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Liebermann-Villa: Erst Rückzugsort, dann Lazarett – und heute Museum

Irgendwie ist es interessant, wie sich die Liebermann-Villa entwickelt hat. Gelegen am Wannsee diente sie im frühen 20. Jahrhundert für den Künstler Max Liebermann als Rückzugsort, um der Großstadthektik zu entfliehen. Das funktionierte auch bis zu seinem Ableben. Heute ist sie ein gut besuchtes Museum. Zwischendurch nutzten sie Nationalsozialisten als Lazarett, nach Ende des Dritten Reichs war sie ein Krankenhaus. Zeit spülte Hektik in den Eremitenhügel. Wie genau die Geschichte der Liebermann-Villa aussieht, warum der Garten ein besonderes Schmankerl ist und wer eigentlich Max Liebermann war, erfahrt ihr hier.

Die Liebermann-Villa am Wannsee ist auch heute noch idyllisch. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Die Liebermann-Villa und die bewegte Geschichte ihres Besitzers

1847 in Berlin als Sohn eines wohlhabenden jüdischen Textilfabrikanten geboren, wuchs Max Liebermann in einem gut situierten Haushalt auf. Während seiner Schulzeit nahm er Zeichenunterricht bei Carl Steffeck, ein Maler, der unter anderem später Direktor der Kunstakademie Königsberg war und bekannt für Pferdeporträts ist. Nur ein Auszug, nicht sein gesamtes Schaffenswerk. 1868 studierte Liebermann an der Kunstakademie in Weimar, wo er auch sein erstes größeres Gemälde „Die Gänserupferinnen“ malte. Heute steht es in der Nationalgalerie Berlin. Vielleicht lag es am Erfolg seines ersten Werkes oder einem persönlichen Interesse, jedenfalls konzentrierte er sich danach auf das Leben und Handwerk der Arbeiterklasse.

Zeitweise lebte er in München, fand Interesse an ländlicheren Motiven, ohne die Leidenschaft für die „einfachen“ Leute zu verlieren. Seine Arbeiten fanden in der konservativen Kunstszene allerdings kaum Zuspruch, wurden teilweise als nicht „kunstwürdig“ gesehen. Grund war sein Stil und wahrscheinlich der damals (wie heute) verbreitete Snobismus vieler Künstler:innen. 1884 kehrte er nach Berlin zurück, gründete eine Familie und zusammen mit zehn weiteren Künstlern (darunter Friedrich Stahl und Hugo Vogel) „Die Vereinigung der XI“, eine Künstlergruppe, die Kunstausstellungen außerhalb renommierter Galerien organisierte. Ein Gegenpol zum akademischen Kunstbetrieb. Der Zusammenschluss entwickelte sich Jahre später zur Berliner Secession. Neuer Name, selbe Motive.

Er zeichnete viele Porträts und in Sommermonaten Strand- und Reiterbilder, erbte nebenher das Vermögen seines Vaters. Viel Geld für luxuriöse Wohnräume. 1909 kaufte er sich ein Grundstück am Wannsee, auf dem er ein Sommerhaus baute, die Liebermann-Villa.

Die Liebermann-Villa: Entstehung und Vereinnahmung

Der Garten der Liebermann-Villa ist mehr als 70.000 Quadratmeter groß. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Max Liebermann holte sich Profis, um einen perfekten Unterschlupf zu bauen – abseits vom Stadttrubel: Paul Otto Baumgarten, Architekt einiger Villenprojekte (und späteres NSDAP-Mitglied), und Alfred Lichtwark, Direktor der Hamburger Kunsthalle. Letzterer entwarf den Garten, den Liebermann regelmäßig malte. Ein paar Gemälde davon hängen heute im Gebäude. Ein gemütliches Leben, abgesehen vom Antisemitismus, der ihm stets entgegenschlug. Mit der Machtübernahme der NSDAP drohten die Wortsalven zu Geschossen zu werden. Liebermann, der bis dahin Ehrenpräsident der Preußischen Akademie der Künste war, verließ sie und lebte zurückgezogen in Berlin.

Viel vom Dritten Reich konnte er allerdings nicht mehr mitbekommen, er starb 1935. Es gab keine Nachrufe, keine öffentliche Trauerfeier, nur erzwungenes Schweigen. Die Gestapo hatte Außenstehenden untersagt, an der Bestattung teilzunehmen. Sie befürchtete eine Demo für Kunstfreiheit.

Nazis krallten sich das Sommerhaus, machten es zum Lazarett. Liebermanns Kunst brandmarkten sie als entartet. Befehle befolgen, nach unten treten, ein begrenzter Horizont, nazitypische Eigenschaften. Auch heute. Liebermanns Tochter Käthe floh ins Ausland, seine Frau Martha nahm sich 1943 das Leben, um dem Schicksal im KZ Theresienstadt zu entgehen. Nachdem das Hitler-Regime gefallen war, diente die Liebermann-Villa bis 1969 als Krankenhaus. 1972 stellte die Stadt Berlin das Gebäude einem Tauchverein zur Verfügung. Komischer Wechsel, ist aber so passiert.

Lierbmann-Villa: Der Wandel zum Museum

Max Liebermann verschwand einige Zeit aus dem kollektiven Gedächtnis der Kunstliebhaber:innen. Erst 1995 kam wieder Interesse an seiner Arbeit auf und einige Anhänger:innen gründeten die Max-Liebermann-Gesellschaft. Sie wollten sein Erbe erhalten, es für Außenstehende sichtbar machen. Das umzusetzen, dauerte ein paar Jahre. Nach einigen Besichtigungen und viel bürokratischem Hin und Her, bekamen sie die Liebermann-Villa. 2006 öffneten sie sie als Museum.

Der Verein führt Besucher:innen durch Garten und Gebäude, die nichts von ihrem damaligen Glanz verloren haben. Auch die Zerstörungswut der Nazis konnte keine langfristigen Schäden anrichten. Zumindest nicht solche, die sich nicht beheben ließen. Elefanten mögen durch einen Porzellanladen stampfen, doch Splitter lassen sich verkleben. Vor der Tür erinnert ein Stolperstein für Martha Liebermann an die grausame Zeit.

Im Übrigen gibt es wechselnde Ausstellungen. Ein Besuch lohnt sich also auch, wenn ihr schon alles gesehen habt. Wobei es kaum möglich sein sollte, sich dort sattzusehen.

  • Liebermann-Villa ColomierStraße 3, Wannsee, tgl. 10-18 Uhr (Dienstag Ruhetag), Tel: 030/80585900, weitere Infos findet ihr hier

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