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Topographie des Terrors: Geschichte, Wissenswertes und Besucherinfos

Unweit des Potsdamer Platzes informiert das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors über die Verbrechen des Nationalsozialismus. Mit mehr als einer Million Besucher*innen jährlich gehört es zu den meistbesuchten Erinnerungsorten Berlins. Die Dauer- und Sonderausstellungen auf dem ehemaligen Gelände der Gestapo, SS und des Reichssicherheitshauptamts nehmen den Terror-Apparat des „Dritten Reichs“ und seine Opfer in den Blick. Eine Auseinandersetzung die nicht an Relevanz verliert. Wir geben euch einen Einblick in die Geschichte des Geländes und wichtige Infos für euren Besuch der Gedenkstätte.

Das 2010 eröffnete Dokumentationszentrum Topographie des Terrors. Foto: Imago/Schöning

Topographie des Terrors – Zentrale des Hasses während der NS-Zeit

Geschichte Das Areal an neben dem Martin-Gropius-Bau in der Nähe des Potsdamer Platzes hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Neben Überresten aus der Gründungszeit finden sich auf dem Gelände an der Niederkirchnerstraße vor allem Spuren des nationalsozialistischen Terrors. Zwischen 1933 und 1945 waren an dieser Stelle das Geheime Staatspolizeiamt, das „Hausgefängnis” der Gestapo, die Reichsführung der SS, der Sicherheitsdienst der SS und später das Reichssicherheitshauptamt zu finden.

Von den Institutionen an der damaligen Prinz-Albrecht-Straße 8 aus wurden politische Gegner, Minderheiten und soziale Randgruppen überwacht, verfolgt und ermordet. Die SS plante die systematische Verfolgung und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung in Europa. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) und der Sicherheitsdienst der SS überwachten und bekämpften politische Gegner im In- und Ausland. 1939 wurden beide Institutionen zum Reichssicherheitshauptamts zusammengefasst und steuerten maßgeblich die Verfolgungs- und Vernichtungspolitik des NS-Regimes.

Ebenfalls auf dem Gelände war das „Hausgefängnis“ der Gestapo, in dem politische Häftlinge zur Vernehmung untergebracht wurden. Bei diesen stunden- oder sogar monatelangen Vernehmungen wurden die Inhaftierten brutal gefoltert, um gewünschte Informationen zu erzwingen. Um dem Terror zu entkommen, nahmen sich einige Insassen selbst das Leben.

Auf dem Außengelände der Topographie des Terrors haben sich die Keller der Gebäude erhalten, die 1933 bis 1945 von den Institutionen des NS-Regimes genutzt wurden. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Abriss und Aufbau: Die Geschichte der Topographie des Terrors nach 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die verbleibenden Gebäudeteile der NS-Institutionen abgerissen oder gesprengt. Das Gelände an der Grenze zwischen dem US-amerikanischen und sowjetischen Sektor wurde planiert und anschließend zu einem Bauschuttlager und Verkehrsübungsplatz umfunktioniert. Der Bau der Mauer grenzte das nun in West-Berlin liegende Areal ab 1961 ein und rückte es an die innerstädtische Grenze.

In den Blick der Öffentlichkeit kam das Gelände der Topographie des Terrors erst wieder 1981 durch den Wiederaufbau des Martin Gropius Baus. Zunächst nur im Rahmen der 750-Jahr-Feier Berlins geplant, eröffnete 1987 die Dokumentation „Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt auf dem ‚Prinz-Albrecht-Gelände’” in einem neu gebauten Ausstellungspavillon. Zudem wurde das Außengelände mit freigelegten Gebäuderesten erschlossen.

Aus dem Provisorium wird eine dauerhafte Ausstellung

Erst nur als Provisorium gedacht, wurde die Ausstellung dauerhaft. 1992 wird die Stiftung Topographie des Terrors gegründet. Der Berliner Senat schreibt einen Wettbewerb für die Gestaltung eines Dokumentationszentrums aus und beauftragte 1993 den Architekt Peter Zumthor mit der Realisierung des Gedenkortes. Mehr als zehn Jahre und fast 40 Millionen Euro Baukosten später trennen sich Bund und Land von Zumthor. Das Bauprojekt weist erhebliche finanzielle und architektonische Probleme auf. Die bis dahin gebauten Türme werden abgerissen und der Wettbewerb für die Gesamtkonzeption des Geländes und des Dokumentationszentrums Topographie des Terrors werden 2005 erneut ausgeschrieben.

Die Topographie des Terrors aus der Vogelperspektive, Niederkirchnerstraße, Kreuzberg. Foto: Imago/Schöning

2010 eröffnet die Gedenkstätte Topographie des Terrors mit drei Dauerausstellungen im Innen- und Außenbereich. Realisiert wurde die Gestaltung von der Architektin Ursula Wilms und dem Landschaftsarchitekt Professor Heinz W. Hallmann. Ergänzt werden die Dauerausstellungen durch Sonderausstellungen, Veranstaltungen und eine Wissenschaftliche Spezialbibliothek mit circa 38.000 Medien zu den Themen SS, Gestapo und Polizei während der NS-Zeit. Im Ausstellungsgebäude befinden sich außerdem Seminarräume, die für schulische oder Erwachsenen-Bildung genutzt werden.

Wichtige Infos für den Besuch der Topographie des Terrors

Öffnungszeiten Die Ausstellungen sind täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Geländerundgang ist ab 10 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit möglich. Der Eintritt ist frei. Während Pandemien müssen gelegentlich Tickets vorbestellt werden, vorher online checken.

Im Ausstellungsgebäude findet ihr die Dauerausstellung „Topographie des Terrors. Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-Straße“ über die zentralen Institutionen im „Dritten Reich” und ihre Verbrechen. Außerdem werden Führungen durch die Ausstellung angeboten.

Auf dem Außengelände könnt ihr euch im überdachten Ausstellungsgraben die Ausstellung „Berlin 1933–1945. Zwischen Propaganda und Terror” ansehen, die die national­sozialistische Politik in Berlin und ihre Folgen für die Stadt und ihre Bevölkerung beleuchtet. Bei einem Geländerundgang mit 15 Stationen könnt ihr das Areal mit einem Audioguide erkunden. In den Rundgang integriert sind Teile der Berliner Mauer und historische Gehwege der Prinz-Albrecht-Straße. Die Dauerausstellungen sind auf deutsch und englisch.

Auf dem Außengelände der Topographie des Terrors kann nicht nur der Ausstellungsgraben, sondern auch ein Teilstück der Berliner Mauer besichtigt werden. Im Hintergrund ist das Berliner Abgeordnetenhaus zu sehen. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Außerdem lohnt sich ein Blick in den Veranstaltungskalender des Dokumentationszentrums. Mit Vorträgen, Buchpräsentationen und Sonderausstellungen gibt es weitere Einblicke in die Verbrechen des Nationalsozialismus und seinen Folgen nach 1945. Alles Infos auf der Homepage.

Anfahrt Die Topographie des Terrors findet ihr an der Niederkirchnerstraße 8, in Kreuzberg. Kostenpflichtige Parkplätze gibt es beispielsweise beim Gropius-Bau in der Stresemannstraße 110. Mit der S-Bahn könnt ihr bis zum Potsdamer Platz oder Anhalter Bahnhof fahren, die U-Bahn bis zum Potsdamer Platz oder Kochstraße nehmen oder mit den Bussen M29 bis zur Haltestelle Wilhelmstr./Kochstr. und M41 bis zur Haltestelle Abgeordnetenhaus fahren.

In der Nähe Direkt nebenan befindet sich der Gropius-Bau mit wechselnden Ausstellungen, der Potsdamer Platz, das Abgeordnetenhaus Berlin und der Anhalter Bahnhof.

  • Gropius Bau Niederkirchnerstraße 7, wechselnde Ausstellungen, Informationen online, Tel. 030/25 48 60
  • Potsdamer Platz Mitte
  • Abgeordnetenhaus Berlin Niederkirchnerstraße 5, Bauwerk im Stil der Neorenaissance mit dem Länderparlament Berlins, Informationen online
  • Anhalter Bahnhof Kreuzberg


Mehr erleben in Berlin

Euren Besuch bei der Topographie des Terrors könnt ihr gut mit einem historischen Spaziergang durch Berlins Mitte auf den Spuren des Zweiten Weltkriegs verbinden, der auch am Brandenburger Tor am Friedrich-Ebert-Platz vorbeiführt. Viel erinnert in Berlin an die Schrecken der NS-Zeit. 12 Denkmäler für deren Opfer zeigen wir hier. Auf dem Gelände der Topographie ist ein Teilstück der Berliner Mauer. Unsere Fotogalerie zeigt wie Orte der Teilung damals und heute im Vergleich.

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