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Die Abhörstation auf dem Teufelsberg: Geschichte, Wissenswertes und Besucherinfos

Ein echter Blickfang im Berliner Stadtbild ist die Abhörstation auf dem Teufelsberg. Im Kalten Krieg diente sie den Alliierten zur Überwachung des Funkverkehrs im Ostblock. Heute zählt die ehemalige Radarstation zu den beliebtesten Lost Places der Hauptstadt und bietet neben einem Panoramablick über Berlin auch eine einzigartige Street-Art-Galerie mit Werken von Künstlern aus aller Welt. Von uns bekommt ihr einen Einblick in die Geschichte des Areals und die wichtigsten Infos für euren Besuch.

Die ehemalige Abhörstation auf dem Teufelsberg ist ein beliebtes Ausflugsziel. Foto: Imago Images/Christian Spicker
Die ehemalige Abhörstation auf dem Teufelsberg ist ein beliebtes Ausflugsziel. Foto: Imago Images/Christian Spicker

Der Teufelsberg: Ein Trümmerhaufen mit Geschichte

Geschichte In den 1940er Jahren befand sich an der Stelle des heutigen Teufelsbergs der Rohbau der Wehrtechnischen Fakultät, welche im Rahmen des nationalsozialistischen Projekts „Welthauptstadt Germania“ erbaut werden sollte. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Anlage gesprengt und die übrigen Gebäudereste mit Trümmerschutt aufgefüllt. Insgesamt wurde fast ein Drittel der gesamten Trümmer des zerbombten Berlins, 26 Millionen Kubikmeter, an dieser Stelle abgeladen. Eine detaillierte Landschaftsplanung fügt den Berg in das Berliner Stadtbild ein. Aus dem riesigen Schutthaufen wurde ein Erholungsgebiet.

Der Teufelsberg entstand aus den Trümmerresten des Zweiten Weltkriegs. Foto: Imago Images/Contini
Der Teufelsberg entstand aus den Trümmerresten des Zweiten Weltkriegs. Foto: Imago Images/Contini

Mit 120 Metern ist der Teufelsberg die höchste Erhebung im Westen der Stadt – und dazu mitten in der DDR. Durch diese optimale Lage wurde der Standpunkt schnell zum Spionagezentrum der West-Alliierten. Trotz der Zugehörigkeit zum Verwaltungsgebiet der britischen Truppen zeigten vor allem die Amerikaner großes Interesse.

Nach ersten erfolgsversprechenden Versuchen mit Antennenwagen wurde die mobile Installation durch die noch heute sichtbaren Gebäude der Abhöranlage „Field Station Berlin Teufelsberg“ abgelöst. Mit der Zeit entstanden fünf sogenannte Radome: Antennenkuppeln aus weißem Kunststoff, welche auf den ersten Blick an gigantische Golfbälle erinnern. Diese sollten vor der Witterung, aber vor allem auch vor Gegenspionage schützen. Im Umkreis von ca. 500 km konnte die Abhöranlage alle ungeschützten Funk- und Fernmeldeverbindungen erfassen.

Abhörstation Teufelsberg
Der Teufelsberg wurde zum Spionagezentrum der USA im Kalten Krieg. Foto: Imago Images/PEMAX

Spionagezentrum aus dem Kalten Krieg: Immer noch top secret!

Fast 30 Jahre lang spionierten vor allem die Amerikaner von der Station auf dem Teufelsberg aus. Gesteuert wurde das Projekt von der National Security Agency (NSA), Amerikas größtem Geheimdienst. Ziel war es dabei, den Funkverkehr des Warschauer Paktes, der DDR-Behörden und der Roten Armee abzuhören.

Fun Fact Rund 1000 Amerikaner und 500 Briten saßen täglich an den Abhörgeräten – und das rund um die Uhr. Allerdings misstrauten sie einander offenbar so sehr, dass sie parallel zueinander die gleichen Informationen abhörten, doppelte Arbeit also. Zeitzeugen zufolge spionierten sie sich sogar gegenseitig aus. Vielleicht ist das auch der Grund, warum die Ergebnisse des Projektes bis heute noch unter strenger Geheimhaltung stehen. Erst ab 2022 sollen die dazugehörigen Archive der Alliierten zugänglich sein.

Die Gebäude der ehemaligen Abhörstation auf dem Teufelsberg sind heute eine beliebte Touristenattraktion. Foto: Imago Images/Hohlfeld

Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Fall der Berliner Mauer wurde der Standpunkt schließlich aufgegeben. Anschließend dienten die Radaranlagen noch bis 1999 zur zivilen Luftüberwachung des Flugverkehrs.

1996 wurde das Gelände auf dem Teufelsberg an einen privaten Investor verkauft. Der geplante Bau der exklusiven Wohnanlage, eines Spionagemuseums und eines Hotel- und Tagungszentrums scheitert allerdings an massiven Protesten durch Umweltschützer und den wachsenden Baukosten. Nach dem Abbruch der Sanierungsarbeiten fielen die Anlagen Diebstahl und Vandalismus zum Opfer und wurden nahezu vollständig zerstört.

Erst seit 2010 ist das Gelände wieder einem geregelten Besucherstrom zugänglich. Dies setzte auch den Startschuss für die Graffiti-Galerie, die mit einer Fläche von 48.000 m², verteilt auf fünf Etagen die größte ihrer Art in ganz Europa ist.

Auf dem Gelände der ehemaligen Abhörstation auf dem Teufelsberg befindet sich die größte Street-Art-Galerie Europas. Foto: Imago Images/Hohlfeld
Auf dem Gelände der ehemaligen Abhörstation auf dem Teufelsberg befindet sich die größte Street-Art-Galerie Europas. Foto: Imago Images/Hohlfeld

Wichtige Infos für den Besuch der Abhörstation auf dem Teufelsberg

Öffnungszeiten Die Gebäude der ehemaligen Abhöranlagen auf dem Teufelsberg können Mittwoch bis Sonntag von 11 Uhr bis zum Sonnenuntergang besucht werden. Letzter Einlass ist circa eine Stunde vor Sonnenuntergang.

Preise Der Eintritt kostet 5 €. Unter [email protected] können exklusive Touren gebucht werden, die Kosten hierfür betragen 15 € pro Person, bei einem Mindestbestellwert von 225 €. Die regulären historischen Führungen finden momentan Corona-bedingt nicht statt.

Aufgrund von behördliche Vorgaben ist es zur Zeit nicht möglich, die Aussichtsplattform der Radom Unit mit den markanten Radomen und der Kuppel zu betreten.

Anfahrt Der Teufelsberg befindet sich im Ortsteil Grunewald, Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Mit den S-Bahnen der Linien S3, S5, S7 und S9 gelangt man zur Station Heerstraße. Von dort aus geht es die Teufelsseechaussee entlang auf das Gelände und über einen Waldweeg zum Haupteingang der Abhörstation. Bei der Anreise mit dem Auto können die beiden vorderen Parkplätze auf der Teufelsseechaussee oder die kostenpflichtigen Parkplätze auf dem Gelände genutzt werden.

  • Abhörstation Teufelsberg, Teufelsseechaussee 10, Charlottenburg, weitere Informationen online



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