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Gedenkstätte Berliner Mauer: Geschichte, Wissenswertes und Besucherinfos

Die Gedenkstätte Berliner Mauer erinnert an ein Bauwerk und dessen Geschichte. Denn die Berliner Mauer zerriss eine Stadt und war Symbol für die Teilung Deutschlands, Europas und eines Großteils der Welt. Auf der einen Seite standen der Westen und West-Berlin mit Kapitalismus, Ku’damm-Glitzer-Glitzer und Konsum. Auf der anderen waren der Osten und Ost-Berlin im Sozialismus, der eine gerechtere Welt versprochen hatte.

Heute erinnert die Gedenkstätte Berliner Mauer an die Mauer und die Todesopfer. Zum Areal gehören eine Dauerausstellung, Nachzeichnungen von Fluchttunneln und Führungen an die Mauer, besonders hervorgehoben wird die besondere Stellung der Bernauer Straße zur Zeit der Teilung. Wir geben euch alle wichtigen Infos zur Gedenkstätte Berliner Mauer und einen kurzen Abriss über die Geschichte der Grenzanlagen an der Bernauer Straße.

An der Bernauer Straße erinnert die Gedenkstätte Berliner Mauer an die Teilung und die Toten. Foto: Imago/Jürgen Ritter
An der Bernauer Straße erinnert die Gedenkstätte Berliner Mauer an die Teilung und die Toten. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Gedenkstätte Berliner Mauer: An der Bernauer Straße wurde die Teilung besonders sichtbar

Geschichte Auch wenn Eltern und Großeltern immer wieder von dieser Zeit erzählen: Für Menschen, die nach 1990 geboren wurden oder in dieser Zeit Kind waren, ist es oft schwer vorstellbar, dass Berlin und ganz Deutschland mal von einer schwer bewachten Grenze zerschnitten wurde. Seit 1952 hatte die Führung der DDR die sowjetische Besatzungszone in Richtung Westen abgeriegelt, von Bayern bis zur Ostsee. In und um Berlin sperrte DDR-Regime 200 Straßen, die nach Westen führten. Trotzdem schafften es zahlreiche mutige Menschen von Ost-Berlin in den Westteil der Stadt zu fliehen. Bis 1961 machten jedes Jahr hunderttausende Menschen aus der DDR „rüber“ in den Westen, ein Großteil davon über die Grenze in Berlin.

Gedenkstätte Berliner Mauer: Alle Infos und die Geschichte der Mauer
Mauerstreifen an der Bernauer Straße/Ecke Schwedter Straße. Imago/Sven Simon

Dieses Schlupfloch sollte bald gestopft werden. Zwar sagte SED-Chef Walter Ulbricht noch im Juni 1961: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Doch das Gegenteil war der Fall: In einer Nacht- und Nebelaktion vom 12. auf den 13. August versperrten Betriebskampfgruppen, Volkspolizei und Nationale Volksarmee die Sektorengrenze mit Stacheldraht und Steinwällen. Die Mauer riss Familien auseinander, zerstörte Lebenswege und zerschnitt die Stadt.

An der Bernauer Straße wurde das auf besonders dramatische Weise deutlich. Ebenfalls ein Opfer der Mauer ist die Versöhnungskirche, die genau auf der Grenze zwischen dem sowjetischen Sektor in Mitte und dem französischen Sektor im Wedding lag. Bis 1961 fanden dort noch Gottesdienste statt, allerdings nur mit ostdeutschen Gläubigen. 1985 veranlasste die DDR-Regierung die Sprengung der Kirche und ihres Turms.

Gedenkstätte Berliner Mauer: Alle Infos und die Geschichte der Mauer
Zum Teil war der Zugang zur Versöhnungskirche in die Grenzbefestigung mit eingemauert. Am 22. Januar wurde sie gesprengt, der Turm sechs Tage später. Foto: Imago/Günter Schneider

Auch wenn es nun viel schwerer war, zu fliehen: Der Bau der Berliner Mauer setzte den geglückten und misslungenen Fluchtversuchen trotzdem kein Ende. Einer der ersten, die die DDR für immer verließen, war der Grenzsoldat Conrad Schumann. Er flüchtete zwei Tage nach Beginn der Bauarbeiten mit einem Sprung über den Stacheldraht. Derweil entstand eine 46 Kilometer lange Mauer, die Berlin zerteilte und die DDR-Bürger:innen einsperrte. Das DDR-Regime aber versuchte, die Mauer als „Antifaschistischen Schutzwall“ und „Sieg des sozialistischen Lagers“ über den Westen, den Imperialismus und den Kapitalismus zu verkaufen.

Die Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße – der „antifaschistische Schutzwall“ kostete Menschenleben. Foto: Imago/Ritter

Während des Mauerbaus flüchteten viele

Viele Bewohner:innen der Häuser an der Bernauer Straße entschlossen sich während der Baumaßnahmen spontan zur Flucht, denn die Grenze verlief im Osten entlang der Häuserfront. Manche seilten sich ab, andere ließen sich in die Sprungtücher fallen, die die West-Berliner Feuerwehr bereithielt. Bereits in diesen ersten Tagen der Mauer starben Menschen bei Fluchtversuchen an der Bernauer Straße oder verletzten sich schwer. Kurz darauf ließ die DDR-Führung die Häuser räumen, die Fenster und Türen vermauern und die verbliebenen Bewohner:innen zwangsumsiedeln. Insgesamt kamen mindestens 235 Menschen bei dem Versuch ums Leben, in den Westen zu fliehen.

Die Überreste der Berliner Mauer als Teil der Gedenkstätte. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Am Ende erreichte die DDR-Führung mit der Mauer weder politische noch wirtschaftliche Stabilität, so wie sie es sich erhofft hatte. Michail Gorbatschow reformierte die Sowjetunion und Perestroika (deutsch: Umbau) und Glasnost (Transparenz) hielten Einzug. Der Regierungsapparat der DDR verlor an Rückhalt beim großen Bruder, der Sowjetunion. Immer mehr Menschen begannen, für ihre Freiheit auf die Straße zu gehen. Zehntausende Menschen machten sich über Ungarn und die Tschechoslowakei nach Westen auf. Der Staatsratsvorsitzende und Chef der SED, Erich Honecker, musste abdanken. Obwohl so lange herbeigesehnt, kam die Öffnung der Mauer am 9. November 1989 doch überraschend. Und löste unbändige Freude aus. Tausende Menschen stürmten an jenem Abend die Grenzübergänge.

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Maueröffnung an der Bernauer Straße/Ecke Oderberger Straße. Foto: Imago/Rolf Zöllner

Heute stehen nur noch 1,5 Kilometer der Mauer: 1,4 Kilometer davon an der Bernauer Straße als Gedenkstätte.

Besonderheiten An der Bernauer Straße sind im Laufe der Mauerjahre die bedeutendsten Fluchttunnel entstanden. Durch einen davon konnten um den 14. September 1962 herum 29 Menschen fliehen, durch den anderen etwa zwei Jahre später 57 Menschen. 1962 mussten die Fliehenden durch Schlamm und einsickerndes Wasser kriechen. Am anderen Ende empfing sie ein Filmteam des US-Fernsehsenders NBC.

Einen anderen Fluchttunnel kann man heute mit Führungen des Vereins Berliner Unterwelten besichtigen. Einige junge Menschen hatten Ende 1970 begonnen, den Tunnel auszuheben. Einer von ihnen war der Bauingenieur Ulrich Pfeifer, heute 85 Jahre alt. Er hat den Stollen vermessen. Der Tunnel begann im Keller eines Wohnhauses an der Bernauer Straße und sollte in der Brunnenstraße 143 im Ostteil der Stadt enden. Nur wenige Meter vor dem Ziel scheiterte das Projekt, der Tunnel wurde an die Stasi verraten – gut möglich, dass Freund:innen von Fluchtwilligen aus dem Osten die Stasi informierten. Im Februar 1971 suchten DDR-Grenztruppen das Gelände mit Ultraschallgeräten ab und entdeckten den Tunnel.

Seit 2019 können Fluchttunnel besichtigt werden

Ulrich Pfeifer bei der Eröffnung des Besuchertunnels der Berliner Unterwelten. Foto: Imago/snapshot

Seit Herbst 2019 kann man den Fluchttunnel besichtigen – durch einen 30 Meter langen Schacht in 7,5 Meter Tiefe, der unterhalb des ehemaligen Grenzstreifens verläuft. Der Besuchertunnel kreuzt den alten Fluchttunnel, auf den man durch ein archäologisches Fenster einen Blick werfen kann. Er ist zwei Meter hoch, sodass Besucher:innen aufrecht gehen können und nicht wie die Tunnelbauer:innen gebückt gehen oder kriechen müssen. Der Verein Berliner Unterwelten hat mehr als 300.000 Euro investiert und 190 Kubikmeter Erde ausgehoben, um den historischen Tunnel einsehbar zu machen.

Fun Fact Noch immer finden sich bei Bauprojekten Reste der Mauer und der Grenzanlagen, wenn für die neuen Häuser das Fundament ausgehoben wird – etwa bei dem Neubau am Nordbahnhof Ecke Gartenstraße.

Das Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer informiert über die Jahre der Teilung – und bietet einen Aussichtspunkt. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Wichtige Infos für den Besuch der Gedenkstätte Berliner Mauer

Öffnungszeiten Dokumentationszentrum: Do-So 12-17 Uhr, Sonderöffnungszeiten rund um 60. Jahrestag des Mauerbaus am 13. August 2021; Ausstellung im Gedenkstättenareal an der Bernauer Straße Mo-So 8-22 Uhr, Ausstellung „Grenz- und Geisterbahnhöfe im geteilten Berlin“: zu den Öffnungszeiten des S-Bahnhofs Nordbahnhof, also Mo-Fr 4-30-1.30 Uhr, Sa+So 0-24 Uhr

Der Eintritt zur Gedenkstätte Berliner Mauer ist frei. Zusätzlich zu den Ausstellungen werden Führungen angeboten:

  • Die Bernauer Straße nach dem Mauerbau, Preis 3,50 €, erm. 2,50 €
  • Die Bernauer Straße nach dem Mauerbau in leichter Sprache, Preis 3,50 €, erm. 2,50 €
  • Die Bernauer Straße nach dem Mauerbau (Tastführung), Preis 3,50 €, erm. 2,50 €
  • Führung durch die Dauerausstellung im Dokumentationszentrum, Preis 5 €, erm. 3 € pro Person, Schüler:innen kostenfrei
  • Führung für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren: Wer will Mauerexperte werden?, kostenlos
  • Führung zu Geisterbahnhöfen im geteilten Berlin, Preis 5 €, erm. 3 €
  • Schiffstour mit Audioguide: Die Berliner Mauer vom Wasser aus, Preis: 25 €
  • Termine und Uhrzeiten der Führungen wechselnd.

Anfahrt Die Gedenkstätte Berliner Mauer erreicht man am besten zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln: Entweder mit der U-Bahn U8 (Station Bernauer Straße), mit der Tram M10 (Station Gedenkstätte Berliner Mauer) oder mit den S-Bahnen der Linien S1, S2, S25, S26 (Station Nordbahnhof). Für PKW sind die Parkmöglichkeiten sehr begrenzt.

In der Nähe Nicht allzu weit weg ist der Mauerpark. Von der Gedenkstätte Berliner Mauer erreicht ihr weitere Ziele in Prenzlauer Berg, Wedding und Mitte.

  • Gedenkstätte Berliner Mauer Bernauer Straße 111-119, Mitte, Tel. 030/213 08 51 66, zur Website



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