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Der Reichstag in Berlin: Geschichte, Wissenswertes und Besucherinfos

Im Stadtbild fest verankert sticht sie in gleißendem Sonnenlicht besonders markant hervor: die gläserne Reichstagskuppel. In dem Neorenaissance-Bau am Berliner Platz der Republik wird Bundes- und Weltpolitik gemacht. Außerdem kann auf der Dachterrasse richtig gut gegessen werden, mit einem atemberaubenden Blick über die Stadt. Alle Infos und Geschichtliches zum Berliner Reichstag.

Der Reichstag ist neben dem Fernsehturm und dem Brandenburger Tor das wichtigste Wahrzeichen Berlins und Sitz des Deutschen Bundestages.

Frisch gemähter Rasen vor dem Berliner Reichstag: Der historische Platz der Republik ist im Sommer ein beliebter Ort bei Berliner*innen und Touristen.
Frisch gemähter Rasen vor dem Berliner Reichstag: Der historische Platz der Republik ist im Sommer ein beliebter Ort bei Berliner*innen und Touristen. Foto: imago images/Schöning

Die Glaskuppel des Reichstags sollte eigentlich eine Steinkuppel werden

Geschichte Doch noch zur Gründung des Deutschen Reichs, im Jahr 1871, tagte das Parlament deutlich improvisierter: Das sogenannte Preußische Herrenhaus traf sich damals in den ehemaligen Räumlichkeiten der Königlichen Porzellanmanufaktur (KPM) in der Leipziger Straße in Mitte. Die Forderungen nach einem würdigen Sitz für das deutsche Parlament wurden jedoch lauter.

Es sollte bis zum Jahr 1884 dauern, ehe der Grundstein für den Reichstag auf dem Platz der Republik gelegt werden konnte. Dem Baubeginn ging ein Streit um den favorisierten Standort voraus, an dem damals noch das Palais eines polnischen Diplomaten und Kunstsammlers stand. Außerdem brauchte es zwei Architektur-Wettbewerbe, bevor der deutsche Architekt Paul Wallot 1882 mit seinem Entwurf für den Reichstag überzeugen konnte.

Und es ging kompliziert weiter. Nach typisch Berliner Manier verlief das Bauvorhaben des Reichstags nicht planmäßig. Zahlreiche öffentliche Instanzen mischten sich in die Planungsphase ein. Und Architekt Wallot musste seine Idee so oft anpassen, dass von seinem eigentlichen Entwurf kaum noch etwas übrig blieb.

Der Platz der Republik vor dem Reichstag ist mit Rasen begrünt und mit ein paar schlichten Hecken verziert.
Der Platz der Republik vor dem Reichstag ist mit Rasen begrünt und mit ein paar schlichten Hecken verziert. Foto: imago images/Wölk

Nicht einmal die geplante steinerne Kuppel konnte realisiert werden. Die tragenden Wände hätten das Gewicht der 85 Meter hohen, geplanten Kuppel nicht tragen können. In Zusammenarbeit mit dem Bauingenieur Hermann Zimmermann wurde eine Lösung gefunden. Die Kuppelhöhe wurde reduziert und stattdessen eine Konstruktion aus Glas und Stahl gebaut.

In den 1920er-Jahren gestaltete der Architekt Otto March dann schließlich den Königsplatz, auch Platz der Republik genannt, vor dem Reichstag um. Der Platz wurde fast vollständig mit Rasen begrünt und mit Hecken aufgewertet.

Im Reichstag wurden während des Weltkriegs Babys geboren

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Reichstag eine Teilruine.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Reichstag eine Teilruine. Foto: imago images / ITAR-TASS

Gut zehn Jahre später, im Jahr 1933, wurde dem Erdboden gleich gemacht, was zuvor mühsam erbaut worden war. Beim Reichstagsbrand wurden der Plenarsaal und weitere Räume weitestgehend zerstört. Während des Zweiten Weltkriegs diente der Rest des Gebäude dann in großen Teilen als Luftschutzbunker mit vermauerten Fenstern, als Produktionsstätte der AEG, als Lazarett und sogar als Zentrum für Gynäkologie der Charité. Zwischen 1943 und 1954 erblickten etwa 50 bis 100 Kinder im Reichstagsgebäude das Licht der Welt!

Der Krieg war vorbei und der Reichstag eine Teilruine. Erst 1973 war der Wiederaufbau beendet, die Rolle des Reichstags im geteilten Deutschland jedoch ungewiss. Das Gebäude befand sich im britischen Sektor, die Mauer verlief unmittelbar an der Ostseite des Reichstags.

Während der Teilung Deutschlands verlief die Mauer unmittelbar an der Ostseite des Reichstags.
Während der Teilung Deutschlands verlief die Mauer unmittelbar an der Ostseite des Reichstags. Foto: © Ken Mayer / Wikimedia Commons / CC BY 2.0

Nach der Wiedervereinigung fiel dem Reichstag wieder seine eigentliche Funktion zu. Anfang Oktober 1990 fand die erste Tagung des Deutschen Bundestages im wiedervereinten Deutschland statt.

Entstehung des modernen Parlamentsgebäudes von heute

Nach dem Krieg wurde der Reichstag wieder aufgebaut – allerdings ohne Kuppel.
Nach dem Krieg wurde der Reichstag wieder aufgebaut – allerdings ohne Kuppel. Foto: imago images / serienlicht

Jetzt brauchte Berlin ein modernes Parlamentsgebäude. Der Architekt Norman Foster wurde mit dem Umbau beauftragt. Und plante unter anderem die begehbare Kuppel, wie sie heute noch erhalten ist. Bevor die Bauarbeiten jedoch starten konnten, machte das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude den Reichstag zum Mittelpunkt einer Kunstaktion. Zwischen dem 24. Juni und 7. Juli 1995 wurde das Gebäude vollständig in silberglänzenden Stoff gehüllt und mit dicken, blauen Seilen umwickelt. Das Medienecho war enorm. Die Bilder gingen um die Welt, für viele war es das einzig wahre Berliner Sommermärchen.

Im April 1999 war die Renovierungs des Reichstagsgebäudes abgeschlossen.

Reichstag ist einziges Parlamentsgebäude mit öffentlichem Restaurant

Fun Fact Als einziges Parlamentsgebäude weltweit beherbergt der Bau am Platz der Republik ein öffentliches Restaurant. Das Käfer Dachgarten-Restaurant hat den wohl schönsten Ausblick über Berlins Zentrum und bietet gehobene, deutsche, regionale Küche.

Im Käfer DACHGARTEN-RESTAURANT wird gehobene, deutsche Küche aus regionalen Produkten serviert.
Im Käfer Dachgarten-Restaurant wird gehobene, deutsche Küche aus regionalen Produkten serviert. Foto: Torsten Fritsche

Im Sommer lässt es sich wunderschön auf der Dachterrasse neben der Kuppel frühstücken. Und zum Abendessen bekommt man hier nicht selten atemberaubende Sonnenuntergänge zu sehen. Geöffnet ist montags bis sonntags 9-17 Uhr und 19-23 Uhr, eine Reservierung ist erforderlich und ist online möglich.

Wichtige Infos für den Besuch des Reichstags

Öffnungszeiten Der Reichstag kann täglich besucht werden, mit dem Fahrstuhl geht es in die gläserne Kuppel. Genau wie die kann sie kostenlos täglich von 8 bis 24 Uhr besucht werden, letzter Einlass ist um 21.45 Uhr. Ausnahmen sind Heiligabend (geschlossen) und Silvester (bis 16 Uhr). Eine Anmledung per Online-Formular, Fax an 030/227 364 36 oder per Post (Deutscher Bundestag, Besucherdienst, Platz der Republik 1, 11011 Berlin) ist notwendig.

Auch der Besuch einer Plenarsitzung ist möglich, zudem gibt es Führungen.

  • Führungen während der sitzungsfreien Zeit: Hausführungen tgl. 10.30 Uhr, 13.30 Uhr, 15.30 Uhr, 18.30 Uhr
  • Führungen mit dem Schwerpunkt Parlamentsgeschichte tgl. 9 Uhr, 10.30 Uhr, 12 Uhr, 13.30 Uhr, 15 Uhr, Familienführungen Sa+So 10 Uhr, 12.30 Uhr, 14.30 Uhr
  • Führungen mit dem Schwerpunkt Kunst- und Architektur Sa+So um 11.30 Uhr, Anmeldung online
  • Besuch einer Plenarsitzung während der Sitzungswochen Mi ab 13 Uhr, Do+Fr ab 9 Uhr, Anmeldung online

Anfahrt Vom Hauptbahnhof, wo Fernbahnen, Regionalbahnen, S-Bahnen, halten, ist es ebenso wie vom Bahnhof ein etwa zehnminütiger Spaziergang. An der Station Brandenburger Tor halten S-Bahn, U-Bahn, an der Busstation „Reichstag/Bundestag“ die Bus-Linien 100 und M41. Die Anreise mit dem Auto kann mangels Parkplätzen eher lästig werden.

Tipp Während der sitzungsfreien Zeit können Gruppen von bis zu 25 Personen heute an Führungen durch das Reichstagsgebäude teilnehmen. Während einer Führung lernt man Spannendes zur Arbeitsweise des Parlaments, läuft vorbei am Büro der Kanzlerin und erfährt Details zur Architektur des geschichtsträchtigen Reichstags.

Blick von der Besuchertribüne in den Plenarsaal.
Blick von der Besuchertribüne in den Plenarsaal. Foto: imago images/IPON

Wer zum Beispiel einen genauen Blick auf den Bundesadler im Plenarsaal wirft, bemerkt, dass der grimmig aussehende Vogel auf der Rückseite lächelt. Ein Detail, das sich der Architekt Norman Foster bei der Umgestaltung nicht nehmen ließ. Die Führungen enden in der Regel mit einem Besuch in der Kuppel.

In der Nähe In Laufweite zum Tor befinden sich weitere wichtige Sehenswürdigkeiten wie das Brandenburger Tor, das Hotel Adlon, der Pariser Platz, die Akademie der Künste, die Botschaft der USA, der Tiergarten und das Denkmal für die ermordeten Juden Europas.


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