptur vor dem Bundeskanzleramt heißt schlicht "Berlin". Foto: Imago Images/POP-EYE
Die Skulptur vor dem Bundeskanzleramt heißt schlicht „Berlin“. Foto: Imago Images/POP-EYE

Die beiden Arme der Skulptur berühren sich beinahe, aber nicht ganz, und greifen so die Themenkomplexe von Annäherung und Trennung auf. Das Werk hat somit große Symbolwirkung für die Stadt Berlin und ganz Deutschland.

Im Bundeskanzleramt selbst befinden sich zahlreiche Kunstwerke aus unterschiedlichen Epochen. Werke von August Macke und Ernst Ludwig Kirchner, aber auch moderne Kunst, etwa von Gerhard Richter.

Die ehemaligen Bundeskanzler Deutschlands. V.l.n.r.: Gerhard Schröder, Helmut Kohl, Helmut Schmidt, Willy Brandt, Kurt Georg Kiesinger, Ludwig Erhard und Konrad Adenauer. Foto: Imago Images/IPON

Im ersten Stock liegt die „Ahnengalerie“, eine Bildgalerie mit Porträts bisheriger Bundeskanzler. Ehemalige Bundeskanzler wählen Künstler aus, um sich porträtieren zu lassen. Im Gegensatz zu den Leihgaben aus zahlreichen Museen sind diese Gemälde Eigentum des Kanzleramts.

„Waschmaschine?“ Nein, aber nah am Wasser

Fun Fact Über Berlin hält sich hartnäckig das Gerücht, die Menschen würden flapsige Namen für Gebäude erfinden – und auch nutzen. Bekanntestes Beispiel ist der „Telespargel“ für den Fernsehturm. Oder die „schwangere Auster“ für das Haus der Kulturen der Welt. Im Fall des Regierungssitzes sind angeblich „Elefantenklo“ oder „Waschmaschine“ geläufige Bezeichnungen. Tatsächlich sagt das niemand so, auch unter Einheimischen heißt das Gebäude schlicht Kanzleramt.

Blick von der Spree aufs Bundeskanzleramt. Foto: Imago Images/CHROMORANGE
Blick von der Spree aufs Bundeskanzleramt. Foto: Imago Images/CHROMORANGE

Wichtige Infos für Besucher

Öffnungszeiten Das Bundeskanzleramt ist nicht für Besucher geöffnet. Auf der Website des Kanzleramts gibt es die Möglichkeit eines virtuellen Rundgangs durchs Gebäude. Einmal im Jahr findet ein Tag der offenen Tür statt.

Anfahrt Zu Fuß ist das Bundeskanzleramt gut vom Hauptbahnhof Berlin aus zu erreichen. Dort halten die S-Bahn-Linien S3, S5, S7 und S9 sowie die Tramlinien M5, M6, M8 und M10. Die Buslinie 100 hält am Platz der Republik, nah am Bundeskanzleramt. Mit der U-Bahn der Linie U55 (Station Bundestag) kommt man zum Bundeskanzleramt.

In der Nähe Vom Bundeskanzleramt blickt man direkt auf das Reichstagsgebäude, den Sitz des Bundestags. Auch das Brandenburger Tor
und das Denkmal für die ermordeten Juden Europas sind ganz in der Nähe.

  • Bundeskanzleramt, Willy-Brandt-Straße 1, Tiergarten, weitere Informationen auf der Website des Bundeskanzleramts

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