Jacke wie Hose

Berlin im Tauschrausch

Nicht erst seit der tip-Titel-Story „Schenken, tauschen, leihen“  boomen Kleidertauschpartys. Sie machen Spaß und schonen die Umwelt. Ein Enthusiasmus, der auch bei Berlins bislang größter Kleidertauschparty zum Ausdruck kam. Und die nächsten Termine stehen bereits an

Im Haubentaucher
Foto: Eva Apraku

1.761 hatten sich bei Facebook vor der Veranstaltung als „interessiert“ geoutet, 367 Menschen klickten „Zusagen“ an – letztlich aber staunten die ehrenamtlichen Mitarbeiter von Greenpeace Berlin, der UNICEF, dem INKOTA-Netzwerk, vor allem aber die Gäste selber über mehr als 1.500 Besucher: Am Samstag, den 16.September fand’ auf dem Open-Air-Gelände des Clubs Haubentaucher auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain) Berlins bislang größte Kleidertausch-Party „KleiderWandel“ statt. Geduldig reihten sich meist junge, aber auch ein paar ältere Frauen und Männer sowie Kinder erst in die Schlange vor der Einlasskontrolle (wo mitgebrachte Speisen und Getränke abgeben werden mussten) und dann in die zur Kleiderabgabe ein. Hier nahmen Ehrenamtler den textilen Inhalt von Tüten, Rucksäcken oder auch Einkaufsrollern entgegen, um diesen anschließend auf dutzende Kleiderständer sortiert nach Blusen, Kleidern oder Sweatshirts aufzuhängen.

Auf der Kleidertauschbörse im Haubentaucher
Foto: Eva Apraku

Besucher, die diesen Prozess durchlaufen hatte, hatte dann die Qual der Wahl: Unmengen an Schuhen, Schals, Pullis, Jeans, Jacken oder Mäntel in diversen Größen und Stilen konnten mitgenommen werden. Kostenlos natürlich. Entsprechend enthusiastisch wurde – auch außerhalb der dafür vorgesehenen Orte – anprobiert, sich gegenseitig modisch beraten und neue Kontakte zu Gleichgesinnten geknüpft. Denn einig waren sich die sehr unterschiedlichen Besucher darin, dass Kleidung kein Wegwerfartikel ist und abgelegte, gut erhaltene Stücke sehr wohl noch andere erfreuen können. Welche gesellschaftlichen, aber auch welche Umweltprobleme die global ausufernde Produktion von immer mehr Kleidung verursacht, konnten interessierte Besucher zudem an Ständen und in Vorträgen erfahren. Dennoch stand bei dem Event weniger ein trauriges Klagen über den Zustand der Welt, als vielmehr der Spaß im Vordergrund: Am Ausprobieren neuer Stile, an der Freude über tolle Fundstücke, an Upcycling-Workshops vor Ort – und an dem Sound von tollen House- und Funk-DJs.

 

Die nächsten (allerdings deutlich kleiner konzipierte) Kleidertauschpartys:

Kleidertzauschparty im Haubentaucher
Foto: Eva Apraku

Kleidertauschparty bei Komood, Sigmariner Str.1, Wilmersdorf

23.9., 15–18 Uhr


Klamottenmarkt – Tauschen statt kaufen, Der Sache Wegen, Lychener Str.47, Prenzlauer Berg

23.9., 15–20 Uhr


Kleidertausch/ Swap Shop, die 41., Hertzbergstr.14, Neukölln

26.9., 15–20 Uhr


Kleidertausch Kinderkleidung, Haus der Familie, Nostizstraße 6, Kreuzberg

30.9., 15–18 Uhr


Kleiderbar – Clothes swap and more, Saal der Villa Neukölln, Hermannstr.233, Neukölln, für Menschen ab 18 Jahre, Eintritt 3–5 € nach Ermessen

30.9., 15–19 Uhr


Kellerbar im Studentenwohnheim, Spandauer Damm 134, Charlottenburg

22.10., 15–18 Uhr


Kleidertausch für Kinder & Erwachsene, Haus der Familie, Nostizstr.6, Kreuzberg

28.10., 15–20 Uhr


Neue – auch selbst organisierte – Termine unter:

www.facebook.com/search/top/?q=swap until you drop berlin

www.facebook.com/groups/1467865336782393/

 

Was nicht passt, wird passend gemacht

„Bis es mir vom Leibe fällt“ ist ein „Veränderungsatelier“ für Textilien – neuerdings mit angeschlossenem Upcycling-Verein

Die beim Tauschen ergatterte Jacke ist klasse – leider einen Tick zu groß. Und durch die Löcher in der Destroyed-Jeans kommt nun doch arg viel kalte Luft. Elisabeth Prantner betreibt in Berlin nicht nur das Modelabel Lisa D., sondern auch das Veränderungstelier „Bis es mir vom Leibe fällt“, in dem Lieblingsstücke angepasst oder zu neuen IT-Pieces umgearbeitet werden. Seit kurzem existiert nun auch ein Verein, der unter anderem regelmäßig Workshops anbietet, in denen man lernt, Kleidungsstücke zu reparieren oder umzuarbeiten. Jeden ersten und dritten Samstag steht Vereinsmitgliedern zudem eine Offene Werkstatt zur Verfügung.

Frankenstraße 1, Schöneberg, Di–Fr 10–19 Uhr, Sa 11–16 Uhr, Tel.: 23 62 97 16

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